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P. Diddy und Snoop Dogg in Berlin Rapkönige der Herzen

15.03.2007 ·  Hip-Hop-Giganten im Doppelpack: P. Diddy und Snoop Dogg haben alte, mörderische Rivalitäten beigelegt und stehen jetzt gemeinsam in Deutschland auf der Bühne. Ihre Auftritt in Berlin aber war eine Enttäuschung.

Von Sven Beckstette
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Bevor es losgeht, gibt es erst einmal ein bisschen Werbung. Auf den Videoleinwänden nebst der Bühne räkeln sich weibliche Schönheiten, schließlich erscheint das Motto „Life Without Passion is Unforgivable“. Es handelt sich um einen Clip für P. Diddys neues Herrenparfum mit dem etwas seltsamen Namen „Unforgivable“. Riecht es so streng, dass sein Tragen unverzeihlich ist, oder ist es gar unverzeihlich, dass Diddy jetzt so etwas macht?

Natürlich nicht, denn erstens stieg „Unforgivable“ auf Anhieb zum meistverkauften Männerduft in den Vereinigten Staaten auf, und zweitens ist es nur konsequent, wenn Sean Combs, so Diddys bürgerlicher Name, neben einem Unterhaltungskonzern, einem preisgekrönten Modelabel und extravaganten Autofelgen nun auch eine Parfümlinie im Sortiment seines Multimillionendollarkonzerns hat. Vor allem die ökonomischen Errungenschaften haben Diddy zur „personifizierten Erfolgsstory des Hip-Hop“ gemacht, wie es der profundeste Rapkenner Nelson George formulierte.

Rückbesinnung auf den Gangsta-Rap

Es wurde höchste Zeit, dass Diddy sich wieder einmal seiner Kernkompetenz zuwendet. Das Ergebnis ist „Press Play“, eine Platte, die mit einer verschwenderischen Fülle von Starauftritten aufwartet. Für die anstehende Tour hat er sich nun mit Calvin Broadus alias Snoop Dogg zusammengetan, dessen jüngstes Album „The Blue Carpet Treatment“ ebenfalls eine Rückbesinnung auf den Gangsta-Rap mit deftigen Funk-Grooves bedeutete.

Die alte Rivalität zwischen Ost- und Westküste scheint Rapgeschichte. Zunächst abwechselnd, dann zusammen betreten die neuen Partner im Reim die zweistöckige Bühne in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Wie zu erwarten ist Diddy ein Mann der großen Gesten. Doch zeigt er keinerlei Gespür für Dramaturgie, verfügt über wenig Bühnenpräsenz, und für seine stimmlichen und tänzerischen Leistungen war er sowieso noch nie berühmt. Nicht das eigene Material sticht hervor, sondern ein Medley aus „Sweet Dreams“ von den „Eurythmics“, „Song 2“ von „Blur“, Joan Jetts „I Love Rock 'n' Roll“ und „We Will Rock You“ von Queen, Stücke aus dem allgemeinen Popgedächtnis also, die wirklich jeder zwischen zehn und fünfzig mitsingen kann.

Der Charme blieb in schwedischen Gardinen

Vielleicht macht das Plakative Diddys eigentliches Talent aus. Seine barock-pompöse Inszenierung wäre überhaupt nicht schlimm, wenn sie wirklich beeindrucken würde. Doch die Show wirkt einfach nur überdimensioniert und simpel gestrickt. Selbst die blockbusterhafte Emotionalität ist eher Kalkül als tatsächliches Gefühlskino. Seine größte Single „I'll Be Missing You“ etwa, in der Diddy seinerzeit den Tod seines den Gangsta-Rivalitäten zum Opfer gefallenen Freundes Notorious B.I.G. verarbeitet hat, erklärt er kurzerhand zum allgemeinmenschlichen Trauerspiel. Auf den Videoleinwänden sieht man dazu Bilder von verstorbenen Freunden und Kollegen von James Brown bis Aaliyah, aber auch - besonders abgeschmackt - Prinzessin Diana. Derart platt hat sich ja nicht einmal Elton John an die Königin der Herzen herangeschmissen.

Snoop auf der anderen Seite, der vor wenigen Tagen wegen eines Drogenvergehens in Stockholm kennen gelernt hat, was der Volksmund hierzulande schwedische Gardinen nennt, ist musikalisch zwar wesentlich besser, und vor allem kann er sich mehr auf die eigenen Stücke verlassen. Doch selbst er wirkt an diesem Abend unbeteiligt; von seinem Charisma und seinem Charme ist wenig zu spüren.

Natürlich haben beide genügend Hits im Programm, mit denen sie das Publikum in ordentlicher Lautstärke gehörig anheizen können, doch fehlt es an Überraschungen. Neben dem üblichen Hände-in-die-Luft-Werfen und „How you're feelin'?“- Rufen fällt ihnen nicht viel mehr ein. Dass das in dieser Gewichtsklasse auch anders geht, hat im letzten Jahr Kanye West mit einer fulminanten Show bewiesen, die auf solche Plattitüden aus Hip-Hop-Kindertagen souverän verzichten konnte. Dass ein Konzert dieser Größenordnung übers Mittelmaß nicht hinauskommt - das ist wirklich unverzeihlich.

Quelle: F.A.Z. vom 15. März 2007
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