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Garland Jeffreys auf Tournee : Der Hit, der ihn reich machte, kostete ihn den Ruhm

Man nennt ihn „streetwise“: Garland Jeffreys in Aschaffenburg Bild: Wohlfahrt, Rainer

Garland Jeffreys wurde im Sommer 1980 mit dem Hit „Matador“ bekannt. Nun zeigt er mit einem sensationellen neuen Album und auf der Bühne sein Spätwerk, das begeistert. Im Sommer 2012 wird sein „Doo doo doo“ gesummt!

          Ein gedrungener, ganz in Schwarz gekleideter Mann betritt die Bühne des Aschaffenburger Colos Saals, einer Topadresse für wertbeständige Rockmusik, die in Wirklichkeit natürlich ein Friedhof für die Untoten vergangener Zeiten ist, und kommt, immer wieder lässig einen Arm reckend, sofort zur Sache: „We still believe in vinyl“, sagt er fast als Erstes. Die paar Dutzend Zuhörer, die sich hier sonst für irgend eine dieser Uriah-Heep- oder Deep-Purple-Wiedervereinigungen die Beine in den Bauch stehen, lassen ihn spüren, dass ihnen dieser Konservatismus sympathisch ist. Und dann legen er und seine Band los: „Coney Island Winter“, ein illusionsloser Sozialreport aus der Heimatstadt dieses Mannes, der 1943 oder 1944, die Angaben schwanken, in Brooklyn, New York, geboren wurde.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Die mit mittlerer Härte, funky gespielte Musik, dazu der latent aggressive, aber zutiefst humane Sprechgesang rufen Bilder von dieser Stadt auf, wie man sie aus manchen Filmen der siebziger Jahre kennt, in denen der Mann anfing, professionell Musik zu machen, man denkt an den von Harvey Keitel gespielten, schmierigen Zuhälter, der zum „Taxi Driver“ Robert DeNiro verschwörerisch sagt: „Ich hatte mal ’ne Stute auf Coney Island...“

          Eine Stute hatte er nie - seit 40 Jahren ist Jeffreys verheiratet

          Der Mann auf der Bühne hatte nie eine Stute auf Coney Island - er ist seit mehr als vierzig Jahren mit ein und derselben Frau verheiratet -, aber er wusste immer genau, wie es in Brooklyn zugeht und dass man sich, sofern man nicht allzu früh sterben will, vorsehen muss. Aus dem Geist von Vorsicht und Empörung resultiert eines seiner besten Lieder, „Wild in the Streets“, das er 1973 spontan auf die Nachricht von der Hinmetzelung zweier Kinder hin schrieb, ein mächtiger, zorniger, direkt in die Beine gehender Shuffle, auf den die Rolling Stones wohl selbst in ihrer „Exile On Main St.“-Phase neidisch geworden wären und der mittlere John Mellencamp sowieso. Die Brecker-Brüder stießen seinerzeit ins Horn, Dr. John haute in die Tasten. Leider findet sich das Lied, das zeigt, wie gut vernetzt dieser Sänger von Anfang an war, nicht auf der Debüt-LP, die in jenem Jahr bei Atlantic Records erschien.

          Garland Jeffreys gehört, ohne jeden rassistischen Unterton gesprochen, zu den Mischlingen, die Amerikas Popmusik noch ein ganzes Stück interessanter gemacht haben, Grenzgänger in jeder Hinsicht und doch von sehr eigenem, sofort wiedererkennbarem Zuschnitt, der nie beliebig oder ratlos wirkt, sondern immer einen starken, genauen Musizierwillen erkennen lässt. Stilistisch kann man ihn am ehesten vergleichen mit heute so gut wie vergessenen Soulsängern

          wie Bill Withers, Bobby Womack und R.B. Greaves, die um 1970 zwischen Phillysound, Blaxploitation und Spät-Motown ihre eigenen, kommerziell freilich nicht besonders einträglichen Nischen besetzten, in denen auch Jazz-, Reggae- und Ska-Untertöne Platz hatten und die dennoch nie aufhörten, Rootsrock zu sein.

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