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CD der Woche: The Dead Weather Höllenhunde, wollt ihr ewig leben?

17.07.2009 ·  Schon wieder eine Supergruppe: Jack Whites neue Band The Dead Weather haben ihr Debütalbum „Horehound“ ganz auf Krawall gebürstet. Um die Dämonen zu zügeln, muss man eben laut und energisch sein.

Von Alexander Müller
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Die Drumsticks klickern unruhig, leise klagt die Gitarre, eine Frau spuckt ein paar Zeilen aus, und das Schlagzeug gibt rumpelnd den Rhythmus vor. Nach ein paar Minuten geht es dann richtig los: Die Gitarre heult wie eine Sirene, bevor sie, unterstützt vom heftigen Schlagwerk, den kargen Blues mit einem unbändig lärmenden Solo explodieren lässt. Der Auftakt „60 Feet Tall“ ist grandios.

Er steht am Beginn von „Horehound“, dem Debüt von The Dead Weather, einer Gruppe, die schon als „Supergroup“ gilt, da ihre Besetzung äußerst vielversprechend klingt: Neben Alison Mosshart am Mikrofon, sonst Sängerin des Punk-Duos The Kills, sitzt Jack White von den White Stripes, der seine Karriere ja mit einem Auftritt als Drummer der Detroiter Band Goober & The Peas begann, am Schlagzeug; sein Kollege Jack Lawrence, den er von den Raconteurs kennt, bedient vorzugsweise den Bass, und Dean Fertita, der ebenfalls schon mit den Raconteurs auf Tournee war, haupt beruflich aber in Diensten der Hardrocker Queens Of The Stone Age steht, spielt Gitarre, Orgel und Klavier.

Neu, schmutzig, verlockend

Kennengelernt hatte man sich während gemeinsamer Konzerte, die damit endeten, dass aus Vor- und Hauptband kurzerhand eine neue Band wurde. Nach einer eher spontanen Coverversion von Gary Numans „Are Friends Electric?“ nahm das Quartett innerhalb von drei Wochen in Nashville zehn eigene Songs auf, die nun auf Whites neugegründetem Label Third Man Records erscheinen; hinzu kommt eine krachende, lädierte Neu-Interpretation von Bob Dylans „New Pony“, veröffentlicht auf dem Spät-Siebziger-Werk „Street Legal“. Dylans neues Kleinpferd hieß übrigens Luzifer. Dass der Tausendsassa Jack White, der zuletzt mit Alicia Keys den Titelsong zum James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ beisteuerte, wie einst sein legendäres Vorbild Robert Johnson seine Seele dem Teufel verkauft hat, lässt sich angesichts seiner beängstigenden Produktivität nur vermuten.

Schon wieder eine Supergruppe: Jack Whites neue Band The Dead Weather haben ihr Debütalbum „Horehound“ ganz auf Krawall gebürstet. Um die Dämonen zu zügeln, muss man eben laut und energisch sein.

Biblische Bildwelten ziehen sich sodann ebenfalls durch die ramponierten Bluesnummern. Stets haftet ihnen etwas Ursprüngliches, Ungekünsteltes, aber auch Nostalgisches an. Sie scheppern durch die Garage und zerdeppern trotz der vordergründigen Rückwärtsgewandtheit alle Konventionen, die ihnen in die Quere kommen. So wird der düstere, archaische Delta-Blues aus der Zeit der Großen Depression an den Verstärker angeschlossen und ordentlich verzerrt, klingen Post-Punk-Einflüsse etwa von The Gun Club durch, verwandelt sich die Pophistorie in etwas unerhört Neues, Schmutziges, Verlockendes.

Musik wie ein Geschoss

Vorbildhaft gelingt dies in der ersten Single „Hang You From The Heavens“, mit einem bärbeißigen Bass, rüden Gitarren-Riffs und der sägenden Stimme Mossharts, die sich ausmalt, wie sie den launischen Geliebten, von dem sie nicht loskommt, zum Teufel jagen könnte: „I like to grab you by the hair/And drag you to the devil.“ Nicht weiter verwunderlich ist es in der Folge, dass sich die fatale Mischung aus Anziehungskraft und Zerstörungswille, eine unselige Hassliebe, auch in der visuellen Umsetzung der Musik niederschlägt. Im Video zu dem vom Funk grundierten „Treat Me Like Your Mother“ etwa liefern sich die in schwarze Lederjacken gekleideten Mosshart und White eine rüde Schießerei im Takt von Maschinengewehrsalven, wobei sie einander im Gegenlicht bedrohlich nahe kommen, bis sie ihr Pulver endgültig verschossen haben.

Man fragt sich staunend, was sich zuvor zwischen den beiden abgespielt haben muss, da sie nun derart mörderisch und belfernd aufeinander losgehen. War es gar Liebe? Inszeniert wurde der zackige Kurzfilm von niemand Geringerem als Jonathan Glazer, Regisseur des verstörenden metaphysischen Kammerspiels „Birth“ mit Nicole Kidman.

Bann dem Dämon

Einen ganz anderen Weg schlägt „Rocking Horse“ ein: Der Bass trabt gemütlich, eine Western-Melodie setzt ein, bis Mosshart und White ein garstiges Duett anstimmen und Wüstensand durch die Lautsprecher rieselt. Das gespenstische Instrumental „3 Birds“ hingegen kann beinahe als Ruhepol dieses auf Krawall gebürsteten Albums angesehen werden, das nur wenige Durchhänger hat.

Ob „Horehound“, benannt nach der krautigen Heilpflanze Andorn, wie diese auch entzündungshemmende, blutbildende Kräfte entwickelt, mag bezweifelt werden. Doch immerhin folgt es dem alten Blues-Ideal, durch Musik böse Geister und Dämonen zu bannen. Und da die entweder schwerhörig sind oder weit, weit weg, muss man dieses altmodische Unterfangen eben sehr laut und energisch angehen. Jack White und Konsorten, die allesamt gern in alten Zeiten schwelgen, haben dafür zumindest eine zeitgemäße Form gefunden.

The Dead Weather, Horehound. Columbia 753912 (Sony/BMG)

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