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Zum Tod von Malcolm Young : Malcolm, der Meister

Sein musikalischer Minimalismus macht den Erfolg von AC/DC aus: Malcolm Young Bild: Picture-Alliance

Mit AC/DC gründete er die größte Hardrockband aller Zeiten und gab ihr den unverkennbaren Sound. Nun ist der Gitarrist Malcolm Young im Alter von 64 Jahren gestorben. Sein Vermächtnis liegt in seinen Riffs. Ein Nachruf.

          Drei, zwei, eins. Drei Akkorde, zwei, ein Riff reicht und die Fans wissen, wer aus dem Radio dröhnt: Malcolm Young, der Meister der Rhythmus-Gitarre, der den Sound einer der größten Hardrockbands aller Zeiten geprägt hat – AC/DC. Wenn Malcolm Young die Saiten einer Gretsch anschlägt, ist Starkstrom angesagt, im Wechselspiel mit seinem Bruder Angus an der Lead-Gitarre Wechselstrom, und das Ganze wird zu einem Klangteppich, der sich von der ersten bis zur letzten Platte im Laufe von mehr als 40 Jahren kein neues Webmuster brauchte. Besonders variabel war das nicht, aber etwas anderes als satt eingespielte Beständigkeit wollen die Fans von AC/DC auch gar nicht. Drei, zwei, eins und – Rock. Sonst nichts.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In dem Volldampfensemble von AC/DC, das im Laufe der Jahre vor allem durch Schicksalsschläge Umbesetzungen erfuhr – der Sänger Bon Scott starb 1980 und wurde durch Brian Johnson ersetzt –, erschien Malcolm Young stets als der unscheinbare zweite Mann mit den drei Akkorden. Die Show machte und gehörte seinem jüngeren Bruder Angus, der sich bis ins hohe Alter in einer Schuluniform (die seine Schwester Margret empfohlen hatte und Angus als Bühnen-Outfit zuerst suspekt war) an der Gitarre austobte, während Malcolm an der Gretsch mit dem Schlagzeuger Phil Rudd und dem Bassisten Cliff Williams den Takt vorgab und den Grundton ausmachte. Selbst bei einem der größten Kracher der Band – dem Stück „Thunderstruck“ -, bei dem Malcolm erst nach rund einer Minute eingreift und dann ewig lange ein- und denselben Akkord schlägt, sorgt er dafür, dass die Post abgeht.

          Er hielt den Laden zusammen

          Dass Malcolm Young dafür nicht viel tun musste, wäre ein Trugschluss. Sein musikalischer Minimalismus macht den Erfolg von AC/DC aus, sein puristisches, komplett unverzerrtes Gitarrenspiel bestimmt den unerreichten Sound. Von Malcolm stammten zudem die meisten Songs von AC/DC. Er hatte 1973 die Band gegründet, zu der dann als nächstes sein Bruder Angus stieß, und er hielt den Laden zusammen – in den schwierigen Anfangsjahren in Australien und in den drei Jahrzehnten darauf, in denen AC/DC die Charts stürmte und kontinentale Tourneen unternahm.

          Als Malcolm Young 1988 zum ersten Mal gesundheitliche Probleme zu einer Pause zwangen (er musste seine Alkoholsucht kurieren), stellte sich die Kardinalfrage zum ersten Mal: AC/DC ohne Malcolm Young an der Rhythmus-Gitarre, geht das überhaupt? Es ging, weil ihn sein Neffe Stevie perfekt kopierte und einsprang, bis Malcolm wieder zurückkehrte. Und er machte für die nächsten 26 Jahre weiter, trotz Herzerkrankung, trotz der Tatsache, dass er mit eisernem Willen zwischenzeitlich Akkord um Akkord neu lernen musste, als habe er seine Gretsch zum ersten Mal in der Hand. Im Frühjahr 2014 dann gab die Band bekannt, dass Malcolm pausieren, im Herbst des Jahres wurde publik gemacht, dass der an Demenz Erkrankte sich endgültig zurückziehen musste. Nun musste abermals sein Neffe Stevie ran und als Sänger – da Brian Johnson später ebenfalls wegen drohenden Hörverlusts endgültig ausfiel – als Sänger Axl Rose von den Guns n` Roses. Mit ihnen war AC/DC, was man kaum für möglich gehalten hatte, fast immer noch AC/DC – der Malcolm-Sound war nämlich immer noch da. Ohne den wäre alles nichts. „Well, it's Malcolm's Band“, hat vor Jahren der zwischenzeitliche AC/CD-Bassist Mark Evans bekundet und damit das Wirken des Bandgründers auf und hinter der Bühne gemeint.

          Am heutigen Samstag ist Malcolm Young, der am 6. Januar 1953 in Glasgow, Schottland geboren wurde, im Alter von 64 Jahren in Australien gestorben. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder. Und einen Gitarrensound, der ebenso einfach wie unnachahmlich und eine Inspiration für viele andere große Rockgitarristen geworden ist. Auf dem „Highway to Hell“, der mit AC/DC bekanntlich gar nicht in die Hölle führt, sondern zur großen Freiheit, wird nichts anderes gespielt.

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