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Veröffentlicht: 25.01.2013, 15:06 Uhr

Kramms Hits Yoga auf Ecstasy

Spätestens wenn Niederländer mit dem kubanischen Staatsorchester den Hörsturz der Post-Berlusconi-Apokalypse frei im Netz veröffentlichen, wird Bruno Kramm klar: Silence is sexy.

© The Easton Ellises Kramms Hits: „Dance It Dance All” von The Easton Ellises

1. The Easton Ellises - Dance It

„We embrace Creative Commons“ ist der Slogan der kanadischen Retro-Synthpop-Rocker, die sich hemmungslos aus allen Stilschubladen bedienen. So landen ätherische Synthsweeps punktgenau im Dubstep. Rockgitarren erfrischen Stakkatoelektro, während verzerrte Independentvocals
vordergründigen Discohooks Tiefe verleihen. Die ungenierte Professionalität hat bei den Ellises eine lange Geschichte. Die beiden Musiker Alex D und Simon Roy sind bereits seit Ende der Neunziger ein internationales Aushängeschild für Music made in Canada. Weltweit tourten und veröffentlichten sie mit den Stereomovers, um sich jetzt auf ihre Wurzeln zu besinnen.

http://www.theeastonellises.com

© 4 Eyed Fish Kramms Hits: „The Sea“ von 4 Eyed Fish

2. 4 Eyed Fish - The Sea

Die Münchener Band fühlt sich in den Siebzigern sauwohl und frönt ungeniert ihrer Epoche des schnörkellosen Funk’n’Soul und des schweißtreibenden Rock. „The Sea“ erinnert an einen sanften Song von Tito and Tarantula, auch wenn die Exotik der Südamerikaner fehlt. Obwohl die Band zwar schon einige Jahre auf dem Buckel hat, gibt es bis heute noch keine eigene Webseite. Informationen zur Besetzung und Bandgeschichte sind auf dem sparsam gebauten Jamendo-Profil Mangelware, dafür spricht die Musik umso mehr.

http://www.jamendo.com/de/artist/342613/4eyedfish

© Effter Kramms Hits: „Folie à Deux“ von Effter

3. Effter - Folie à Deux

Wer glaubt, in Italien gäbe es nur Eros Ramazotti und Andrea Boticellis Belcanto, kann mit Effter einen Blick in die schmutzige, desillusionierte Post-Berlusconi-Ära wagen. Unheil dräuende Pianocluster, verzerrte Maschinenbeats und eine apathisch introvertierte Gesangsperformance ist noch die romantischere Variante des Effter-Kosmos. Das neue Album ist voll von bösen Überraschungen und ein Hoffnungsschimmer für das sonst so kalkulierbare Industrialgenre.

www.effter.com

© Silence is Sexy Kramms Hits: „Come Back To You“ von Silence is Sexy


4. Silence is Sexy - Come Back To You

Die holländischen Musiker mit dem Anklang an die Einstürzenden Neubauten im Bandnamen zelebrieren dann doch eher klassischen, dafür aber um so kurzweiligeren Independentrock. Ihr neuestes Album „Modern Antiques“ vermarkten sie in Eigenregie auf ihrer Bandseite. Das Vorgängeralbum „This Ain’t Hollywood“ wird dort als Gratisdownload bereitgestellt, den Titel „Come Back To You“ bieten die Niederländer dann auch noch einmal als orchestrierten 16:9-Hollywoodsoundremix an. Angeblich mit dem Cuban Republic Orchestra aufgezeichnet, klingt der Remix jedoch eher nach dem günstigen Surrogat einer Sample-Klangbibliothek. Das neue Album bleibt dafür in den vertrauten Rockgefilden  so wie die Originalversion von „Come Back To You“.

http://www.silenceissexy.nl

© Thoola Kramms Hits:„Che“ von Thoola


5. Thoola - Che

Der tschechische Folk in puristischer Kammerbesetzung wirkt im Schnelldurchlauf hoffnungslos antiquiert, entfaltet seine Stärken in der Rückbesinnung auf Leonard Cohen und die Dekade der friedlich kiffenden Sonnenkinder Kaliforniens. Akustische Kontemplation im Zeitalter von Facebook, Twitter und der ständigen Erreichbarkeit ist anstrengend wie Yoga auf Ecstasy - hilft aber sicher als homöopathisches Placebo gegen Hörsturz und nervöse Stresssymptome.

http://www.thoolamusic.com

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Quelle: Faz.net

 

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