1. The Dead Lovers - The Storm
Wer erinnert sich noch an die B-52s? Als wären die Sechziger gerade erst angebrochen, belebt das in Berlin ansässige englisch-deutsche Duo jedes Klischee mit unbändiger Spielfreude und klingt dabei wie eine Tarantino-Verfilmung der Gangsterromanze „Bonnie und Clyde“. Gerade mal ein halbes Jahr am Leben, kann man der Band bereits jetzt eine furiose Livekarriere prophezeien. Die Berliner Bühnen werden sie wohl schon diesen Winter im Sturm nehmen.
2. Das Aeon - Dilaemma
Das neue Projekt des fränkischen Wahlhamburgers Marco Sven Reinbold ist noch durchgeknallter als seine androgyne Horrorvision Lady Bloody Mary, verzichtet dabei aber auf die gewohnte Blut- und Gedärmdeko. Wahrscheinlich macht der Wechsel von englischen zu deutschen Texten die wütende Gesangsperformance noch einschneidender. Der irrsinnige Spagat zwischen Extremen wie Aphex Twin und den Einstürzenden Neubauten mit einer Prise Hamburger Schule ist in kommerziellen Gefilden eher selten anzutreffen, dafür ungefiltert und roh im freien Netz.
3. Milchstrasse feat. Le-C - Snow and Lights
Was die Open-Source-Bewegung betrifft, läuft Österreich Deutschland mit Meilenstiefeln davon. Beispielhaft für Creative-Commons-Musik unserer Nachbarn ist der Soundpark von FM4 auf ORF.at. Hier werden stilistisch sämtliche Register gezogen, solange Homemade und unter freier Lizenz produziert wird. Die experimentelle Spielwiese des Weinviertelers Bernhard W. mit dem kosmischen Bezug im Bandnamen hält bezaubernde Klänge für sternenklare Winternächte bereit.
http://fm4.orf.at/soundpark/m/milchstrasse/main
4. Poupée F - The Gull
Auch als Gewinner eines nationalen Talentwettbewerbs in der Ukraine
findet man kaum Anschluss an die westliche Musikszene, es sei denn man ist so gewitzt und stellt seine Musik unter Creative-Commons-Lizenz in das grenzenlose Promotion-Netz. Wählerisch bei den stilistischen Ingredenzien sind die fünf Chapkaträger indes nicht. Warum auch? Sie mischen Wave, Rock und Pop in handwerklicher Leichtigkeit, ohne dem osteuropäischen Hang zur Melancholie abzuschwören.
5. Löhstana - Pour Noel
Als nachträgliches Weihnachtsgeschenk kredenzt der Franzose Löhstana David die Folk-Chanson-Ballade „Pour Noel“. Seine Songs und Videos produziert der in Nizza an der Côte d’Azur lebende Gitarrist und Sänger in Eigenregie. Das gesammelte Œuvre im Netz ist beeindruckend: Über ein Dutzend Alben hat der fleißige Songschreiber seit 2007 zu einer musikalischen Biographie verdichtet und bietet sie gleichzeitig als Gratisdownload und zum Verkauf an.
http://www.lohstana-david.com/
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