20.11.2009 · Er ist zwar nicht sehr lebendig, aber laut Selbstauskunft auch lange nicht tot: Marilyn Manson geriert sich bei seinem Konzert in Köln noch immer als Antichrist mit Vogelscheuchenkostüm und Plastikbierflaschen. Was soll er auch anderes tun?
Von Eric PfeilEs läuft nicht allzu gut für den selbsternannten „Antichrist Superstar“. In Deutschland spielt Brian Warner, der Mann hinter der Kunstfigur Marilyn Manson, in halbvollen Hallen. Die, die gekommen sind, geben sich deutlich als ergebene Fans, als Armee der Eingeweihten zu erkennen; bei den Damen dominiert ein Hang zum Burlesken: viel Netzstrümpfe, Getigertes und Militärisches.
Es gibt für einen halbwegs gefestigten Menschen jenseits der zwanzig nur eine Art, sich Marilyn Manson zu nähern, ohne enttäuscht zu werden: Man muss ihn als Komiker begreifen, als nervigen dunklen Clown. Dann kann man Spaß mit ihm haben, zumindest solange er sich etwas Mühe gibt. Der Unterschied ist: Früher konnte er mit seiner auf Hollywood-Niveau inszenierten Gruselnummer ein breites Publikum unterhalten, doch schon seit einigen Jahren spielt er im Pop-Zirkus keine Rolle mehr. Die Tage, in denen man ihm die Amokläufe an amerikanischen Schulen in die Schuhe schieben wollte, liegen lang zurück.
Nicht tot, aber auch nicht lebendig
Das Konzert im Kölner Palladium beginnt mit Stimmungsmache aus der Horrorkiste: Nebel wabert, es maunzt, jault, kreischt, wimmert, und dann tritt Manson auf und hantiert mit Laserstrahlen herum. Es gibt auch Musik. Aber der aus Industrial, Glamrock, Metal und Elektro zusammengeschraubte Fetischladenrock war bis auf zwei, drei Songs nie der Rede wert, und er ist es auch heute nicht. Also richtet man den Fokus auf Manson, dessen Maskerade den Eindruck erweckt, er sei in einen Halloween-Laden spaziert: Mal trägt er ein Vogelscheuchekostüm und hält eine brennende Bibel in der Hand, später stülpt er sich einen Stahlhelm über und wickelt sich eine Deutschlandfahne um den Hals, derweil sich im Hintergrund zu faschistoiden Symbolen stilisierte Dollar-Zeichen entrollen. Dazwischen schmeißt er ausgiebig mit Plastikbierflaschen um sich und spuckt in Handtücher, die er ins Publikum wirft.
Das Problem sind weniger seine als Provokation missverstandenen Lümmeleien. Manson tritt auf der Stelle. Aber was soll er tun? Ein akustisches Freak-Folk-Album mit Rick Rubin aufnehmen? Damit dürfte er den Humor seiner Fans testen, vielleicht würde er sogar über die Grenzen seiner Anhängerschaft hinaus vernehmbar. „Marilyn Manson and Rock are not fucking dead“, krakeelt er gegen Ende. Es klingt verzweifelt.