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Sängerin Ariana Grande : Schwester Stimme

Ihre Fans sind Teenager: Ariana Grande. Bild: AP

Die Sängerin Ariana Grande, auf deren Konzert in Manchester das Attentat verübt wurde, begeistert vor allem Mädchen und junge Frauen. Sie ist ein Rollenvorbild in vielerlei Hinsicht.

          Wer die dreiundzwanzigjährige Ariana Grande für ein von Marketingstrategen der Musikindustrie im Image-Labor gezüchtetes Medienprodukt halten will, hat klare Zahlen gegen sich: Grandes luxuriös abwechslungsreiches zweites Album „My Everything“ sprang aufgrund der Erwartungen, die sich dank der Debütplatte „Yours Truly“ ein Jahr lang hatten bilden und festigen können, 2014 ohne Anlauf auf Platz eins der amerikanischen Verkaufsstatistik. Noch einmal zwei Jahre später gelang ihr mit „Dangerous Woman“ sogar etwas, das zuvor niemand erreicht hatte: Dreimal hintereinander war nun eine Single von Ariana Grande, die jeweils ihr aktuelles Album bewarb, auf einem der ersten zehn Plätze in den „Billboard“-Charts eingestiegen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Abgesehen vom rein sportlich beeindruckenden Umfang und Farbenreichtum ihrer Stimme, die sich selbstbewusst mit Virtuositätsvorbildern wie Whitney Houston und Mariah Carey misst, verdankt sie die Edelmetallqualitäten ihrer Alben vor allem einigen der besten Produzenten zeitgenössischer Tanzmusik, vom Grammy-Abräumer und Neo-Swing-Ingenieur Babyface (Kenneth Edmonds) bis zum schwedischen Europop-Spitzentrainer Ilya Salmanzadeh.

          Ariana Grandes Fans, die bei jedem öffentlichen Auftritt der Künstlerin liebevoll schwärmerisch im Chor den Prinzessinenspitznamen „Ariii!“ singen, sind in der Mehrzahl allerdings keine Soundfeinschmecker, sondern junge Frauen und Mädchen zwischen neun und neunzehn Jahren, die ihr Idol als unwiderstehliches Identifikationsangebot verehren, seit Ariana Grande für den Kinderfernsehsender Nickelodeon zwischen 2010 und 2013 in der hochmusikalischen Situationskomödienserie „Victorious“ eine der tragenden Rollen spielte.

          Diese Serie erzählt von begabten und ehrgeizigen Jugendlichen an einer Showbusiness-Schule, der „Hollywood Arts High School“, also in einem Milieu, in dem sich Ariana Grande so schnell zurechtgefunden hat wie andere weibliche Stars ihres Alters in ähnlichen Umgebungen, etwa Miley Cyrus im „Hannah Montana“-Teenagerzirkus oder Iggy Azalea im Profi-Hip-Hop-Geschäft.

          Manchester: Im Gedenken an die Opfer und Hinterbliebenen.

          Weniger aggressiv sexualisiert als die Kollegin Cyrus, weniger offensiv erfolgsversessen als die Kollegin Azalea (mit der sie ein phantastisches Stück namens „Problem“ aufgenommen hat), ist Ari heute für ihr Kernpublikum die große Schwester, deren Stimme hilft und tröstet – manchmal, in Interviews, auch mit artig aufgeklärten Moralpostulaten: „Ich kann es kaum erwarten, in einer Welt zu leben, in der Menschen nicht danach beurteilt werden, mit wem sie abhängen, sondern als Individuen gesehen werden.“

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          Manchmal allerdings bietet auch diese entschiedene Haltung keinen Trost mehr – wie am Montag nach dem Terrorangriff von Manchester, als Ariana Grande schrieb, sie sei „broken“, zerschmettert. Dieser Angriff hat mit Vorsatz Fans jener Haltung erschreckt, verletzt und getötet, also heranwachsende Individualistinnen, die noch nicht wissen, wer und was sie werden wollen, aber keine Angst davor haben, es herauszufinden.

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