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Guns N’ Roses in Mannheim : Die Maschine läuft und läuft und läuft

Ohne sie kein Comeback: Sänger Axl Rose und Gitarrist Slash prägen den Sound der Band –- und waren jahrelang zerstritten. Bild: dpa

Guns N’ Roses zu Gast auf dem Mannheimer Maimarktgelände: Der lebende Rockstar-Mythos ist sich für kein Klischee zu schade, und die Fans lieben das. Allerdings macht sich auch erster Unmut breit.

          Hätte es das vor 20 Jahren gegeben? „Die Mannheimer Polizei zieht eine durchweg positive Bilanz nach dem Konzert der Band Guns N' Roses“, heißt es in einer Pressemitteilung noch in der Nacht zu Montag. Bitte was? Was ist denn da los? Die angeblich gefährlichste Band der Welt, berüchtigt für Eskapaden und einen Sänger, der früher Konzertfotografen verprügelte und mit seinen leichten bis mittelschweren psychopathischen Anwandlungen den Archetyp des aggressiven Rockstars gab – ein Liebling der Polizei?

          Axl Rose ist mittlerweile 56 Jahre alt, den Jugendsünden weitgehend entwachsen. Als Guns N' Roses sich 2016 partiell wiedervereinigten und ihre große „Not In This Lifetime Tour“ starteten, sollen sich die beiden anderen Mitglieder der Urbesetzung, Gitarrist Slash und Bassist Duff McKagan, gegenüber ihrem sprunghaften Frontmann ausbedungen haben, dass Rose dieses Mal pünktlich auf den Bühnen zu erscheinen habe – und die Fans, Band und Tourveranstalter nicht wieder zwei oder drei Stunden warten lässt wie zu Zeiten der legendären „Use Your Illusion“-Tour. Rose hält sich mit großer Disziplin daran, so auch gestern Abend.

          Es ist 19.26 Uhr, vier Minuten vor dem angekündigten Konzertbeginn, als das Vorspiel beginnt: Auf dem großen Bildschirm in der Mitte der Bühne startet der Trailer, ein großer Panzer schießt in Richtung Publikum, es ist die gänzlich unironische Ästhetik einer Stadionband, die sich stets sehr ernst genommen hat, und die deshalb und wegen der teils altbacken wirkenden grafischen Umsetzung voll in die Klischeekiste greift. Aber sei's drum, Guns N' Roses ist die pure Rockstar-Ikone, die anderswo peinlich und wie ihre eigene Karikatur wirken würde, nicht aber hier unter den rund 50.000 herbeigepilgerten Fans auf dem Mannheimer Maimarktgelände. Die Band ist Kult, selbst Zwanzigjährige, die noch nicht einmal geboren waren, als Axl Rose und Slash schon nicht mehr miteinander sprachen, tragen heute ihre T-Shirts, so wie vielleicht nur noch bei Nirvana, Metallica  oder AC/DC. Das muss schon eine Art Magie sein.

          Wenige Minuten später legen Rose, Slash, McKagan aus der Urbesetzung, Keyboarder Dizzy Reed aus der Zeit der „Use Your Illusion“-Tour, Gitarrist Richard Fortus aus Axls “Chinese Democracy“-Ära sowie Frank Ferrer (Schlagzeug) und Melissa Reese (Keyboard und Background Vocals) – wie meist – mit „It's so easy“ los. Die anderen Urmitglieder Steven Adler und Izzy Stradlin sind nicht dabei, aber das haben die Fans mittlerweile verwunden. Wichtig ist: Slash und Axl Rose mögen sich wieder, na ja, sie teilen zumindest wieder die große Bühne auf der offenen Freifläche.

          Das Set danach dauert drei Stunden und 20 Minuten, 29 Songs! Fulminant, erst recht für die Herren im fortgeschrittenen Alter. Die Setlist ist ein Best of ihrer ja gar nicht so umfangreichen Diskografie von gerade einmal sechs Alben, wobei „Chinese Democracy“, das 2008 erschienene Werk, ja mehr eine Axl-Rose-Solo-Scheibe ohne Mitwirkung von Slash und Duff McKagan ist. Dazu ein paar Cover-Versionen, die nach wie vor grandiose Version von „Live and Let Die“ und, natürlich, „Knockin' on Heavens Door“.

          Es wird viel geboten fürs Geld, keine Frage: Die Band liefert mittlerweile wie ein Uhrwerk. Alle Hits. Pünktlich. Ohne Eskapaden. Das ist zwar keine Kunst, aber Handwerk auf höchstem Niveau. Rose ist stimmlich an diesem Abend sehr gut drauf, kein Vergleich mit anderen kommerziell erfolgreichen Stadion-Rockstars dieser Ära, wie Jon Bon Jovi, der seine Songs fast nicht mehr singen kann und stattdessen seiner Band und dem neuen Gitarristen Phil X die hohen Passagen überlässt. Rose schafft noch alle Höhen, auch wenn er in den letzten 20 Minuten konditionell etwas nachlässt – aber das wäre auch jedem Mittzwanziger nach knapp dreieinhalb Stunden auf einer Bühne dieser Größe so gegangen. Abgesehen von einem dicken Einsatz-Patzer beim Soundgarden-Cover „Black Hole Sun“ ist Rose um Meilen besser als vor zehn oder 15 Jahren. Insgesamt ist die Band spielerisch auf den  Punkt – kein Vergleich mit dem vielfach kritisierten ersten Deutschland-Konzert in Berlin vor wenigen Wochen.

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