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Kris Kristofferson Freiheit ist auch nur ein Wort

22.06.2006 ·  Unter den prominenten outlaws Amerikas ist er vielleicht der widersprüchlichste: Oxford-Absolvent und Air-Force-Offizier, Trunkenbold und Sympathisant alternativer Lebensformen, dabei immer mit einem Fuß in Hollywood. Kris Kristofferson zum Siebzigsten.

Von Edo Reents
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Kris Kristofferson stammt aus der Generation derer, die in den sechziger Jahren ein Lebensgefühl zum Ausdruck brachten, das vom amerikanischen Film eingefangen worden war: eine Mischung aus viriler, jederzeit rauflustiger Härte und einer damals noch als wenig männlich empfundenen Sentimentalität, ja, Wehleidigkeit.

Fred Zinnemanns „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953) und John Hustons „Misfits“ (1961) definierten das Rollenbild mit solcher Nachhaltigkeit neu, daß die zu Ende des Jahrzehnts in böse schillernder Blüte stehende Popkultur die zuvor sichtbaren Widersprüche nicht nur gut verdaute, sondern geradezu aus solchen zu bestehen schien. Nur deshalb ist es verständlich, daß sich zwischen Country und Folk, zwischen Militärveteranen und Pazifisten, Reibungsverluste ergaben, die produktiv wirkten.

Janis Joplin machte seinen Song unsterblich. Und umgekehrt

Unter den outlaws - Johnny Cash, Waylon Jennings und Willie Nelson - ist Kristofferson vielleicht doch der widersprüchlichste: Oxford-Absolvent und Air-Force-Offizier, verantwortungsloser, dabei höchst zuwendungsbedürftiger Trunkenbold und Sympathisant alternativer Lebensformen, dabei immer mit einem Fuß in Hollywood, dessen Star er trotz einiger bemerkenswerter Rollen bei Sam Peckinpah und Michael Cimino nie wurde.

Der in Brownsville, Texas, als Sohn eines schwedischstämmigen Luftwaffengenerals geborene Sänger hatte nie ein Problem damit, sondern lebte dank der Tantiemen - rund fünfhundert Interpreten haben seine Lieder nachgesungen - komfortabel davon, das Hippielager mit Sprüchen zu beliefern, die diesem eine existentielle Note verliehen: zu Tode zitiert und in seiner banalen Weisheit doch nicht totzukriegen sein „Freedom's just another word for nothing left to loose“ aus dem Song „Me and Bobby McGee“, den Janis Joplin unsterblich machte (und umgekehrt).

Während Dylan sang, mußte er das Studio schrubben

Dieser Song, nicht „Born To Be Wild“ von „Steppenwolf“, brachte die Dialektik von Freiheit und Außenseitertum auf den Punkt, die in „Easy Rider“ so ernüchternd verhandelt wurde. Ähnlich sprichwörtlich wurden wundervolle Kompositionen wie „Help Me Make It Through The Night“ und „Loving Her Was Easier (Than Anything I'll Ever Do Again)“, welche die Promiskuitiven wie die Bodenständigen gleichermaßen berührten.

Kristofferson, der das Country-Songwriting von seiner Schablonenhaftigkeit befreite und es tiefer, persönlicher machte, aber mit seinem mäßig notensicheren Baßbariton kein ganz großer Interpret wurde, wußte noch, daß es Erniedrigung auch außerhalb der Klatschspalten gibt, in denen er freilich oft genug zu finden war: Während Bob Dylan „Blonde On Blonde“ aufnahm, mußte er das Studio schrubben. Das ist lange her. Seinen heutigen siebzigsten Geburtstag verbringt der inzwischen Seßhafte in seinem Zuhause auf Hawaii.

Quelle: F.A.Z., 22.06.2006, Nr. 142 / Seite 47
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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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