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Helene Fischer, eine Erkundung : Atemlos durch Tag und Nacht

  • -Aktualisiert am

15. Juli 2014. So singen die Deutschen, die Deutschen, die singen so: Helene Fischer beim WM-Empfang vor dem Brandenburger Tor Bild: dpa

Helene Fischer ist berühmt. Helene Fischer ist erfolgreich. Helene Fischer ist Sängerin. Helene Fischer ist in Deutschland ein Star. Aber - wer zum Teufel ist Helene Fischer?

          Wie konnte es nur passieren, dass ich zum allerersten Mal von der Existenz Helene Fischers etwas mitbekam, als sie bei den WM-Siegesfeierlichkeiten am Brandenburger Tor auftreten sollte? Vorher hatte ich vielleicht ein paar Mal ihren Namen irgendwo gehört - aber ich hatte sie konsequent mit Helen Schneider verwechselt und mich mit dieser für ihr sagenhaftes Comeback gefreut.

          Von ihrem Auftritt selbst habe ich dann nur den Auftritt mitbekommen. Also die ersten paar Tritte, die sie auf die Bühne machte. Dann schaltete ich den Livestream im Internet ab. Denn das sah nicht gut aus. Das sah nach Schlager aus. Und keineswegs danach, was ich erwartet hatte, als wenige Sekunden zuvor Bastian Schweinsteiger in neugierig auf ihn gerichtete Mikrofone sagte, in Dortmund schätze man Helene Fischers Musik ja bekanntermaßen sehr, aber auch er höre sie wirklich gerne, nein wirklich.

          Vielleicht hatte ich einfach eine zu hohe Meinung von Bastian Schweinsteiger gehabt, den ich für voll zurechnungsfähig hielt und so sympathisch, dass ich ihn versehentlich immer, was keineswegs der Realität entspricht, meinem entfernten Bekanntenkreis zuordne (passiert mir sonst nur mit Matt Damon). Vielleicht ist Schlager ja auch gut geworden über die Jahre, die ich beharrlich weghöre? Vielleicht ist es inzwischen so was wie in Frankreich das Chanson? In Amerika Country? Vielleicht hätte ich den Livestream nicht abschalten sollen?

          Tage später finde ich, es ist an der Zeit, den Anschluss zu schaffen an das, was man in Deutschland zurzeit offenbar für einen kulturellen Höhepunkt hält.

          In Wahrheit wirbt sie für Kräuterbutter und Haarfärbecreme

          Dass Helene Fischer nicht Helen Schneider ist, weiß ich ja nun bereits. Dass Helene Fischer blond ist, auch. Ich sehe mir im Internet Fotos von ihr an, um sicherzugehen, dass ich sie nicht vor meinem inneren Auge mit der Sängerin Anastacia, der Sängerin Michelle, der Expolitikergattin Stephanie zu Guttenberg, der Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen, irgendeiner anderen nordeuropäischen Prinzessin oder einer der Schauspielerinnen aus der Serie „Melrose Place“ verwechsle. Helene Fischer, lerne ich dabei, hat eine gute Kinnpartie, ein offenes Lachen und ist ansonsten die Sorte Schönheit, mit der sich ausgezeichnet für Margarine werben ließe. (Gerade mal nachgeguckt: In Wahrheit wirbt sie, meiner Meinung nach ein Fehler, für Kräuterbutter sowie für eine Haarfärbecreme.)

          Sie hat mehr als fünf Millionen Tonträger verkauft. Dortmund hat knapp 600.000 Einwohner. Nicht ausgeschlossen natürlich, dass jeder Dortmunder acht Tonträger von ihr besitzt, aber nicht eben wahrscheinlich, denn Helene Fischer hat in ihrer - Moment - bislang achtjährigen Berufserfahrung im Veröffentlichen von Tonträgern sechs Stück davon auf den Markt gebracht. Dann wiederum, vielleicht sind zwei davon ja so gut, dass man sie mehrmals kaufen möchte? Oder zählen auch auf iTunes heruntergeladene Einzelsongs als Tonträger? Wenn das so ist, dann könnte es sich beim Erfolg von Helene Fischer natürlich doch um ein rein Dortmunder Phänomen handeln.

          Die Massenproduktion von Tonträgern übrigens setzte, wie ich an dieser Stelle fasziniert auf Wikipedia weiterlese, bereits Ende des neunzehnten Jahrhunderts mit der Entwicklung der Wachswalze ein. Diese wurde im Jahr 1888 von Thomas Alva Edison erfunden, der nicht nur Großes auf dem Gebiet der Elektrizität und Elektrotechnik geleistet hat, sondern etwa auch bei der Verfahrenstechnik im Bereich von Zement. Der Vorname Alva für Männer kommt aus dem Hebräischen (Alvah) und bedeutet „seine Hoheit“. Als Mädchenname ist er am beliebtesten in Schweden, 2005 landete er dort auf Platz acht der meistvergebenen weiblichen Vornamen.

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