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„Live 8“ - Pro und Contra Ein Lob für Bob? Oder eher: Bob, ein Flop?

04.07.2005 ·  Bob Geldof veranstaltet mit „Live 8“ das größte Pop-Konzert der Geschichte - und ruft zur Afrikahilfe auf. Nur ein Spektakel von Weißen für Weiße? Oder ernstgemeinte Hilfe? Autoren der Sonntagszeitung geben Pro und Contra.

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Er hilft, wo er kann, und hat er nicht auch mal Musik gemacht? Soll Bob Geldof in Zukunft eine größere Rolle spielen? Johanna Adorján meint Ja, Nils Minkmar gibt Contra.

Pro: Ein Lob für Bob

Kaum tut jemand in der Öffentlichkeit etwas Gutes, steht jemand anderes auf, zeigt mit dem Finger auf ihn und schreit: Das tut der doch in Wahrheit nur für sich selber! Ja, na und? Jeder tut alles für sich selber, davon ist mal auszugehen. Menschen werden Spitzenpolitiker, weil sie das Gefühl von Macht berauscht. Menschen werden Arzt, weil es ihrem Ego guttut, sich gebraucht zu wissen. Journalisten schreiben gegen Windräder an, weil welche vor ihren Wochenendhäusern stehen. Wahrscheinlich hat auch Mutter Teresa es genossen, für ihre Arbeit gemocht zu werden, und wäre sie deswegen ein schlechterer Mensch?

Bildergalerie: „Live 8“ - Pro und Contra

Jetzt organisiert also Bob Geldof zum zweiten Mal ein großes Konzert für Afrika, und alles sei falsch daran. Erstens tue er es, um selbst gut dazustehen. Zweitens helfe es niemandem, nur ein Bewußtsein zu schaffen. Und drittens, solange da keine afrikanischen Musiker aufträten, sei das Ganze sowieso nicht ernst zu nehmen. Entschuldigung, wie sähe es denn aus, ein gutes Konzert für eine bessere Welt? Ohne Konzert? Ohne jemanden, der es organisiert?

Wie sollen afrikanische Musiker für die Nöte ihres Kontinents in der westlichen Welt ein Bewußtsein schaffen, wenn sich das hier niemand im Fernsehen anschauen oder aufs Konzert gehen würde? Man könnte jetzt noch anführen, daß es doch egal sei, welche niederen Beweggründe letztlich dazu führen, daß sich Politiker wie Tony Blair dann Daumen hoch mit Bob Geldof fotografieren lassen, solange sie Afrika die Schulden erlassen. Das einzige, was man Geldof aus deutscher Sicht wirklich vorwerfen kann, sind: Söhne Mannheims, Juli, Silbermond, Chris de Burgh, Sasha, Joana Zimmer, Reamonn. Und Daniel Powter und Renee Olstead, wer auch immer sie sind.

Contra: Der Bob, ein Flop

Ich habe weniger Hits geschrieben als Bob Geldof, nämlich gar keinen. Er hatte diesen einen. Die meisten seiner Kollegen aber haben wesentlich mehr geschrieben. Manche können gar nicht anders, es ist wie ein Fluch. Elton John zum Beispiel: Ein Hit zum Frühstück, einen zum Lunch, einen beim Einkaufen und einen im Kino. Sir Bob ist da nicht so. Daher hat er sehr viel Zeit. Er kümmert sich um Afrika. Wenn es Afrika nicht gäbe, von dem Sir Bob immer sagt, wir dürften es nicht vergessen, dann hätten wir Sir Bob vergessen.

Afrika wird ihm nicht widersprechen, das ist ein Vorteil. Indien zum Beispiel hat schon mal widersprochen, nach dem Tsunami hat es ausländische Hilfe einfach abgelehnt. Ging auch alleine. Da weiß man also nie. Viele Afrikaner sind sehr höfliche Menschen, und sie achten vor allem alte Menschen mit grauen Haaren, Menschen wie Sir Bob, darum würden sie seinen Einsatz nie ablehnen. Außerdem brauchen sie das Geld. Aber ich bin kein Afrikaner, ich muß nicht ja sagen zu diesem Spektakel von Weißen für Weiße. Zu diesem scheinheiligen Verweis auf die G-8-Männer, die angeblich alles ändern könnten, während wir - Wähler, Konsumenten, Steuerzahler - angeblich nur Fernsehen schauen können? Wo sind die gleichberechtigten afrikanischen Partner von Bob Geldof?

Warum redet er über Afrika, als gäbe es dort keine Politik, keine Staaten, keine Verantwortlichen, keine Denker und keine Dissidenten? Sind die Sorgen der Bewohner von Marokko dieselben wie in Libyen? Wird auch in Kairo gehungert? Geldofs Afrika ist immer noch der dunkle, elende, unpolitische Kontinent aus der Albert-Schweitzer-Zeit und wird es immer bleiben. Weil er ihn so dringend braucht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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