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Tod der Cranberries-Sängerin : So kalt in Irland

Dolores O’Riordan bei einem Konzert in Dublin. Bild: Reuters

Sie fand Halt in der Musik und passte dennoch nie ins Business. Zum Tod von Dolores O’Riordan, der Frau mit den Schnürstiefeln und der merkwürdigen Stimme.

          In den neunziger Jahren erlangte sie Weltruhm als Sängerin der Rockband The Cranberries und lebte später lange in Amerika. Aber als Dolores O’Riordan vor knapp drei Jahren nach langer Funkstille plötzlich zurück in die Klatschspalten gelangte, weil sie am Flughafen Shannon ausfällig geworden war, da wurde sie in einer irischen Zeitung wieder zum Mädchen von nebenan – einem „of Friarstown, Grange, Kilmallock, County Limerick“, um genau zu sein.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Der irischen Enge wollte die 1971 Geborene mit achtzehn entfliehen und brannte durch. Halt fand sie in besagter Musikgruppe, die zunächst nicht sehr erfolgreich war. Auf einer Amerika-Tour 1993 änderte sich das schlagartig, das Lied „Linger“ wurde ein Hit, dann bald auch das schon früher veröffentlichte „Dreams“ – und auf einmal war auch in Europa und anderswo das Interesse groß an der Frau mit dieser seltsam sich überschlagenden Stimme. Der beerige Bandname klang brav, der Albumtitel „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ schon etwas aufmüpfiger.

          Aber auch wenn die meisten Lieder auf dem Folgealbum „No Need to Argue“ ruhige, manchmal nahe am Sound der Smiths liegende waren, mithin eher rückwärtsgewandt, gab es darunter einen beachtlichen Ausrutscher, der auf den Tanzflächen wie eine Bombe einschlug: „Zombie“. Dass das Lied vom Nordirland-Konflikt handelt, wird die meisten damals eher wenig interessiert haben, es ging dabei, vergleichbar mit dem wenige Jahre später erschienenen „Song 2“ der britischen Band Blur, einfach um das Weggeblasenwerden von einem Powerchord-Riff – und eben die bedrohliche Schluckauf-Stimme. Wer wüsste davon noch mehr als die vier Worte „In your head ...Zombie“?

          Sie liebte das Schräge: Dolores O’Riordan posiert bei einem Konzert in Lublin.

          Mit ihrem wasserstoffblonden Kurzhaarschnitt und den unverzichtbaren Doc-Martens-Schnürstiefeln wurde O’Riordan damals für kurze Zeit zum Inbegriff des Grungerock – auch wenn ihre restliche Musik damit wenig zu tun hatte. Dass sie ebenso gut auch romantischen Doo-Wop singen konnte, zeigt etwa das spätere Lied „When You’re Gone“.

          Der Erfolg der Band währte nicht mehr lang, und die Solo-Versuche der Sängerin, die zunehmend unter seelischen Problemen litt, waren eher blasser Pop. Ein Rückblick auf ihr Werk offenbart vor allem, wie stark die Auseinandersetzung mit Herkunft und Heimat darin ist – und dass dabei vielleicht ihre besten Songs entstanden: „Ode to My Family“, „So Cold in Ireland“, „Yeats’ Grave“, „Daffodil Lament“. Wird man Dolores O’Riordan vielleicht doch mit der Bezeichnung als Folksängerin am ehesten gerecht? Beim erwähnten Flughafen-Zwischenfall hatte sie trotzig gesagt, sie sei die „Queen of Limerick“. Am Montag ist sie in London überraschend gestorben.

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