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Veröffentlicht: 04.10.2012, 22:01 Uhr

Im Gespräch: Diana Krall Warum können Sie nicht im Stehen singen, Mrs Krall?

Zum Interview trägt Diana Krall eine Sonnenbrille. Am liebsten würde sie einfach nur die Songs von ihrem neuen Album vorspielen. Aber sie findet ins Gespräch, und auch die Brille legt sie ab.

von Claus Lochbihler
© Burkhard Neie/xix

Ist mit Ihren Augen alles in Ordnung, Mrs Krall? Sie tragen eine Sonnenbrille.

Ja, ich habe nur etwas Puder in die Augen bekommen. Außerdem vermisse ich meine beiden Söhne und Elvis, den ich seit sechs Wochen nicht mehr gesehen habe. Deswegen bin ich dünnhäutiger als sonst. Nur damit Sie wissen, was los ist, wenn ich an Ihrer Schulter plötzlich Tränen vergieße.

Wo steckt Ihr Mann denn?

Er ist auf Tour. Und ich bin selbst auch schon seit zehn Tagen unterwegs. Schwierig. Aber Elvis hat das gebraucht. Sein Vater ist im Dezember gestorben. Es tut ihm gut, rauszukommen und ein paar richtig große Konzerte zu spielen.

T-Bone Burnett, der Produzent Ihres Mannes, hat Ihr neues Album „Glad Rag Doll“ produziert. Es klingt auch ein wenig nach der Musik Ihres Mannes. Haben Sie ein Elvis-Costello-Album aufgenommen?

Nein, das ist natürlich ein Diana-Krall-Album. Aber es stimmt schon: Ich habe mich ein wenig auf sein Territorium gewagt. Es ist sicherlich das Album, auf dem ich am meisten von Elvis beeinflusst bin.

Beeinflussen Sie auch seine Musik?

Nicht besonders, glaube ich. Jedenfalls nicht so wie Elvis mich. Okay, er spielt jetzt mehr Ukulele als früher - auch auf meinem neuen Album übrigens. Das hat sicherlich mit mir und meiner Musik, dem Jazz, zu tun. Und praktisch ist es auch: Ich trage die Ukulele nach Hause und er mich.

Die neue Produktion ist von dem Bossa-Nova-Album, das Sie zuvor veröffentlicht haben, so verschieden wie die beiden Männer, die es produziert beziehungsweise arrangiert haben: T-Bone Burnett und Claus Ogerman. Wie würden Sie die beiden beschreiben?

Claus Ogerman ist ein leises Genie. Er spricht nicht viel, hat einen ziemlich trockenen Humor, ist unprätentiös, aber immer brillant. All das hört man auch seiner Musik an. Ich glaube, dass er noch immer nicht genügend Anerkennung findet. Er ist der einzige Arrangeur, dem ich keine Vorgaben gemacht habe. Ich habe die Songs ausgewählt, er hat sie arrangiert, und so habe ich sie gesungen. Dabei habe ich versucht, ihm und seinen wunderbaren Arrangements so wenig in die Quere zu kommen wie möglich. Normalerweise läuft es andersherum: Da nehmen wir die Songs zuerst in der Combo auf, und der Arrangeur legt anschließend das Orchester oder die Streicher darüber.

Und was für ein Typ ist T-Bone Burnett?

Ein richtiger Voodoo-Zauberer, ein ganz leiser. Er hört erst einmal zu und lässt die Leute machen. Und er hat eine ganz eigene Art, aufzunehmen und die Mikros zu plazieren. Die Arbeit mit T-Bone war sehr frei und kreativ, wir haben uns sehr viel mit dem Sound beschäftigt. Schon wegen der vielen Gitarren und Instrumente, die beteiligt waren. Es hat auch Spaß gemacht, dass bei manchen Songs Elvis mitspielt.

Haben Sie sich vorher viel mit T-Bone Burnett und seiner Musik befasst - dem Soundtrack zu „O Brother, Where Art Thou?“ oder mit „Raising Sand“ von Robert Plant und Alison Krauss zum Beispiel?

Nein. Jedenfalls habe ich seine Arbeit nicht eigens studiert. Manches kannte ich ohnehin schon. Und ich wusste ja von meinem Mann, wie T-Bone Burnett arbeitet. Und bei ihm war es genauso. Ich war für ihn so etwas wie eine leere Leinwand. Und genau das war mir auch recht.

Wer hat die Musiker ausgewählt?

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