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Kramms Hits : Hört mit Schmerzen: Musik ist Revolution

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Bild: F.A.Z.

Von Hünen mit rotem Rauschebart bis zum amerikanischen König der Welt: Bruno Kramm empfiehlt die besten, frei erhältlichen Songs aus dem Internet.

          1. Ben Caplan and the Casual Smokers - „Down to the River“


          Wenn der Hüne mit dem roten Rauschebart sein voluminöses Organ anhebt, vermag man das Leid eines Tom Waits und die Lebensfreude eines Tom Jones zu vernehmen, auch wenn die Länge des Bartes über das Alter des Multiinstrumentalisten aus Halifax hinwegtäuscht.

          Die Casual Smokers würzen in einem nicht minder atemberaubenden Spagat mit Zitaten aus Blues über Jazz bis Kletzmer und bereiten dem stimmgewaltigen Erzähltalent ein pointiert inszeniertes Bühnenbild. Bleibt nur die Frage offen, was sie gelegentlich rauchen.

          http://www.bencaplan.ca

          2. Sean Fournier – „King Of The World“

          Wenn der Amerikaner in seinem Song davon träumt, als König der Welt all seinen Reichtum zu teilen, dann glaubt man ihm das uneingeschränkt, denn der melancholische Regent der eigenen Creative Commons Musikwelt kennt den wahren Wert von „Sharing is Caring“ besser als jeder andere: Er verschenkt seine verträumten Popsongs bereits seit Jahren auf den einschlägigen „Free Music“ -Portalen. Zur Zeit finanziert der Singer/Songwriter mit einer eindrucksvollen Gratis -Marketingkampagne auf Jamendo die Produktion seines neuesten Albums. Das neue Werk „Brace Yourself“ nimmt es wortwörtlich : Die Unterstützer erhalten Armbändchen, die an die nächsten Gratistiteln erinnern.

          http://www.sean-fournier.com

          3. Annagramm – „Alles wird leicht“

          Die Leichtigkeit des Seins im Sinn und luftige Keyboardtupfer aus dem klingenden Äther gezupft, garnieren die Stuttgarter schwerelose Melodiosität zwischen Pop und Elektro mit deutschsprachiger „Letterkehr“ Poesie. Xaviour Naidoo nahm das Duo unter seine Studio-Fittiche, doch man war noch nicht so weit, entwickelte den eigenen Sound weiter, um später mit Hilfe erfahrener Techniker von „Deichkind“, „Silbermond“ und „Ich und Ich“ die eigenen Songs und Videoclips zu produzieren, die es jetzt auf der Webseite zu hören und sehen gibt.

          http://www.annagramm.com

          4. Genetiks – „Keine neue Heimat“

          Ergraute New Wave Veteranen verklären die elektrisierte Frisurendekade zwischen Anti-Atom -Demonstrationen und gefühlter Systemfrage im kreativen Druckkochtopf West-Berlin mit dem sinnfreien Wahlspruch: „Wer sich erinnern kann, ist nicht dabei gewesen“. Ohne Zweifel bedienen sich die Nürnberger Genetiks bei den Ikonen jener Zeit und stampfen unbeirrbar mit dem Agitations -Groove von Ideal „Komm wir lassen uns erschiessen“ und der Nonchalance der Deutsch Amerikanischen Freundschaft „Mussolini“ ins Retrozeitalter. Inzwischen hat sich jedoch der alte Protest - Button vom Revers ins Fleisch verwachsen – Hör mit Schmerzen, Musik bleibt Revolution!

          http://www.genoton.de

          5. CousCous – „Snowwhite“

          Zart, fragil, zerbrechlich schält sich aus einer kleinen Diabelli Klavieretude ein Mikrokosmos klingender Schneeflocken, die im Schmelz zarter Streichereinwürfe zu einer engagierten Klavierballade anschwellen.

          Zur Zeit finanziert das Dresdner Duo die erste CD Produktion per Startnext, dem provisionsfreien und gemeinnützigen Marketing Äquivalent zu Kickstarter aus Deutschland. Startnext beweisen, dass Crowdfunding in Deutschland nichts mit Almosenkultur zu tun hat. Wenn Künstler und Rezipient in einen Dialog treten, entstehen spannende neue Kunstformen fernab von reißbrettartiger Retortenkunst, die immer erst nach der Eingägigkeit statt nach den Inhalten schielt.

          http://www.startnext.de/couscous-debutalbum

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