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Kendrick Lamar : Der Träumer mit dem brennenden Kopf

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Messias für alles Mögliche: Kendrick Lamar Bild: dpa

Früher war Kendrick Lamar der König des Hiphop, jetzt wird er der größte Rapper aller Zeiten genannt. Was ist er denn nun – gibt sein neues Album eine Antwort?

          Seit Ostern ist ständig vom „wichtigsten Rapper unserer Zeit“ die Rede. Oder vom „Erlöser des Raps“. Damit gemeint ist Kendrick Lamar, der nun sein viertes Album „Damn.“ herausgebracht hat und gerade damit die Billboard Charts stürmt. Er wurde vor neunundzwanzig Jahren in Compton geboren, diesem berüchtigten Getto-Stadtteil von Los Angeles – Heimat ziemlich vieler Gangster-Rapper, wie man spätestens seit 2015 durch den Film „Straight Outta Compton“ weiß.

          Vor sechs Jahren wurde Kendrick Lamar allerdings noch als „neuer König des Westcoast-Hiphop“ bezeichnet, weil Snoop Dogg und sein Entdecker Dr. Dre ihn dazu ernannt hatten. Bei all diesen Betitelungen bleibt dennoch einiges unklar: Warum genau ist jetzt Kendrick Lamar der „wichtigste Rapper“ unserer Zeit und nicht mehr „König des Hiphop“? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Hiphop und Rap – gibt es überhaupt einen?

          Freiheitskämpfer mit nackten Oberkörpern

          So richtig verlässlich scheint das schon mal keiner zu wissen. Denn: Seit Jahren tobt genau über diese Frage eine heftige Diskussion. Aber im Kern sieht es wohl so aus, dass Hiphop sich eher optimistisch für eine bessere Zukunft starkmacht und Fröhlichkeit verbreiten will, während sich Rap vornehmlich um gesellschaftliche beziehungsweise politische Schieflagen in der Gegenwart kümmert. Es wird sogar zuweilen von Rap-Musik mit „depressivem Ausblick“ gesprochen. Auf der anderen Seite beschreibt Rap erst einmal eine ganz bestimmte Art von Musik. Nämlich den Sprechgesang. Hiphop hingegen ist nicht nur Musik, sondern die Bezeichnung einer ganzen Jugendkultur, die sich wiederum durch die vier berühmten Säulen auszeichnet: Sprechgesang, Breakdancing, Graffiti und die Beats. Stichwort: Beatbox.

          Musikvideo : „i.“ von Kendrick Lamar

          Wobei man sagen muss, dass Kendrick Lamar jetzt nie wirklich durch sprühenden Optimismus aufgefallen wäre. Sein vor gut zwei Jahren erschienenes Album „To Pimp a Butterfly“ war ziemlich politisch und auch literarisch aufgeladen. Denn der Titel, so mutmaßte der „Guardian“, bezog sich auf Harper Lees berühmten Roman von 1960 „To Kill a Mockingbird“. Und auch das Albumcover von „To Pimp a Butterfly“ sprach Bände. Zu sehen war eine Gruppe schwarzer Freiheitskämpfer mit nackten Oberkörpern, die vor „dem“ Weißen Haus mit dicken Geldbündeln winken und so wirken, als hätten sie gerade eine Revolution gewonnen. Zu ihren Füßen liegt ein toter weißer Richter, offenbar ebenfalls ein Fingerzeig bezüglich Harper Lees anständigem Richter John Taylor, der im Laufe der Geschichte vergeblich versucht, den zu Unrecht angeklagten schwarzen Tom Robinson zu retten – doch gegen das kaputte System keine Chance hat.

          Die große offene Wunde

          Demnach ist besagtes Album also gar nicht Hiphop. In jedem Fall galt Kendrick Lamar spätestens ab der Veröffentlichung als „neuer Protestsänger der schwarzen Bürgerrechtsbewegung“ und wurde vom damaligen Präsidenten Barack Obama ins Weiße Haus eingeladen. Es gibt einige Bilder, auf denen sich Obama und Lamar im Oval Office herzlich umarmen und die Hände schütteln. Ihnen ist anzusehen, dass sie sich gemeinsam für das Gute einsetzen wollen. Für eine positive Zukunft, weltweit und im großen Stil? Also doch Hiphop?

          Lamar (links) 2016 beim Präsidenten, der gerade ein Lied für seine Tochter Malia gesungen hat.
          Lamar (links) 2016 beim Präsidenten, der gerade ein Lied für seine Tochter Malia gesungen hat. : Bild: Picture-Alliance

          Wohl eher nicht, wenn man nun Kendrick Lamars neuestes Album „Damn.“ bei Lichte betrachtet. Es ist voll von religiösen Bezügen – wie der Titel schon vermuten lässt, der mehr oder weniger das Anagramm von „Amen“ ist, wie „Die Welt“ feststellt. Dabei bezeichnet sich Kendrick Lamar selbst als nicht religiös. Er sagt, es ginge ihm vor allem um die Frage, welche Beziehung man generell zu Gott habe. Und seine Songs – egal, ob religiös oder nicht – würden dazu dienen, Antworten darauf zu finden, wer man ist. Und so geht es in „Damn.“ nicht nur um die große offene Wunde der Vereinigten Staaten, sondern um seine ganz private Herkunft. Compton. Seine Heimat. Seine Leute. Freunde, Familie und seinen Vater, umgeben von der schwierigen Gegenwart. Kendrick Lamar tritt nun eher als Bewusstmacher im eigenen Zirkel auf, anstatt gleich die Welt revolutionieren zu wollen.

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