Der angolanische Tanz Kizomba erobert die Welt
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Modetanz Kizomba : In spielerischer Umarmung

  • -Aktualisiert am

Körperbetont: Studenten tanzen den Kizomba in Luanda Bild: AFP

Kizomba, der Tanz aus Angola, hat die Welt erobert – auch in Deutschland gibt es kaum eine Tanzschule, die ihn nicht unterrichtet.

          Es ist Freitagabend im Berliner Kulturzentrum „Afrika Yetu“ in Prenzlauer Berg. Frauen auf hohen Absätzen und Männer in flachen Repetto-Schuhen tanzen wie in sich selbst versunken in spielerischer Umarmung. Die Paare wirken, als wären ihre Hüften zusammengeschweißt. Während die Männer die Frauen mit Oberkörper und Beinen sachte führen, sind die Wangen der Tanzenden fest aneinandergedrückt.

          Plötzlich erstarren die Frauen, und die Männer lassen sie mit ihren Armen behutsam quer Richtung Boden gleiten, um sie wenige, aufregende Augenblicke danach wieder aufzurichten. Gleich darauf schweben sie weiter über die Tanzfläche. Das ist Kizomba. Ein Stil, der aus Afrika erst nach Europa und über das Internet in die Welt kam. Und jetzt die Tanzflächen regiert.

          Der Lehrer dieses Workshops, Joaquim Francisco João, ist zufrieden mit seinen Tänzern. Der Angolaner, der 1987 als Maschinenbaustudent in die DDR kam und blieb, hat schon im Jahre 2000 begonnen, Kizomba in Berlin zu unterrichten. Hier war er damit der Erste.

          Der Kizomba (ausgesprochen: „Kisomba“) kommt ursprünglich aus Angola und ist sowohl ein Tanz- als auch ein Musikstil. Die Geschichte dieses Stils begann, als Mitte der achtziger Jahre aus den frankophonen Ländern Afrikas der Klang des karibischen Zouk nach Angola schwappte und sich mit traditioneller angolanischer Musik und dem Sound des berühmten Semba vermischte. Anfangs wurde zu diesem neuen, seelen- und sehnsuchtsvollen Sound auch in Paaren Semba getanzt, später bildete sich der Kizomba heraus.

          „Kizomba“ stammt aus dem Kimbundu, einer Bantu-Sprache in Angola, und bedeutet: „Vergnügen“. „,Kizomba‘ steht bei uns für alles, was festlich ist“, sagt Joaquim Francisco João. Als Afrika entkolonisiert wurde und vielerorts Bürgerkriege wüteten, brachte das in den achtziger Jahren viele Arbeitssuchende aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien wie Moçambique, Guinea-Bissau, den Kapverden oder Angola nach Portugal. Und so kam auch der Kizomba nach Europa, dank angolanischer Immigranten, zuerst nach Lissabon.

          Dort fanden die afrikanischen Migranten tanzend zusammen. Zum ursprünglich angolanischen Kizomba-Stil gesellten sich weitere Einflüsse, etwa von den ebenfalls portugiesischsprachigen Kapverdischen Inseln und dem westafrikanischen Guinea-Bissau. War der Sound und der Tanz des Sembas für Exilangolaner ursprünglich ein wichtiges Symbol der „Angoladade“, der kulturellen Essenz Angolas jenseits der Bürgerkriegsspaltung, wurde Kizomba in Portugal zum großen kulturellen Schmelzmittel. Das bald auch die Portugiesen begeistern sollte. Das Internet sorgte dann im Verlauf des letzten Jahrzehnts für die weltweite Verbreitung des Kizomba. Gibt man „Kizomba“ auf Youtube ein, tauchen Hunderte Videos von Wettbewerben und Tanzschulenpräsentationen aus der ganzen Welt auf, jeweils mit Abermillionen Klicks und Views. Dazu kommen etliche Musikvideos, in denen schmachtende Sänger Frauen sehnlich umwerben.

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