11.05.2010 · Sie ist für schrille Auftritte bekannt: Lady Gaga hat sich Höschen des britischen Wäschefabrikanten Rigby & Peller geliehen. Und nicht alle zurückgegeben. Ohne die Prototypen kann das Label seine Herbstproduktion nicht starten.
Von Felicitas von LovenbergBei Frauen kommt es bekanntlich nicht nur auf das Äußere an. Auch die Dessous sind wichtig. Schon Brecht, der alte Filou, verschenkte deshalb außer Gedichten am liebsten Unterwäsche. Großbritannien, derzeit führungslose, aber immer stilsichere Heimat von Sherlock Holmes und Agent Provocateur, steht vor der Frage, wohin die vier Unterhosen entschlüpft sind, die der tadellose Büstenhalterfabrikant Rigby & Peller der Sängerin Lady Gaga geborgt hat - und deren mysteriöses Verschwinden nun unverhofft Einblicke in die hochsensible Praxis des prominenten Slipverleihs gewährt. Von sieben Höschen, die man dem Popstar nach New York geschickt hatte, sind nur drei über den Atlantik ins Stammhaus nach London zurückgekehrt, vier werden noch vermisst.
Für Rigby & Peller, deren Produkte auch die englische Königin nah am Herzen trägt, ist der Verlust auch von nur wenigen Quadratzentimetern schwarzer Spitze und hautfarbenem Stretchmaterial keine Petitesse, handelt es sich doch um maßgeschneiderte Prototypen, die eigentlich bei der Modeschau des Hauses letzte Woche erstmals das Dämmerlicht der Öffentlichkeit hätten erblicken sollen. Zwar mussten deswegen jetzt keine Sans-Culottes auftreten, aber ohne die Prototypen kann das Label seine Herbstproduktion nicht in Angriff nehmen.
Das Gut fanatischer Fetischisten?
Die für ihre schrillen Outfits bekannte Lady Gaga, die manche auch schon für einen Avatar gehalten haben, hatte die handgenähten Höschen für einen Videoclip angefordert - möglicherweise eine Spätfolge ihres Zusammentreffens mit der Queen, bei dem Lady „Poker Face“ Gaga eine Kreation aus rotem Leder und Elizabeth II. ein breites Lächeln trug. Jetzt ist gute Naht teuer. Schon fragt man sich, ob die Höschen von einem fanatischen Fetischisten entführt wurden, der nun damit droht, die schmutzige Wäsche heiß zu waschen.
Verschwörungstheoretiker sagen, es könne kein Zufall sein, dass die Frau des Liberalen Nick Clegg kürzlich in einem Laden von Rigby & Peller gesichtet wurde. Bei Unterhosen kommt es, wie in Politik und Leben auch sonst oft, ganz auf Verpackung und Inhalt an. Maßunterwäsche hätte nicht nur der zwischen zwei Größen schwankende Thomas Mann zu schätzen gewusst. Vielleicht werden sich die Höschen an klandestiner Stelle wiederfinden. Hugh Grant bekannte einmal, das einzige, was ihn mit seinem Schauspielerkollegen Cary Grant verbinde, sei, dass auch er ab und zu gern Spitzenwäsche trage. Bis der Wind in den Rüschen wieder abflaut, halten wir es ganz unfrivol mit Jane Birkins Mutter: Das Beste, was man in Krisenzeiten tun kann, ist, sich in Seidenwäsche aufs Bett legen und Proust lesen.
Alles GAGA
Michael Meier (never1)
- 11.05.2010, 16:39 Uhr
Lady Gagas Unterwäsche: Jetzt Axlhöschen Overkill?
Rupert Brasch (aepfelundbirnen)
- 11.05.2010, 16:50 Uhr
Oh mein Gott -
Hans Liepert (Expatriate)
- 11.05.2010, 17:19 Uhr
Felicitas von Lovenberg Jahrgang 1974, verantwortliche Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben.
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