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CD der Woche von Love Inks Hier sprechen noch Herz und Hirn

29.04.2011 ·  Eigentlich ist das texanische Trio Love Inks ein klarer Fall für den Parapsychologen. Aber der so verführerische wie unterkühlte Minimalpop des Debütalbums „E.S.P.“ ist auch etwas für ungelernte Hellhörige.

Von Alexander Müller
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Selbst wenn man nicht über die Gabe der außersinnlichen Wahrnehmung verfügt, kann man diese Musik in vollen Zügen genießen. Wobei es schon verlockend wäre, hellhörerische Fähigkeiten zu entwickeln angesichts eines popmusikalischen Minimalismus, der im Weniger ein Mehr verspricht und die Würze in der Kürze versteckt. „E.S.P.“ - unter vorausschauenden Parapsychologen die landläufige Abkürzung für Extrasensory Perception - heißt das gerade einmal halbstündige Debütalbum von Love Inks.

Das Trio aus Austin, Texas, begnügt sich mit einer E-Gitarre und einem tiefer gelegten Bass, einer ausrangierten Rhythmusmaschine und hier und da einem Moog-Synthesizer. Die schlichte Instrumentierung der Band erweckt den Eindruck einer intimen, ebenso einladenden wie unergründlichen Atmosphäre. Sie zeigt in gläsernen Strukturen alles her, behält ihr Geheimnis aber trotzdem stets für sich. Zusammengehalten wird ihr kuscheliger und schnörkelloser Dream Pop, der stellenweise an den bis aufs Skelett reduzierten Sound von The xx erinnert, von der hellwachen und zugleich somnambulen Stimme von Sängerin Sherry LeBlanc, die sowohl kokett als auch unterkühlt klingen kann.

Profanes Näschen für feinsinnige Melodien

Mit tatsächlich traumwandlerischer Sicherheit spielt sich das Dreiergespann, das von Bassist Kevin Dehan und Gitarrist Adam Linnell komplettiert wird, durch zehn skizzen- und flatterhafte Songs, die dennoch vollendet anmuten in ihrer Harmonie und Klarheit. Angefangen bei dem bittersüßen Auftaktstück „Wave Goodbye“ über die trostreiche und unwiderstehliche Single-Auskopplung „Blackeye“ bis zum wunderbar verpennten „Rock On“, in dem ein scheinbar auf der Stelle tretender Bass den Ton angibt - der Erstling von Love Inks steckt nicht zuletzt dank der vielen subtilen Stimmungswechsel voller magischer Momente.

CD der Woche: „E.S.P.“ von Love Inks

Das ist alles keine Zauberei, sondern die Folge eines hohen Maßes an Taktgefühl und Präzision, das niemals kalkuliert wirkt. Außerdem verfügen die drei Musiker, die auf jeglichen Hightech-Studiofirlefanz verzichtet haben, über ein ganz profanes Näschen für feinsinnige Melodien, die niemanden kalt lassen. Ihre größtenteils analog aufgenommenen Songs sprechen Herz und Hirn gleichermaßen an, sind aber alles andere als verkopft oder gefühlsduselig. Sie treffen einen von hinten durch die Brust ins Auge, beste Voraussetzungen also für eine länger anhaltende Faszination. Wäre die ohnehin schon recht kleine Zielgruppe für anspruchsvolle Popmusik nicht genauso wankelmütig und unberechenbar wie eine Horde trendgläubiger Teenager, man könnte Love Inks schon jetzt eine glänzende Zukunft prophezeien.

Love Inks, E.S.P. Hell Yes! 016 (Rough Trade)

Quelle: FAZ.NET
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