Home
http://www.faz.net/-gsd-75wec
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Konzertabbruch in Washington Zu kritisch oder zu langweilig?

Der Rapper Lupe Fiasco muss bei einem Konzert vor Obamas Amtseinführung die Bühne räumen, als er einen Protestsong spielt. Aus Sicht der Veranstalter war das Lied einfach zu repetitiv.

© AFP Vergrößern Rap gegen das Establishment: Lupe Fiasco

Die Sicherheitsleute geleiten den Mann sehr freundlich von der Bühne, und auch er verhält sich friedlich, verbeugt sich ein letztes Mal vor seinem Publikum. Noch kurz zuvor hatte Lupe Fiasco die Zeilen „Limbaugh is a racist, Glenn Beck is a racist / Gaza strip was getting bombed, Obama didn’t say shit“ ins Mikrofon gerapt, wie auf einem im Internet verbreiteten Video zu sehen ist.

Nach Ansicht eines Zuschauers musste der Künstler deswegen sein Konzert abbrechen. „Lupe Fiasco wurde gerade von der Bühne geschmissen, nachdem er dreißig Minuten lang einen Antikriegs- und Anti-Obama-Song gespielt und gesagt hatte, dass er Obama nicht gewählt hat“, twitterte ein Reporter des „Foreign Policy Magazine“, der bei dem Auftritt in einem Washingtoner Club am Vorabend von Präsident Obamas zweiter Amtseinführungszeremonie anwesend war.

„Bizarre Performance“

Im Netz verbreitete sich daraufhin die Nachricht, dem Rapper sei wegen seiner kritischen Äußerungen der Mund verboten worden. Die Konzertveranstalter dementierten diese Nachricht mit dem Statement, sie seien nicht gegen die freie Meinungsäußerung und Fiasco sei zudem nicht „von der Bühne geschmissen“ worden. Der Grund für das Beenden seines Auftritts sei vielmehr dessen „bizarr repetitive, holprige Performance“ gewesen, welche dem Publikum auf die Nerven gegangen sei. Da an dem Abend noch andere Künstler auftreten sollten, habe man sich entschieden, mit dem Programm fortzufahren.

Lupe Fiasco hat den amtierenden Präsidenten schon häufiger kritisiert und ihn unter anderem als Kindermörder bezeichnet, wobei er sich auf  von Obama angeordnete Drohnenangriffe bezog. Der Rapper, der bürgerlich Wasalu Muhammad Jaco heißt und in Chicago aufwuchs, ist bekennender Muslim, möchte allerdings nicht als „Poster Boy des Islam“ gelten. Er ist Vertreter des sogenannten „conscious Hiphop“, der sich unter anderem gegen den genretypischen Frauenhass richtet, singt auch in einer Rockband und ist zudem Modedesigner.

Wie der britische „Guardian“ einmal berichtete, habe Fiasco zudem eine lange Auseinandersetzung mit seiner Plattenfirma Atlantic Records um künstlerische Freiheiten gehabt. Fiasco wird an anderer Stelle mit der Aussage zitiert, die amerikanische Außenpolitik rege Menschen in anderen Ländern dazu an, zu Terroristen zu werden.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Einstürzende Neubauten Der Pfau schlägt für den Generalfeldmarschall ein extragroßes Rad

Spät kommen sie, doch nicht zu spät: Die Einstürzenden Neubauten widmen sich mit Platte und Performance dem Ersten Weltkrieg. Auf der Suche nach Obskurem und Unbekannten entstand ein großartiges Album. Mehr Von Saskia Müller

18.11.2014, 19:31 Uhr | Feuilleton
Angriff mit Glasflasche Richter verurteilt Rapper Sido zu Bewährungsstrafe

Vor zweieinhalb Jahren schlug der Musiker Sido in einem Club einem anderen Mann eine Glasflasche auf den Kopf. Das Amtsgericht Berlin hat ihn hierfür nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Außerdem muss Sido an die Justiz zahlen. Mehr

28.11.2014, 13:39 Uhr | Politik
Jugendwort des Jahres Läuft nicht bei denen

Troll-Aktionen und platte Werbeversuche machen die Jugendwort-Wahl zur Farce. Am Ende entschied sich Langenscheidt gegen Schmuddelkram – und für eine Phrase, die schon vor zehn Jahren in aller Munde war. Mehr Von Jonas Jansen

24.11.2014, 20:55 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.01.2013, 12:27 Uhr

Ich tanz dir was

Von Wiebke Hüster

Das deutsche Tanztheater hat die Krise verschlafen, in der es steckt. Mit aufgerissenen Augen sucht es nach Themen – im festen Glauben, Kunst müsse zeitkritisch sein. Mehr