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Verschollenes von Frank Zappa : Neues aus der Muffin-Forschung

  • -Aktualisiert am

Frank Zappa spielte gern mit amerikanischen Symbolen, doch er war offen für die Musik der ganzen Welt. Bild: Michael Ochs Archives

Damit hatten viele nicht mehr gerechnet: Zweiundzwanzig Jahre nach seinem Tod erscheint das letzte Studioalbum von Frank Zappa. „Dance Me This“ elektrisiert mit mongolischem Ober- und Untertongesang.

          Vielen galt das Album als verschollen, manche zweifelten gar an seiner Existenz. Nur einmal, im Juni 1993, fünf Monate vor seinem Tod, hatte Frank Zappa in einem Interview von dem neuen Projekt gesprochen: „Es wird ein Synclavier-Album mit dem Titel ,Dance Me This‘, und ich habe es für Modern-Dance-Gruppen konzipiert.“ Jetzt ist das letzte Studioalbum, das Zappa noch zu Lebzeiten vollendete, nach 22 Jahren als einhundertste offizielle Veröffentlichung im Zappa-Katalog endlich erschienen. Dass es nicht nur den Zappa-Hardcore-Fan, sondern die gesamte Musikszene elektrisiert, wird klar, wenn man sich die Besetzung der Aufnahmen anschaut: Denn mitnichten hat Zappa hier seine Visionen allein dem Musikcomputer überantwortet, auf den meisten Stücken geht es um leibhaftigen Gesang – und was für welchen!

          Im Januar 1993 besuchte eine Gruppe von „Deep Throat“-Sängern aus Tuwa die Vereinigten Staaten. Matt Groening – Vater der Fernsehserie „The Simpsons“ und fürsorglicher Zappa-Freund – wusste, dass der Musiker in die bizarre Vokalmusik Sibiriens vernarrt war und machte die Kehlkopfsänger Anatolii Kuular, Kaigl-Ool Khovalyg und Kongar-Ool Ondar mit ihm bekannt. Das Trio traf Zappa in seinem Haus im Laurel Canyon und nahm an der berühmt-berüchtigten „Salat-Party“ mit den weiteren Gästen Johnny „Guitar“ Watson und den Chieftains teil. Natürlich nutzte Zappa die Gelegenheit, um Aufnahmen mit den Tuwa-Sängern in seinem hauseigenen Studio „Utility Muffin Research Kitchen“ zu machen. Der wichtigste Teil dieser Einspielungen mit mongolischem Unter- und Obertongesang taucht jetzt in den Kompositionen von „Dance Me This“ auf.

          Klangforschung und Radikalität

          Schon im zweiminütigen Titelstück, ausgehend von einer übermütigen Piano-Phrase, erzeugt das langgezogene Krächzen der „Deep Throat“-Stimmen mit ihren gleichzeitig hohen Pfeiftönen die Illusion, es handele sich hierbei nicht um Naturklänge, sondern um rauhe Synthesizer-Sounds. Verkehrte Welt! Plötzlich greift Zappa noch einmal zur Gitarre – sein Sohn Dweezil hatte vorsichtshalber eine Anlage im Studio aufgebaut – und liefert in einem letzten, fünfzehnsekündigen Gitarrensolo die Essenz seiner unorthodoxen „Flattertechnik“ auf dem Griffbrett: eine Art ironischen Kommentar zum immerwährenden Wunsch seiner Fans nach weiteren Gitarrensoli.

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          „Dance Me This“ mündet bruchlos in „Pachuco Gavotte“, eine Art gebremsten Mutanten-Reggae, der durch elektronisch verfremdetes Schnauben, Zischen und Prusten akzentuiert und subtiler Veränderung unterworfen wird. Schon jetzt wird klar, dass Zappa sich mit diesem Album am weitesten von seinen Ursprüngen in der Rockmusik der sechziger Jahre entfernt hat. Es ist ein hermetisch-strenges Werk geworden, das an Stelle betörend komplexer Melodien und abenteuerlicher Rhythmuswechsel die meiste Zeit auf pure Klangforschung setzt: Es geht um Soundorganisation um ihrer selbst willen, um Farbwerte von Klängen, um Pausenarchitektur und perkussive Strukturen. Vielleicht ist diese Radikalität des Ansatzes ein Grund dafür, warum man „Dance Me This“ so lange unter Verschluss gehalten hat.

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