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Ein Gespräch mit Nena Die deutsche Stimme

„Du bist gut“ heißt ihre neue Platte, die nächste Staffel ihrer Fernsehshow „Voice of Germany“ ist gerade angelaufen: Ein paar Fragen an Nena über den Beruf eines Popstars.

© dpa Vergrößern Nena, 52 Jahre alt, fünf Kinder, zwei Enkel, siebzehn Platten und immer wieder 99 Luftballons

Ein Hotel in Hamburg, draußen regnet es sehr ungemütlich, drinnen sitzt Nena auf einem Sofa und gibt Interviews, um ihre neue Platte „Du bist gut“ (Laugh & Peas / Tonpool) vorzustellen, die einmal quer durch alle Popgenres spaziert. Wenn Nena, 52 Jahre alt, schwarze Haare, der Schmuck klimpert laut an ihren Armen, lacht, und das tut sie oft, möchte man am liebsten keine weiteren Fragen mehr stellen, sondern einfach nur das Band laufen lassen.

Sind Sie nach 17 Alben eigentlich immer noch aufgeregt, wenn eine neue Platte herauskommt?

Bei der ganzen Arbeit, die so ein Projekt mit sich bringt, ist es völlig okay, auch mal total ungelassen und verkrampft zu sein. Wir wissen, wie viel Kraft und Energie in diesem Album steckt, das gibt mir ein total gutes Gefühl. Aber das habe ich nicht immer gehabt. Es gab Alben, bei denen ich kurz vor der Veröffentlichung wusste: Das könnte auch heikel werden. Die neue Platte ist eine halbe Stunde, bevor sie ins Presswerk musste, fertig geworden. Ich weiß nicht, warum man sich immer wieder in so einen Stress manövriert, aber irgendwie gehört es dazu.

Gerade hat auch die neue Staffel Ihrer Castingshow „Voice of Germany“ begonnen. Wünschen Sie sich manchmal, morgens aufzuwachen und nichts zu tun zu haben?

Das wäre ja meine Verantwortung. Ich kann es schon absolut genießen, mal Tage zu haben, an denen nichts zu tun ist, das hätte ich mir vor ein paar Jahren auch nicht vorstellen können - aber wenn man etwas älter wird... Ich renne seit zehn Jahren durch die Gegend und sage, es wird weniger. Aber irgendwie scheint das für mich noch nicht dran zu sein. Das Gefühl, alles erreicht zu haben, kenne ich gar nicht, und wahrscheinlich bleibe ich deshalb immer in Bewegung. Letztes Jahr war ich eine Weile richtig krank, zum ersten Mal in meinem Leben. Jetzt höre ich auf die Signale, und wenn es unter der Kniescheibe zwirbelt, dann weiß ich, was ich zu tun habe.

Sie haben mit 17 in Ihrer ersten Band gesungen, Sie waren 22 bei „Nur geträumt“ und 23 bei „99 Luftballons“, danach ging es immer schneller - wann ist Ihnen klar geworden: Das bin ich, Nena, hauptberuflich Popmusikerin?

Ich habe irgendwann eine Familie gegründet, und als ich das Geld dann nicht mehr für mich allein verdient habe, wurde mir klar: Das ist ja ein echter Beruf! Aber es ist wechselhaft. Es gibt eine Basis, die über die Jahre entstanden ist. Die ist auch nicht wacklig. Aber wenn ich dann auf der Bühne stehe oder im Fernsehen sitze und die Kamera ständig auf mich draufhält: da weiß ich oft nicht genau, was ich da eigentlich mache. Mit den Jahren kommt schon eine Professionalität, das ist sehr hilfreich und schön, gerade wenn man ein neues Projekt startet. Aber wir hören auch nicht auf, uns den Raum zu geben, ganz kindlich an neue Ideen heranzugehen und unserem Herzen zu folgen.

Sie haben mal gesagt, dass man ein gefühlvolles Lied singen können muss, ohne selbst dabei traurig oder glücklich zu sein. Ich fand das ungewöhnlich, wenn man an persönliche Lieder wie „Wunder gescheh’n“ denkt, die Sie im Laufe Ihrer Karriere gesungen haben.

Man ist sehr festgelegt, wenn man sich immer voll in das hineinbegibt, was man gerade singt. Und wenn dann auch noch Leute zuhören, wird es sehr eng. Ich habe schon den Anspruch, mich mit den Menschen zu verbinden und nicht von vornherein auf Distanz zu gehen. Aber man muss sich immer wieder auch selbst erlauben, Lieder anders zu interpretieren.

Macht das dann einen Entertainer aus? Dass er sich von seinen Gefühlen trennen kann und dabei trotzdem glaubwürdig bleibt?

Ich muss mich überhaupt von gar nichts trennen. Aber ich habe die Freiheit, meine Lieder und Texte so zu singen, wie ich sie in dem Moment fühle. Ich hab’ auch schon erlebt, dass ich bei ernsthaften Stellen einen totalen Lachflash bekam, weil ich es so ernst fand, dass es schon wieder komisch war.

Sie erleben ja in Ihrer Castingshow jetzt viele junge Sänger. Muss man lernen, mit den eigenen Gefühlen auf der Bühne zurechtzukommen?

Das ist die Herausforderung für jeden, der auf eine Bühne geht. Bei den Leuten, die sich in der Show vorstellen, ist es sehr unterschiedlich. Aber wenn jemand nur mit Angst und Selbstzweifel kommt, wird es schwierig, obwohl ich glaube, dass ich Leute ganz gut motivieren kann. Aber da stößt man manchmal an Grenzen. Man muss schon gern auf die Bühne wollen.

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