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„Seasons Of My Soul“ ist die CD der Woche Immer die falschen Schuhe

25.02.2011 ·  In Arethas Geist: Die britische Sängerin Rumer entführt uns mit ihrem blauäugigen Soul in die Siebziger. Großartige Songs und eine zauberhafte Stimme bieten Easy Listening im besten Sinne. Melancholisch und stimmungsaufhellend zugleich.

Von Daniel Grinsted
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Es ist der Traum eines jeden Songschreibers: Burt Bacharach ruft an und lädt zum Tee. Wahr wurde er für die britische Musikerin Rumer. Einige ihrer Titel waren dem Komponisten zu Ohren gekommen und hatten einen solchen Eindruck hinterlassen, dass er die Dame zu sich nach Los Angeles einfliegen ließ. Nun stellt sich die Frage: Kann ein Mann wie Burt Bacharach, der im Laufe seiner Karriere an die fünfzig Top-10-Hits schrieb, überhaupt irren?

Hört man Rumers Debütalbum „Seasons Of My Soul“, so muss man diese Frage verneinen. Es ist eine watteweiche Mischung aus Pop, Jazz und Soul, perfekt instrumentiert, phantastisch gesungen. Easy Listening im besten Sinne, schmeichelnd und entspannt, ohne harmlos oder banal zu klingen. Eine Neuerfindung des Rades gelingt ihr darauf nicht, doch das scheint auch nicht ihr Anspruch zu sein.

Rumer bringt ihre Hörer in das Jahrzehnt ihrer Geburt zurück (die Siebziger) und zum Folk-Pop einer Carole King zu besten „Tapestry“-Zeiten. Man denkt an Sängerinnen wie Karen Carpenter, Judee Sill oder Laura Nyro. Rumer steht in der Tradition der großen weiblichen Stimmen des Softrock, denen eine simple, aber ergreifende Melodie wichtiger war als eine aufwändige Produktion, denen persönliche Texte mehr galten als eine spektakuläre Bühnenshow.

CD der Woche: „Seasons Of My Soul“ von Rumer

Ihre Stimme verbreitet verträumte Melancholie

Die Zeit scheint reif. Während sich die englische Musikszene in den Neunzigern auf die Beatles oder Kinks berief und so den Britpop hervorbrachte, dominiert seit ein paar Jahren die Rückbesinnung auf den Blue-Eyed Soul. Duffy, Adele, Joss Stone - die junge Generation entdeckt den Sound von Swinging London. Warum also nicht auch eine Rückkehr zu den klassischen Songschreiberinnen?

Im Gegensatz zu ihren etwas jüngeren Kolleginnen war Rumer allerdings kein kometenhafter Aufstieg vergönnt. Bereits vor zehn Jahren sang die 1979 als Sarah Joyce im pakistanischen Islamabad geborene Musikerin in der englischen Independent-Band La Honda. Während sie anschließend solo unzählige Auftritte in kleinen Londoner Clubs absolvierte, hielt sie sich unter anderem als Küchenhilfe, Putzfrau und Popcornverkäuferin über Wasser. Bis eines Abends der Fernsehkomponist Steve Brown begeistert im Publikum saß und ihr anbot, ein Album aufzunehmen.

Das zurückhaltend instrumentierte „Seasons Of My Soul“ ist ganz auf Rumers Stimme ausgerichtet. Mit Verzicht auf künstlich wirkende Emotionalität klingt ihre Stimme voll und gleichzeitig fragil, verbreitet eine verträumte Melancholie, die jedoch nie in Hoffnungslosigkeit abrutscht. Es herrscht eine angenehme Natürlichkeit, die an den geschmeidigen Jazzgesang einer Sade, Norah Jones oder Diana Krall erinnert. Allerdings birgt diese Unaufdringlichkeit die Gefahr, dass Rumer das gleiche Schicksal widerfährt und ihre Songs zur Beschallung von Coffee-Shops verwendet werden. Das wäre schade.

Ein Saxophon setzt perfekte Akzente

Denn es gibt viel zu entdecken: etwa das schnellere schlagzeugdominierte Eingangsstück „Am I Forgiven“, in dem Rumer mit sich selbst ein Duett singt, während das Flügelhorn Erinnerungen an Burt Bacharachs Popsongs weckt. Oder der Smooth-Jazz-Refrain von „Slow“: Hypnotisierend, in Moll getränkt und lasziv räkelt sich die Gesangsmelodie durch die Gehörgänge. In „Aretha“ geht es um ein Mädchen, das seinen einzigen Trost in den Songs der „Queen of Soul“ findet, die sie auf dem Weg zur verhassten Schule hört: „I got the blues/In springtime/Cause I know that I'll never have the right shoes“; die Hammond-Orgel spielt im Hintergrund.

Das stärkste Stück ist „Saving Grace“. Das Intro beginnt mit einer Mundharmonika, in der Strophe erklingt Rumers akustische Gitarre. Es geht um die Oberflächlichkeit des Alltags, den ungeliebten Job, die Langeweile, die einen zermürbt. Der countryesque Refrain bietet alles auf: Pathos, Vielstimmigkeit, Violinen und Bratschen, ein Saxophon setzt perfekte Akzente. Das Lied ist eine Liebeserklärung an den, der einen den Kummer vergessen und die Welt mit anderen Augen sehen lässt - so wie es dieses Album vermag.

Rumer, „Seasons Of My Soul“. Atlantic Records 4997186 (Warner)

Quelle: FAZ.NET
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