http://www.faz.net/-gqz-93wr1

Zum Tod von Malcolm Young : Malcolm, der Meister

Sein musikalischer Minimalismus macht den Erfolg von AC/DC aus: Malcolm Young Bild: Picture-Alliance

Mit AC/DC gründete er die größte Hardrockband aller Zeiten und gab ihr den unverkennbaren Sound. Nun ist der Gitarrist Malcolm Young im Alter von 64 Jahren gestorben. Sein Vermächtnis liegt in seinen Riffs. Ein Nachruf.

          Drei, zwei, eins. Drei Akkorde, zwei, ein Riff reicht und die Fans wissen, wer aus dem Radio dröhnt: Malcolm Young, der Meister der Rhythmus-Gitarre, der den Sound einer der größten Hardrockbands aller Zeiten geprägt hat – AC/DC. Wenn Malcolm Young die Saiten einer Gretsch anschlägt, ist Starkstrom angesagt, im Wechselspiel mit seinem Bruder Angus an der Lead-Gitarre Wechselstrom, und das Ganze wird zu einem Klangteppich, der sich von der ersten bis zur letzten Platte im Laufe von mehr als 40 Jahren kein neues Webmuster brauchte. Besonders variabel war das nicht, aber etwas anderes als satt eingespielte Beständigkeit wollen die Fans von AC/DC auch gar nicht. Drei, zwei, eins und – Rock. Sonst nichts.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In dem Volldampfensemble von AC/DC, das im Laufe der Jahre vor allem durch Schicksalsschläge Umbesetzungen erfuhr – der Sänger Bon Scott starb 1980 und wurde durch Brian Johnson ersetzt –, erschien Malcolm Young stets als der unscheinbare zweite Mann mit den drei Akkorden. Die Show machte und gehörte seinem jüngeren Bruder Angus, der sich bis ins hohe Alter in einer Schuluniform (die seine Schwester Margret empfohlen hatte und Angus als Bühnen-Outfit zuerst suspekt war) an der Gitarre austobte, während Malcolm an der Gretsch mit dem Schlagzeuger Phil Rudd und dem Bassisten Cliff Williams den Takt vorgab und den Grundton ausmachte. Selbst bei einem der größten Kracher der Band – dem Stück „Thunderstruck“ -, bei dem Malcolm erst nach rund einer Minute eingreift und dann ewig lange ein- und denselben Akkord schlägt, sorgt er dafür, dass die Post abgeht.

          Er hielt den Laden zusammen

          Dass Malcolm Young dafür nicht viel tun musste, wäre ein Trugschluss. Sein musikalischer Minimalismus macht den Erfolg von AC/DC aus, sein puristisches, komplett unverzerrtes Gitarrenspiel bestimmt den unerreichten Sound. Von Malcolm stammten zudem die meisten Songs von AC/DC. Er hatte 1973 die Band gegründet, zu der dann als nächstes sein Bruder Angus stieß, und er hielt den Laden zusammen – in den schwierigen Anfangsjahren in Australien und in den drei Jahrzehnten darauf, in denen AC/DC die Charts stürmte und kontinentale Tourneen unternahm.

          Als Malcolm Young 1988 zum ersten Mal gesundheitliche Probleme zu einer Pause zwangen (er musste seine Alkoholsucht kurieren), stellte sich die Kardinalfrage zum ersten Mal: AC/DC ohne Malcolm Young an der Rhythmus-Gitarre, geht das überhaupt? Es ging, weil ihn sein Neffe Stevie perfekt kopierte und einsprang, bis Malcolm wieder zurückkehrte. Und er machte für die nächsten 26 Jahre weiter, trotz Herzerkrankung, trotz der Tatsache, dass er mit eisernem Willen zwischenzeitlich Akkord um Akkord neu lernen musste, als habe er seine Gretsch zum ersten Mal in der Hand. Im Frühjahr 2014 dann gab die Band bekannt, dass Malcolm pausieren, im Herbst des Jahres wurde publik gemacht, dass der an Demenz Erkrankte sich endgültig zurückziehen musste. Nun musste abermals sein Neffe Stevie ran und als Sänger – da Brian Johnson später ebenfalls wegen drohenden Hörverlusts endgültig ausfiel – als Sänger Axl Rose von den Guns n` Roses. Mit ihnen war AC/DC, was man kaum für möglich gehalten hatte, fast immer noch AC/DC – der Malcolm-Sound war nämlich immer noch da. Ohne den wäre alles nichts. „Well, it's Malcolm's Band“, hat vor Jahren der zwischenzeitliche AC/CD-Bassist Mark Evans bekundet und damit das Wirken des Bandgründers auf und hinter der Bühne gemeint.

          Am heutigen Samstag ist Malcolm Young, der am 6. Januar 1953 in Glasgow, Schottland geboren wurde, im Alter von 64 Jahren in Australien gestorben. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder. Und einen Gitarrensound, der ebenso einfach wie unnachahmlich und eine Inspiration für viele andere große Rockgitarristen geworden ist. Auf dem „Highway to Hell“, der mit AC/DC bekanntlich gar nicht in die Hölle führt, sondern zur großen Freiheit, wird nichts anderes gespielt.

          Weitere Themen

          Das kleinste Musikstudio der Welt

          Produktion für Dummies : Das kleinste Musikstudio der Welt

          Wer Popmusik machen will, muss heute fast nichts mehr gelernt haben. Dafür sorgen hochintelligente Geräte und Programme. Die besten der Welt kommen aus Berlin – und werden von Stars wie Justin Timberlake und Ed Sheeran benutzt.

          Neue Hymnen für alte Hippies

          Album der Woche : Neue Hymnen für alte Hippies

          Nur Epigonen von Led Zeppelin? Nein, weit gefehlt: Greta Van Fleet, eine Jungsbande aus Michigan, mischen mit ihrem Langspiel-Debüt „Anthem of the Peaceful Army“ die Rockszene endlich mal wieder so richtig auf.

          Es fehlt der Realitätsbezug Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Dogman“ : Es fehlt der Realitätsbezug

          Der neue Film von Matteo Garrone ist kein schöner Film und spielt in einer Gegend, die wir oft nur aus dem Kino kennen: Auf der Rückseite Süditaliens. - Ob es sich trotzdem lohnt ihn zu sehen verrät Andreas Kilb.

          Topmeldungen

          TV-Duell in Hessen : Und plötzlich eine Schicksalswahl

          Der Zusammenhalt der Koalition, die Zukunft der SPD: Nach der Bayern-Wahl geht es in Hessen um mehr als nur den neuen Landtag: Beim TV-Duell wird deutlich, wie schwer die Klötze an den Füßen der beiden Spitzenkandidaten sind.
          Google hat die Geschäftsregeln für das mobile Betriebssystem Android in Europa geändert.

          In Europa : Google ist nicht mehr überall gratis

          Der Internetkonzern verlangt jetzt von Handyherstellern Geld für seine Dienste. Das ist eine Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell. Und könnte eine dramatische Folge haben. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.