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Ein Pulitzerpreis für Bob Dylan : Hier, gehört jetzt dir, dieser Preis

Der Nobelpreis wäre ihm lieber gewesen: Bob Dylan bekommt einen Pulitzerpreis Bild: picture-alliance/ dpa

Für seine „lyrischen Kompositionen von außerordentlicher poetischer Ausdruckskraft“ bekommt er einen Pulitzerpreis. Oder waren es poetische Kompositionen von außerordentlicher lyrischer Ausdruckskraft? Warum sagt man nicht einfach, dass Bob Dylan in Wort und Musik Bedeutendes geleistet hat?

          Bevor er groß wurde, geschah dies: Er war mit einem Plattenboss in dem New Yorker Restaurant, das dem Boxer Jack Dempsey gehörte. Der nahm ihn in Augenschein: „Du siehst zu leicht aus für ein Schwergewicht, du musst ein paar Pfund zulegen. Und dich ein bisschen besser anziehen, bisschen mehr aus dir machen.“ Der Plattenboss korrigierte: „Er ist kein Boxer, Jack, er ist ein Songwriter, und wir bringen seine Songs raus.“ Und Dempsey sagte: „Ach so, na, die höre ich dann ja wohl hoffentlich bald mal. Viel Glück, Junge.“

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Man muss es weit gebracht haben, um sich diese Selbstironie leisten zu können, mit der Bob Dylan seine „Chronicles“ eröffnet. Der schmächtige und, wie Dempsey also fand, auch nicht sonderlich gut gekleidete Junge hatte dann ja tatsächlich noch „viel Glück“, manche, die ihn nicht mögen, sagen: mehr Glück als Verstand.

          Nein, nicht „den“ Pulitzerpreis

          Jedenfalls ist es nun so, dass Bob Dylan einen Pulitzerpreis bekommt. Der Nobelpreis wäre ihm vermutlich lieber gewesen, aber das kann ja noch kommen. Favorit ist er schon lange. Wenn wir sagten, Bob Dylan habe „einen“ Pulitzerpreis bekommen, dann bedeutet das, dass er nicht „den“ Pulitzerpreis bekommen hat, wie man die in der Literatursparte vergebenen Preise gemeinhin bezeichnet. Die gingen an Junot Diaz (Belletristik) sowie Robert Hass und Philip Schultz (jeweils Lyrik). Der Historiker Saul Friedländer bekam ebenfalls einen. Mit anderen Worten: Bob Dylan ging zwar nicht direkt leer aus, aber er bekam bloß, wie vor ihm schon George Gershwin, Duke Ellington und Thelonious Monk, diesen Sonderpreis, eine sogenannte special citation.

          Entsprechend der üblichen Preisarithmetik kann das zweierlei bedeuten: Entweder Dylan wurde bisher mit schlechtem Gewissen immer übersehen und war nun einfach mal fällig; oder er passt da ohnehin nicht so richtig rein, und alle wissen das auch, aber man will an der New Yorker Columbia-Universität trotzdem aufgeschlossen erscheinen und muss dann zumindest so tun, als hätten Dylans Texte etwas mit Literatur zu tun, als hätten sie irgend eine literarische Qualität. So wird denn, merkwürdig doppelt gemoppelt, Dylan für seine „lyrischen Kompositionen von außerordentlicher poetischer Ausdruckskraft“ ausgezeichnet. Vielleicht waren es auch poetische Kompositionen von außerordentlicher lyrischer Ausdruckskraft. Zum Teufel! Man hätte sich diesen schwammigen Eiertanz sparen und einfach sagen sollen, dass Dylan in Wort und Musik Bedeutendes geleistet hat.

          Warum nicht die Goldmedaille für hervorragenden „Dienst an der Öffentlichkeit“

          Bei Preisverleihungen macht Dylan meistens eine komische Figur. Diese hier steht uns jetzt schon vor Augen - es wird sein fast wie damals in Jack Dempseys Restaurant: „He, wer ist der mickrige Kerl da? Soll mal herkommen. Na, wen haben wir denn da? Tja, du bist zwar nicht sonderlich gut angezogen und frisiert, aber dass du Lieder geschrieben hast, die vielen Menschen etwas bedeuten, das haben wir inzwischen auch mitgekriegt. Also: Hier, gehört jetzt dir, dieser Preis.“

          Vielleicht hätte Dylan gar nicht Musiker werden und bei einer Firma anheuern sollen, die zufällig auch Columbia heißt; vielleicht hätte er lieber zur Zeitung gehen sollen, beispielsweise zur „Washington Post“, die von fünfzehn Journalistenpreisen sechs abbekommen hat, darunter die Goldmedaille für hervorragenden „Dienst an der Öffentlichkeit“. Als hätte Dylan den nicht auch geleistet!

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