08.01.2009 · Man kann es schon lange nicht mehr hören: Die Musikindustrie stirbt. Bei Amazon werden seit Monaten CDs regelrecht verramscht, bei iTunes ist der Kopierschutz gefallen - doch damit ist auch die „Musik-Flatrate“ vom Tisch.
Von Edo ReentsImmer die gleichen Zahlen: Verkaufsrückgang von Tonträgern, vor allem CDs, weltweit um zehn, gern auch zwanzig Prozent. Mit mathematischer Voreiligkeit könnte man daraus folgern, dass, wenn die Rate zehn Jahre lang um zehn Prozent sinkt, am Ende gar nichts mehr verkauft wird; die Musikindustrie wäre damit praktisch schon tot. Aber so ist es natürlich nicht; die Bemessungsgrundlage“ für immer neue Rückgänge sinkt ja auch von Jahr zu Jahr. Die Musikindustrie stirbt trotzdem, man kann es schon lange nicht mehr hören.
Ist denn da keiner, der diesem langsamen Sterben ein Ende bereitet? Hätten wir es mit einer zurechnungsfähigen Person zu tun, dann würde sich irgendwo vielleicht eine Patientenverfügung finden, aus der hervorgeht, dass von lebenserhaltenden Maßnahmen abzusehen ist. Die großen Plattenfirmen - nach ihrer Größe aufgezählt: Universal, Sony/BMG, Warner, EMI - könnten es mit Rilkes Herbst-Gedicht halten, das man auch sonst über Todesanzeigen liest: „Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. / Und sieh dir andre an: es ist in allen. / Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen / unendlich sanft in seinen Händen hält.“
Doch keine Musik-Flatrate
Diesen Einen gibt es nicht, es sind, auch das eine alte Leier, die vielen, die nicht einsehen, warum sie für fünfzehn oder zwanzig Euro eine CD kaufen sollen, wenn sie sich die Musik auch günstiger oder sogar kostenlos (dann aber meistens illegal) aus dem Internet herunterladen können. Das hatte an allen Fronten Folgen: Wichtige Mainstream-Künstler wie Paul McCartney, Madonna und die Rolling Stones haben ihrer Plattenfirma von sich aus den Rücken gekehrt, um sich entweder eine neue zu suchen oder, mit Unterstützung einer Café- oder Supermarktkette, ihre Produkte auf eigene Faust zu vertreiben, wenn sie nicht gar, wie die Band Radiohead, ihr Album direkt ins Netz stellen und es den Hörern überlassen, ob und wie viel diese dafür bezahlen wollen. Den von beiden Seiten, den Musikern und den Internetanbietern, in die Enge getriebenen Plattenfirmen ist dagegen bisher nicht viel eingefallen.
Jetzt scheinen sie endgültig die Waffen zu strecken: Nicht nur, dass über Amazon oder den französischen Anbieter Fnac die CDs seit Monaten verramscht werden - die großen Firmen haben sich mit Apple darauf geeinigt, nun eine wirklich heilige Kuh zu schlachten: Der Kopierschutz fällt, und zwar von sofort an. Das bedeutet, dass Musik über den von Apple vertriebenen Apparat iTunes beliebig oft heruntergeladen werden kann. Man braucht zum Hören auch keinen Apple-iPod-Spieler mehr. Es wird aber, statt der bisher einheitlichen 99 Cent pro Lied, ein flexibles Preissystem geben, so dass begehrte Titel künftig wohl bis zu 1,29 Euro kosten, die uninteressanten dagegen verschleudert werden. Dank der marktbeherrschenden Stellung der vier großen Konzerne können jetzt also rund achtzig Prozent aller verfügbaren Titel heruntergeladen werden; die Plattenfirmen sehen einem noch einmal ganz erheblichen Anstieg offen ins Auge.
Mit dieser in der Tat überraschenden Einigung ist wohl auch die sogenannte Flatrate, die unter anderem von dem einflussreichen Musikproduzenten Rick Rubin ins Spiel gebracht wurde, vom Tisch, die vorgesehen hätte, dass die Hörer gegen eine monatliche Gebühr von zehn bis zwanzig Euro so viel Musik aus dem Netz ziehen können, wie sie wollen.
Flatrate gibts schon lange...
Alex Merck (AlexM3)
- 07.01.2009, 23:16 Uhr
das Ende einer Branche, endlich
Alexis Schweitzer (alexisschweitzer)
- 09.01.2009, 09:46 Uhr
Neue Ideen..
Norbert Lang (eltonno06)
- 09.01.2009, 10:25 Uhr