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Lemmy Kilmister : Der Geist der bösen Weihnacht

  • -Aktualisiert am

Heiligabend hat noch jemand Geburtstag: Lemmy Kilmister wird am 24. Dezember 65 Jahre alt - entgegen aller medizinischen Logik. Ein Gespräch mit dem Motörhead-Sänger über seinen gottgleichen Status, Religion, Diabetes, Patti Page und über Winnie-the-Pooh.

          Seit Menschengedenken kommt er pünktlich im Advent nach Deutschland, stellt sich auf die Bühne und sagt: „Good evening! We are Motörhead, and we play Rock and Roll“ (wobei er das „and“ selbstverständlich sauber mitspricht.) Meistens hat er eine neue Platte dabei. Diesmal gibt es sogar einen Film über ihn. Wir treffen den Gründungsvater des Heavy Metal in Winterthur. Er hockt entspannt in einem lausigen Backstageraum, vor sich einen einarmigen Banditen.

          Lemmy, konkurrieren Sie eigentlich mit dem Nikolaus? Sie bedenken uns alle Jahre wieder genau in der Vorweihnachtszeit mit Tourneen und Alben.

          Santa Claus, ha! Das ist neu. Man hat mich schon Gott oder Jesus genannt, aber nicht Santa Claus. Hm, allerdings habe ich mich schon als Santa verkleidet. Einmal fürs Fernsehen. Und einmal für das Cover unseres Albums „Ace of Spades“.

          Rock and Roll bei Rock am Ring: Lemmy Kilmister im Juni
          Rock and Roll bei Rock am Ring: Lemmy Kilmister im Juni : Bild: picture alliance / dpa

          Gerade feierte der Dokumentarfilm „Lemmy: The Movie“ Premiere. Gefällt er Ihnen?

          Ja, der Film ist in Ordnung. Ich musste mich nicht allzu sehr schämen oder bei der Premiere heimlich rausschleichen. Die Filmemacher waren zu mir gekommen und hatten gefragt, ob sie eine Doku über mich drehen können. Sie wirkten nicht so, als ginge es ihnen nur um ein paar schnelle Dollars. Sie vermittelten mir das Gefühl, sie müssten das einfach tun - und ich weiß, wie sich das anfühlt! Also gab ich ihnen eine Chance.

          Der Film gibt recht intime Einblicke in Ihr Privatleben und wirft völlig neue Fragen auf. Warum etwa hängen in Ihrem Badezimmer zwei singende Plastikfische?

          Nun, eben weil sie gut singen können. Der erste singt (beginnt, zu singen): „Take me to the river, put me in the water.“ Der zweite singt: „Don't worry, be happy.“ Macht Sinn, oder?

          Bestimmt. Der Satz „Lemmy ist Gott“ ist ein geflügeltes Wort auf Rockfestivals, und auch in „Lemmy: The Movie“. Ihre Fans sind sich da ziemlich sicher. Können Sie beweisen, dass Sie nicht Gott sind?

          Ganz einfach: Ich habe Diabetes. Gott nicht. Zumindest steht nichts darüber in der Bibel. Ist Ihnen im Übrigen aufgefallen, dass in der Bibel keine einzige Katze auftaucht? Das ist doch seltsam, oder? In der Religion der alten Ägypter spielt die Katze eine große Rolle. Die Christen machen Schluss mit Katzen: No pussy for the Christians! (Lacht dreckig.)

          Was würde sich für Sie besser anfühlen? Gott, Jesus oder Santa?

          Santa. Er bringt den Leuten am meisten. Nämlich Geschenke. Das tut Jesus nicht. Und Gott kommt sowieso nie vorbei. Er zeigt sich höchstens in der Musik, die er Auserwählte schreiben lässt. Etwa Beethoven. Wenn Gott einen Namen hätte, wäre er vermutlich polnisch: Wladyslaw Zbigniewski oder so. Irgendwas, das niemand aussprechen könnte.

          Ihre Songs sind aber häufig an Gott adressiert.

          Nein, mir geht es eher um das Versagen der Menschheit. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich Gott erreichen sollte. Denn ich kenne seine Adresse nicht. „Gott im Himmel“, dieser Brief ginge an den Absender zurück.

          Sie machen sich gerne über die unbefleckte Empfängnis lustig. Vor Kurzem hat der Papst den Spieß umgedreht: Die Intellektuellen hätten sich die krude Geschichte ausgedacht, eine Jungfrau könne nicht von einem Geist geschwängert werden. Ihre Entgegnung?

          Da hat er völlig recht. Aber das ist ja unerheblich. Der interessante Teil ist doch, dass der Ehemann die Geschichte glaubt: „Hallo Schatz, ich bin schwanger von einem Geist, aber noch Jungfrau!“ Und er entgegnet nur: „Aha, okay.“ Für mich ist das der unglaubwürdige Part.

          Warum glauben viele trotzdem daran?

          Weil ihre Eltern dran glauben. Wenn die Eltern „Neger“ sagen, sagen die Kinder auch „Neger“. Man lernt von seinen Eltern. Das ist das Problem. Wenn wir nicht von unseren Eltern lernen würden, würden wir nicht ihre Fehler wiederholen. Aber in meinen Songs singe ich eigentlich nicht über Religion. Ich sage nur, dass sie ein Fehler ist. Und zwar alle Religionen. Es ist wie mit den Politikern: Die Partei ist völlig egal. Sobald sie an der Macht sind, vermasseln sie es. Macht ist Versuchung. Und Priester und Politiker sind eben auch nur Menschen.

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