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Marko Perkovic : Der Hass-Sänger

Polarisiert: Marko Perkovic Bild: AP

Er wirkt wie eine Kreuzung aus Heino und Bruce Springsteen, und er wird verehrt wie eine Lichtgestalt. Doch Marko Perkovic, Star des kroatischen Turbo-Folks, leiht einem trüben Nationalismus seine Stimme.

          Schüler und Studenten tragen schwarze T-Shirts mit seinem Bild und unterschreiben ihre Fan-Post mit „Bog i dom“ (Gott und Heimat) oder „Za dom spremni“ (für die Heimat bereit). Auf den gleichen T-Shirts, die vorzugsweise vor Fußballstadien verkauft werden, sind nicht selten auch General Ante Gotovina zu sehen, der in Den Haag wegen Kriegsverbrechen vor Gericht steht, der kroatische Quisling Ante Pavelic oder auch schlicht nur das „U“, das Zeichen der Ustascha, die während des Zweiten Weltkriegs mit der Billigung Hitlers und Mussolinis den kroatischen Rumpfstaat NDH regiert hatte. Zu seinen Konzerten kommen Skinheads, Kriegsveteranen und Minister der kroatischen Regierung, aber auch Rentner, Hausfrauen und sogar Nonnen.

          Karl-Peter Schwarz

          Korrespondent für die Tschechische Republik, die Slowakei, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien mit Sitz in Wien.

          Marko Perkovic nennt sich „Thompson“, nach der Marke der Maschinenpistole, die er im Jugoslawienkrieg verwendete. Er trägt natürlich auch ein schwarzes T-Shirt mit seinem Emblem, dem gezackten Griff eines Fantasy-Schwertes, und eine Kette, an der ein großes, silbernes Medaillon mit einem Kreuz baumelt. Der Typ wirkt wie eine Kreuzung aus Heino und Bruce Springsteen, die Stimme schwächelt, und in der Motorik ähnelt er eher einer Zapfsäule als Little Richard. Aber wo immer er auftritt, strömen ihm Jung und Alt zu. Cavoglave, seine Heimatgemeinde im dalmatinischen Hinterland, hat er mit einem Lied den Kroaten in Kroatien wie in der „Diaspora“ weltweit bekanntgemacht - in Bosnien-Hercegovina kennt man es ebenso wie in Deutschland, in Australien, in Kanada und in den Vereinigten Staaten.

          Ruhig und stolz

          Aus Kalifornien schreibt da etwa Marija Sutic einem Chatforum: „Mein Papi hat im Krieg zur Verteidigung der Heimat gekämpft, als ich noch ein kleines Mädchen war. Wenn ich Thompson höre, bin ich ruhig und stolz, Kroatin zu sein. Seine Lieder haben mir geholfen wie schon meinem Papi und vielen anderen Kroaten.“ Es sind immer dieselben Höhepunkte, auf die Thompsons pyrotechnisch aufgemotzte Bühnenshow zusteuert. Während Tiho Orlic die Bassgitarre als Phallus-Prothese in die Höhe reckt, löst sich Thompson aus seiner Lethargie und rammt ein riesiges Fantasy-Schwert in die Bohlen.

          Einmal holt er als kroatische Grenzer uniformierte Trommler auf die Bühne, dann wieder begleitet ihn ein traditioneller Frauenchor aus Dalmatien. In Zagreb schwenkte er eine riesige kroatische Fahne über der Bühne, während über dem vollen Maksimir-Stadion ein Feuerwerk niederging. Nach solchen national-populären Entladungen schaltet die Regie das Bühnenlicht aus, und die Fans schwenken zehntausend kleine Lichtlein, während Thompson die heimliche Hymne der kroatischen Veteranen anstimmt: „Lijepa li si“ (wie schön du bist): „Sprich Bruder, frag mich nichts, es war und ist vorbei. Gott möge verhindern, dass es noch mal kommt. Ich hatte Glück und kam nach Hause, viele kehrten nie zurück. Frag mich nichts, doch zünde eine Kerze an für die, die für ihre Heimat gefallen sind. Sprich, Bruder, sind wir verflucht, dass alles so schnell vergessen wird? Gott möge verhüten, dass sie uns wieder einmal brauchen, dichter Nebel wird sich wieder senken.“

          Verehrt wie eine Lichtgestalt

          Kein anderer Star des kroatischen Turbo-Folks polarisiert so stark wie er. Die einen verehren ihn wie eine Lichtgestalt, der mit seinem mächtigen Schwert Gott, Nation und Familie gegen die Mächte der Finsternis verteidigt; den anderen ist er ein Brechmittel, verkitscht und verlogen, geschichtsvergessen und national borniert. Während der ehemalige Außenminister Zuzul und der noch amtierende Wissenschaftsminister Primorac kaum eines seiner Konzerte auslassen, wachsen sich seine Auftritte im In- und Ausland immer mehr zu außenpolitischen Belastungen für eine Regierung aus, die das Ziel des EU-Beitritts verfolgt.

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