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Der Rapper Bushido : „Das muß auf der Straße ankommen“

  • Aktualisiert am

Böse, dreckig, gemein: Bushido Bild: Universal Music

Er kommt aus Berlin und bezeichnet sich als „Deutschlands Gangsterrapper Nummer eins“. Anis Yussuf Mohammed Ferchichi alias Bushido ist der Schrecken der Jugendschützer, läßt sich von seiner Mutter bekochen und will ein guter Mensch sein.

          Er kommt aus Berlin und bezeichnet sich als „Deutschlands Gangsterrapper Nummer eins“. Anis Yussuf Mohammed Ferchichi alias Bushido, 28, spielt gerne mit dem Image vom „bösen Jungen“ - und begeistert gerade deshalb eine wachsende Fangemeinde von Teenagern. Auch sein neues Album „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ verspricht, Eltern, Jugendschützer und die Hüter des politisch Korrekten zu verschrecken.

          Mein zwölfjähriger Sohn und seine Freunde zitieren Sie auf dem Schulhof mit derbsten Flüchen . . .

          Ich komme von der Straße, da lade ich meine Gegner eben nicht zu einer gemütlichen Diskussionsrunde ein, sondern zeige ihnen den Mittelfinger.Provokation gehört zu meinem Leben dazu. Mein Outfit, meine Tätowierungen, das Nicht-Deutsch-Aussehen in einer deutschen Schule, das hat schon immer andere Leute provoziert. Vielleicht liegt es am tunesischen Temperament, das ich von meinem Vater habe: Aber ich spüre schon immer diese Aggression in mir.

          Bushido: stolzer Gewinner bei der Echo-Preisverleihung 2006

          Welche Rolle spielt denn die Authentizität Ihrer Geschichten? Trotz Zeilen wie es ist crime time, Berlin is mein Heim sind Sie als Gymnasiast im bürgerlichen Tempelhof aufgewachsen.

          In meinen Raps steckt wie in jeder Kunst ein guter Schuß Fiktion. Auch wenn ich letztes Jahr wegen einer Prügelei in U-Haft gelandet bin: Ich will mit den Geschichten über Gewalt und Drogen keine Handlungsanleitung geben.

          Bereuen Sie es, damals gewalttätig geworden zu sein?

          Nein, wer mir unrecht tut, dem tue ich auch unrecht. Bei einem Clubabend in Linz haben mir ein paar Jungs die Autoreifen meines BMWs zerstochen. Als ich einen der Messerstecher festhalten wollte und der Typ einen auf hart machte, habe ich ihm halt ein paar Schellen gegeben. Drei Tage später hat mich die Kripo verhaftet, weil ich ihn angeblich ins Krankenhaus geprügelt hätte.

          Kann es sein, daß Jugendschützer Ihre Texte zu ernst nehmen?

          Natürlich. Wegen den Leuten vom Jugendschutz drohen immer wieder Konzerte zu platzen. Gerade hat eine Medienmarktkette eine Autogrammstunden-Woche mit mir komplett storniert, weil sie keine Freigabe vom Ordnungsamt bekommen. Die sollten sich lieber mal unter die Kids bei meinen Konzerten mischen. Dann werden sie merken, daß es denen ganz einfach um eine Superparty geht.

          Sie sehen sich also als Dienstleister für die Sex- und Gewaltphantasien der Fans?

          Es steckt einfach in der Natur des Menschen, daß man Action und Adrenalin möchte. Wenn ich also bloß die Lüste meiner Fans bediene - wer will mir daraus einen Vorwurf machen? Toller, sozialkritischer Rap für ein paar Eingeweihte interessiert mich nicht. Das Ding muß auf der Straße ankommen. Meine letzten Alben sind alle Bestseller gewesen. Rap hat doch immer vom dicksten Schwanz und der dicksten Geldbörse gehandelt.

          Macht es Ihnen nichts aus, das Klischee vom kriminellen Migrantenjugendlichen zu bedienen?

          Ich könnte auch über die Erhöhung der Mehrwertsteuer rappen - aber würde das irgend jemanden interessieren? Die Leute wollen nun mal hören, wie ich Drogen verkaufe und Typen eins aufs Maul haue. Man darf diese Raps nicht für den ganzen Bushido nehmen: Immerhin engagiere ich mich auch gegen Gewalt an den Schulen.

          Haben Sie aus vergangenen Skandalen wie dem Rap vom „Tunten vergasen“ etwas dazugelernt?

          Die Zeile war ein Fehler. Das habe ich selbst eingesehen. Ich habe damals eine Anzeige wegen Volksverhetzung bekommen - und sie aus dem fertigen Album gelöscht.

          Geraten Sie immer noch in Konflikt mit der Zensur?

          Ja, auf meinem neuen Album mußte ich den Track Nummer elf rausnehmen: „September“. Der Song war schon im Preßwerk, da kamen die verhinderten Terroranschläge von London dazwischen. Danach hat die Plattenfirma kalte Füße bekommen. Weil ich über die Jagd auf Bin Ladin rappe. Und wegen der Zeile „ich bin King Bushido, zweiter Name Mohammed“. Dumm, daß einer der Typen, die in die Towers geflogen sind, auch Mohammed heißt - jetzt denken natürlich alle, der Song wäre eine Sympathiekundgebung für Bin Ladin. Was mich nervt: Daß jedes Mal, wenn eine Bombe explodiert, wir arabischen Immigranten unter Generalverdacht stehen.

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