26.06.2009 · Erfolgreich war er, massenwirksam, eigenwillig und vor allem eines: geheimnisvoll. Niemand, der seine Karriere mitverfolgt hat, hätte damit gerechnet, dass es mit ihm ein anderes als ein spektakuläres Ende nehmen würde.
Von Edo ReentsSo überraschend und bestürzend diese Nachricht ist - wohl niemand, der die Karriere dieses Mannes, der nur fünfzig Jahre alt wurde, mitverfolgt hat, hätte damit gerechnet, dass es mit ihm ein anderes als ein spektakuläres, frühes Ende nehmen würde. Als Musiker war er lange schon tot - als Mensch war es noch länger, vermutlich seit dem Zeitpunkt, an dem ruchbar wurde, dass er sich zu Kindern mehr hingezogen fühlte als Erwachsenen, unter denen er sich, laut eigener Auskunft, immer fremd fühlte.
Trotz des Freispruchs in einem quälenden Kinderschänderprozess vor einigen Jahren war Michael Jackson die letzten Jahre ein gebrochener Mann, der immer noch zehrte von dem einzigartigen Ruhm aus den achtziger und frühen neunziger Jahren, der auf dem Zenit seines Schaffens seine Hautfarbe änderte und damit seine alte leugnete, der bald immer wunderlicher wurde, sich maskierte, immens viel Geld verbrauchte, sich Affen hielt, irgendwann seine phantastische Neverland-Ranch, diese Zuflucht für eine durch und durch künstliche Unschuld, verkaufen musste und schließlich die von der Welt wohl eher bang als freudig erwartete Rückkehr auf die Bühne, die kommenden Monat in London hätte stattfinden sollen, um eine Woche verschob.
Musikalische Großtat mit „Thriller“
Ob aus gesundheitlichen oder anderen Gründen, das spielt nun keine Rolle mehr; man hätte es ohnehin kaum noch für möglich gehalten, dass er jemals wieder dorthin zurückkehrte, wo er sich nach eigener Auskunft zeitlebens am wohlsten und überhaupt zu Hause fühlte.
Michael Jackson ist also tot, und die Erinnerung an seine musikalischen Großtaten, die in dem Album „Thriller“ von 1982 ihren von keinem anderen Unterhaltungskünstler erreichten Höhepunkt fanden, verblasst merkwürdigerweise angesichts des Schocks, den diese Nachricht bedeutet. Zu trauern haben wir um den erfolgreichsten, massenwirksamsten und doch, das macht ihn neben vielem anderen so besonders, eigenwilligsten, geheimnisvollsten Popstar aller Zeiten, der nie die Chance hatte zu erfahren, was ein normales menschliches Leben ist.