Home
http://www.faz.net/-gqz-75l9k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Neues Lied von David Bowie Die Stadt der lebenden Toten

Bei David Bowie ist die Berlin-Nostalgie ausgebrochen: Nach zehn Jahren Pause veröffentlicht er ein Video mit Goldelse, kryptischer Lyrik und Sphärenklängen.

© AFP Der Welt entrückt: David Bowie meldet sich nach zehn Jahren mit neuem Video und einem Album im März zurück.

Wenn alle schon nur noch Häme für Berlin übrig haben, wird es Zeit, dass sich wenigstens die Popmusik mal wieder bewundernd um die Stadt kümmert. Immerhin ist das Album „Achtung Baby“ von U2 nun auch schon wieder über zwanzig Jahre alt, die letzten Trabis sind aus dem Straßenbild verschwunden und das Lied „One“, das irgendwann mal schön war, ist abgenudelt.

Jan Wiele Folgen:

In die Lücke stößt überraschend David Bowie, der sich selbst und der Welt zum 66. Geburtstag eine neue Video-Single geschenkt hat, mitsamt der Nachricht, im März folge nach zehn Jahren auch wieder ein Album. Bowie hat seine eigene Geschichte mit Berlin, wo er von 1976 bis 1979 in Schöneberg im selben Haus wie Iggy Pop lebte und in den Hansa-Studios mit Brian Eno und Tony Visconti die Alben seiner „Berlin-Trilogie“ aufnahm.

In dem neuen Lied „Where Are We Now“ stimmt er eine kryptisch-nostalgische Lyrik über sphärischen Klängen an, die zeitweise wie das Gegenstück zu Herbert Grönemeyers jüngstem Englisch-Radebrech klingt: „Sitting in the Dschungel / On Nürnberger Straße / A man lost in time / Near KaDeWe / Just walking the dead“. Den legendären Tanzclub „Dschungel“ hatte Bowie damals frequentiert. Ob die Passage „Had to get the train / From Potsdamer Platz / You never knew that / I could do that“ dagegen wohl eher auf aktuelle Probleme der Berliner S-Bahn anspielt?

Außenansicht des ehemaligen Wohnhauses von David Bowie © Thiel, Christian Vergrößern Ach, Berlin: In diesem Haus in Schöneberg wohnte David Bowie 1976.

Auch das Musikvideo des Künstlers Tony Oursler zu dem neuen Song ist eine ästhetische Herausforderung: In einem Künstleratelier sitzt eine zweiköpfige Puppe mit den Gesichtern Bowies und einer noch nicht identifizierten Frau vor einer Leinwand, über die historische Berlinfilmschnipsel flimmern, Mauersplitter und Goldelse, während Bowie versucht, die Zeilen „Twenty thousand people / Cross Bösebrücke“ zu singen. Die spielen wohl auf den in der Nacht vom 9. November 1989 als ersten geöffneten Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin an der Bornholmer Straße an. Am Ende ist man doch gerührt. Ach, Berlin! Vielleicht macht ja bald doch noch der Flughafen Tempelhof wieder auf.

Mehr zum Thema

Quelle: Faz.net

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Album der Woche Möge die Straße immer wieder hart sein

Reisesegen für die verflossene Geliebte: Die kalifornische Band Dawes hat in Nashville ein großes Rock-Album aufgenommen, das kein Pathos scheut. Mehr Von Jan Wiele

29.06.2015, 16:45 Uhr | Feuilleton
Album der Woche Nena Oldschool

Hörprobe: Lieder von früher Mehr

01.03.2015, 15:00 Uhr | Feuilleton
Yanis Varoufakis The choice is hers

Greek Finance Minister Yanis Varoufakis appeals to German Chancellor Merkel: Trust us! Mehr Von Yanis Varoufakis

20.06.2015, 17:02 Uhr | Wirtschaft
Musikvideo Shantel & Areti Ketime

Ihn hat berührt, wie entrückt sie scheint, fast ätherisch: Für sein neues Album hat Shantel mit der griechischen Sängerin Areti Ketime zusammengearbeitet: EastWest - Dysi Ki Anatoli heißt das Stück. Mehr

22.02.2015, 11:13 Uhr | Feuilleton
Nicole Leidenfrost Der Königin hat das blaue Pferd gefallen

Das Acrylgemälde, das Bundespräsident Gauck der Königin schenkte, stieß in der Öffentlichkeit auf wenig Begeisterung. Auch Elisabeth II. reagierte verhalten. Im Internet wird der Künstlerin mit Häme und Spott begegnet. Sie selbst sieht sich in der Tradition Franz Marcs. Mehr Von Florian Siebeck

25.06.2015, 20:48 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.01.2013, 16:14 Uhr

Glosse

Alpilsbachel

Von Gerhard Stadelmaier

„35 Euro für ein Fünf-Liter-Fässle“ vom guten Schwarzwälder Gebräu zahlt der chinesische Bierliebhaber gern. Die Aussprache des „Alpirsbachers“ stellt die fernöstliche Kundschaft allerdings vor einige Schwierigkeiten. Mehr 2 1