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Chart-Stürmer Falco Er geht so steil wie nie

19.02.2007 ·  Er war der einzige österreichische Popweltstar. Gleich zwei Musicals ehrten ihn, was keinem Cobain, Morrison oder Lennon widerfuhr. Und wieder steht Falco, der an diesem Montag fünfzig geworden wäre, in den Charts ganz oben. Warum?

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Er geht steil wie nie, sagt die Stimme am Telefon, und es lässt sich unschwer erkennen, dass diese Stimme ein Interesse hat am Steilflug des beworbenen Objekts. Die Stimme verspricht auch einen Beleg ihrer Aussage zu schicken, es kommt ein Tondatenträger von Falco mit dem Titel „Hoch wie nie“, der mit Hits wie „Der Kommissar“ oder „Jeanny“ die Bilanz eines in Höhen wie Tiefen steil verlaufenen Lebens zieht.

Man muss die Gründe für die Renaissance des einzigen österreichischen Popweltstars nicht lange im Unkalkulierbaren der Rezeptionsgeschichte suchen. Wo Zahlen sich runden, ist Verwertung nicht fern: Wäre Falco nicht vor neun Jahren in der Dominikanischen Republik mit Drogen und Alkohol im Blut von einem Kleinbus gerammt worden, wäre er an diesem Montag fünfzig Jahre alt geworden. Doch Falcos postumer Ruhm ist keine Eintagsfliege. An seinem Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof entwickelte sich eine rege Erinnerungskultur. Gleich zwei Musicals ehrten ihn, was keinem Cobain, Morrison oder Lennon widerfuhr. Die österreichische Post gab 2006 eine Falco-Sonderbriefmarke heraus. Und Falcos Platten verkaufen sich wieder millionenfach.

Zwei Identitäten im Konflikt

Sein Leben, sein früher Tod und sein Weiterleben fordern die Deuter heraus. Bei Falco hätten zwei Identitäten miteinander in Konflikt gelegen: einerseits der bescheidene, skrupulöse und begabte Hans Hölzel, der 1957 in Wien geboren wurde. Auf der anderen Seite die von ihm geschaffene Kunstfigur Falco, ein Markenimage mit arroganten, narzisstischen Zügen, Versace-Anzug und zurückgegeltem Haar, die, vom frühen Erfolg überfordert, zu Rauschgift- und Alkoholexzessen neigte. Von dieser Figur wurde Hans Hölzel erobert und ruiniert.

Seine selbstverschuldete Tragik hätte so darin bestanden, Popstar werden zu wollen und nicht Musiker, wie er es selbst früh formulierte. Und ferner darin, dass er - am Ende zur Boulevardfigur deklassiert - seinen Hang zur großen Geste selbst bei ausbleibendem Erfolg nicht aufgeben wollte. Das dramatisch Überzeichnete war jedoch Falcos stilbildendes Merkmal: Der herausfordernd distanzierte Gestus mit hochgezogenen Augenbrauen und nach vorne gerecktem Kinn und die abgehackte, stark rhythmisierte Stimme, mit der er sein Mischmasch aus Wienerisch, Hochdeutsch und Englisch intonierte, schufen ein Charisma, dem selbst das Kalkulierte seiner Inszenierung nichts anhaben konnte.

Hört man die Songs in der Reihenfolge ihrer Entstehung, ergibt sich ein eigenes Bild: Den selbstbewussten Klassikern der frühen Jahre, die Falco bis an die Spitze der amerikanischen Charts beförderten, folgen die melancholisch-ahnungsvollen Töne der zweiten, weniger erfolgreichen Karrierephase, die sich wie selbstverfasste Epitaphe lesen. Ob Falco damit einen „starken Abgang wählen“ wollte, wie ein Biograph meinte, oder einer naiven Legendenbildung bewusst entgegenkam, bleibt offen. Eines jedenfalls wusste Falco ganz früh: „Dein Leb'n bringt dich um.“

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