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Jennifer Lopez auf der Berlinale Wenn Popstars auf die Leinwand drängen

16.02.2007 ·  In einem an Tiefpunkten nicht armen Wettbewerbsprogramm der Berlinale setzen „Bordertown“ und „Irina Palm“ zwei weitere. Beide Beiträge präsentieren Popstars in den Hauptrollen, doch die Schauspielkunst von Jennifer Lopez und Marianne Faithfull ist schnell erschöpft.

Von Verena Lueken, Berlin
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Vielleicht liegt es daran, dass es im Wettbewerb so wenig zum Lachen gibt, vielleicht aber auch nur daran, dass englische alte Schachteln mit braunem Haar, die im wirklichen Leben Popstars sind und niemals die plattfüßigen Stiefel tragen würden, die ihnen ihre Filmrolle abverlangt, offenbar eine unwiderstehliche Ausstrahlung haben.

Am Film jedenfalls kann es nicht liegen, dass alle von "Irina Palm" sprechen, als sei mit diesem britischen Beitrag zum Genre "Romantik im Rotlichtbezirk" eine neue Höhe des Filmschaffens erklommen worden. Marianne Faithfull spielt die Titelheldin und sucht, um eine sehr teure Behandlung für ihren todkranken Enkel bezahlen zu können, einen Job. Schon das ist eigentlich unerträglich: Könnte sie nicht einfach die Nase voll haben von ihrem Vorstadtspießerdasein? Sie findet nichts außer einer Hostessenstelle bei Sexyworld, einem schmierigen Schuppen in Soho, in den sie hereinstolpert in der Annahme, sie könne dort für eine Menge Geld Tee kochen und aufräumen. Ein garantierter Lacher? O ja, und so geht es weiter, mit Erklärungen, wie sie ihre Aufgabe bewältigen kann vor einem Loch in der Wand, durch das ihr die Arbeit zugereicht wird.

Fröhliche Schnaufer

"Wichsende Witwe" nennt sie sich selbst, und auch das sorgt im Publikum für fröhliche Schnaufer. Dabei sieht "Irina Palm" (Regie: Sam Gabarski) nicht besser aus als jeder beliebige Fernsehfilm, die Gitarrenmusik ist von großer Schlichtheit und Marianne Faithfulls Schauspielkunst schnell erschöpft. Immer wieder schaut sie ungläubig auf ihre Hände, die so vielen anonymen Männern auf der anderen Seite der Wand mit dem Loch Lust bereiten und mit denen sie sich ein kleines Vermögen erarbeitet, und immer sieht sie aus, als denke sie über wichtige Dinge nach.

Berlinale: Wenn Popstars auf die Leinwand drängen

Selbst wenn sie durch die Straßen läuft, auf den Zug wartet oder ein Bild aufhängt, ist ihr Blick in stiller Kontemplation nach innen gekehrt. Keinem anderen Schauspieler bisher haben wir derart lange beim Denken zugeschaut, ohne je zu erfahren, was denn Gegenstand dieser Nachdenklichkeit sei. Denn was aussieht wie Denken, ist, das darf man sagen bei einer Darstellerin, die bereits als Gewinnerin eines Schauspielbären hoch gehandelt wird, das schiere Unvermögen, das sich schon in früheren Rollen, etwa der Maria Theresia in "Marie Antoinette", nicht verbergen ließ.

„Bordertown“ als neuer Tiefpunkt

Wirklich überzeugt waren wir bisher von den Schauspielkünsten eines anderen Popstars ebenfalls nicht, und dabei bleibt es auch nach "Bordertown". Jennifer Lopez spielt in diesem Wettbewerbsbeitrag von Gregory Nava eine amerikanische Journalistin, die in eine Grenzstadt in Mexiko geschickt wird, um zu recherchieren, was es mit Hunderten von Frauenmorden auf sich hat, die dort verübt und vertuscht werden. Die Geschichte hat einen wahren Hintergrund, tatsächlich wurden Fabrikarbeiterinnen, die für amerikanische Firmen im Grenzgebiet rund um die Uhr Schichtdienst schieben, vor einigen Jahren in großer Zahl ermordet, ohne dass Polizei oder Regierung allzu engagiert nach den Tätern suchten.

Man könnte meinen, diese Geschichte erzähle sich von selbst, aber abgesehen von vor allem in der ersten halben Stunde starken atmosphärischen Aufnahmen vom nächtlichen Chaos und seinen Geräuschen ist der Film ein einziges Desaster. Jennifer Lopez postiert ihre Kurven gern im Gegenlicht vor einem Aquarium, ihr mexikanischer Kollege und Ex-Liebhaber in Gestalt von Antonio Banderas muss eine alberne Ponyfrisur tragen und ansonsten vor allem besorgt sein, und das Opfer, das seinen Mördern noch einmal entkam und sie zu den Tätern führen soll, hat zwischen Angstträumen genügend Zeit, von der Schönheit des heimatlichen Landlebens zu schwärmen.

Wenig überraschend, dass auch Jennifer Lopez' Figur nach und nach zu ihren mexikanischen Wurzeln findet, die sie in Chicago so lange verleugnet hatte. In einem an Tiefpunkten nicht armen Wettbewerbsprogramm setzte "Bordertown" einen neuen.

Quelle: F.A.Z., 16.02.2007, Nr. 40 / Seite 36
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Jahrgang 1955, stellvertretende Leiterin des Feuilleton.

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