1. Lazou - Meant To be
Meine Entdeckung der Latino-Ruhrpott-Connection Lazou steht in unmittelbarer Verbindung zum Bochumer Piratenparteitag letzten Jahres.Teil des Abendprogramms war eine Kundgebung gegen die GEMA-Tarifreform, in deren Pausen die junge Band um die stimmgewaltige Doreen Bethke die kalte und regnerische Atmosphäre des Bochumer Bermudadreiecks mit einem Schuss Vaya-Con-Dios-Latinoflair, Gypsy-Jazz und Balkanrhythmen aufwärmte. Der Titel „Meant To Be“ ist die erste professionelle Produktion der gerade mal zwei Jahre alten Formation.
2. Christian Michael feat. Knacki - Jalala
Zugegeben, ich bin ja bereits einiges gewöhnt - aber wenn mich mein Freund und Musikerkollege Düsenberg mitten in der Nacht per Handy aus dem Schlaf reißt, um mir dann den neuesten heißen Scheiß aus der Minimalszene vorzuspielen, wünschte ich mir manchmal eine Karriere als Blumenfachverkäufer. Trotzdem hatte er natürlich Recht - Christian Michael hat sich mit seinen instrumentalen Miniaturen zwischen Folklore und Dadaismus längst eine eigene Schublade im Arrangementfenster seines Sequencers zusammengeklickt. „Jalala“ ist zwar grenzgradig debil, verwandelt aber im Handstreich jede miesgelaunte Bürobelegschaft in fröhliche Mitnicker.
3. Bischler - Der Berg
Die Flucht in die eigenen Traumräume, das Erklimmen der inneren Berge, um von Oben der eigenen Welt Herr zu werden - Bischler ist lyrisch und eindringlich. Der Heidelberger Singer/Songwriter schreibt poetische Kleinodien, Schattengewächse am Rand der deutschsprachigen Popszene und ist in seiner stillen Art so viel revolutionärer als all die marketinggeschwängerten Blasen der heimischen Musikszene zwischen Nena und Naidoo. Wenn er dann den Song „Der Berg“ auf einer dunklen, dem Mond abgewandten Dachterrasse spielt, berührt das so sehr wie sein neues Album „zwischendrin“.
4. Sweet Danger - I need to know
Alternative Metal passt spätestens seit Lacuna Coil zu Italien wie zu Finnland. Sweet Danger müssen noch ein wenig an der visuellen Komponente arbeiten - trotzdem klingen sie in Nuancen wie Linkin Park, auch wenn sie beileibe nicht an deren kraftvolle Hooks und intensive Gesangsperformance herankommen. Abwechslungsreich sind die Songs allemal. Wobei irritiert, dass die GEMA-lizenzfreie Jamendo-Variante auf Youtube die berühmte Sperrtafel zeigt. Wer trägt Schuld? Die Henne oder das Ei? Das Ei des Columbus stammt zum Glück nicht von der GEMA und Sweet Danger gibt es weiterhin umsonst zum Runterladen.
www.facebook.com/pages/Sweet-Danger/130087187050312
5. Brad Sucks - Model Home
Der Soundtrack für das durchschnittliche kanadische Heim kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aus Brads Soundschmiede, denn dazu gibt es dort zu viel digitale Patina. Dafür hat der Indiepop-Elektro-Hybrid geniale Momente auf Lager, die an die große Zeit von Beck erinnern. Wer sich zu dessen schnodderigem Gesangstimbre noch eine Portion analog verstimmter Synthieläufe im Stile MGMT wünscht, dürfte auf den drei bisher unter Creative Commons erschienenen Alben eine Menge wahrer Songperlen finden.
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