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Heavy Metal : Die Schlacht der großen Vier

  • -Aktualisiert am

Die Band Metallica spielt ihre Lieder live zwei- bis dreimal so schnell wie auf Platte. Nicht nur der Bassist Robert Trujillo hat beide Hände voll zu tun. Bild: Vojtech „Huggi“ Florian

Wenn die vier wichtigsten Bands des Heavy Metal aufeinandertreffen, dann fliegen die Funken: Auf einem ehemaligen Militärflugplatz bei Prag treten Metallica, Slayer, Anthrax und Megadeth auf und liefern sich eine harte Schlacht.

          Wenn bei einer Safari die „Big Five“ versprochen werden, Elefant, Löwe, Nashorn, Leopard und Schwarzbüffel, dann kann man schon froh sein, wenn man tatsächlich vier davon zu sehen bekommt. Wenn bei einem Rockfestival die „Big Four“ angekündigt werden, Metallica, Slayer, Anthrax und Megadeth, verhält sich das ähnlich. Die „Big Four of Thrash Metal“, die vier amerikanischen Expeditionstrupps, die Anfang der Achtziger auszogen, sich ein Wettrennen um die Pole der Geschwindigkeit, der Wut und der Präzision zu liefern, diese vier, die die Welt des Heavy Metal für immer und zu ihrem Besseren verändert haben, einmal auf einer Bühne zu sehen: das ist etwas, worauf die, die erst glücklich sind, wenn ihnen das Blut aus den Ohren läuft, seit einem Vierteljahrhundert warten.

          Das wäre noch nicht einmal dann mit dem Auftreten der „Drei Tenöre“ zu vergleichen, wenn die sich zuvor fünfundzwanzig Jahre lang gegenseitig die Kehlköpfe zugedrückt hätten. Ganze Musikzeitschriften haben in dieser Zeit davon gelebt, die epischen Konflikte zu beschreiben, sowohl zwischen den Bands als auch innerhalb, die Hänseleien wiederzugeben (etwa, wenn Dave Lombardo von Slayer seinem Kollegen Lars Ulrich von Metallica öffentlich Schlagzeugunterricht anbot) oder die Saga der Erniedrigten und Beleidigten fortzuschreiben. Herrlich war das.

          Der Ostblock ist ein dankbarer Amboss für dieses Gehämmer

          Allein die Geschichte des Dave Mustaine, der wegen Drogeneskapaden bei Metallica rausflog, als die „professioneller“ werden wollten, dann eben seine eigene Band Megadeth gründete, wo kurz auch Kerry King spielte, bevor der doch lieber zu Slayer zurückging. Die alle auf einer Bühne, und zwar sicher nicht nebeneinander, denn so weit geht die Freundschaft auch nicht. Aber wie dann? Wer nach wem? Und wie werden sie aufeinander reagieren? Das sind so die Fragen auf dem Weg zu diesem ehemaligen Militärflugplatz Milovice bei Prag, denn es sind nur wenige Konzerte, die die vier zusammen geben, und fast alle im ehemaligen Ostblock, der immer schon ein dankbarer Amboss für derartiges Gehämmer war.

          Der Pacemaker an der E-Gitarre: Kerry King von Slayer

          Das heißt aber auch: rund hunderttausend Autos aus fast genauso vielen Ländern im zähen Anfahrtsstau durch das Militärgelände. Ausgerechnet Anthrax werden dann zum Opfer dieses Zuspruchs. Die New Yorker, die ohnehin immer ein bisschen abseits standen mit ihrer dissidentisch guten Laune, ihrem bunten Urlauber-Look und ihrem - nach Rauswurf nun wieder eingestellten - Sänger Joey Belladonna, der sich neben seinen herumwütenden Kollegen immer eher ausnahm wie ein fröhlich gurgelnder Gondoliere: Sie sind einfach zu früh dran für die meisten. „Tod am Nachmittag“ könnte man das nennen, aber bei Hemingway spielt das Ganze wenigstens erst um fünf; Anthrax mussten schon um vier ran. Das ist ein musikhistorisches Urteil eigener Art, auch wenn ein Fachmann, der extra aus Lyon angereist war, später den Auftritt sehr lobte (Sänger Belladonna wacklig, Gitarrist Scott Ian aber überragend, so jedenfalls der Franzose).

          Musik mit der Streitaxt

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