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CD der Woche: Strange Boys Das schönste Miau der Saison

 ·  Sie sagen, sie könnten gar nicht richtig spielen und texten - eine unverschämte Tiefstapelei. Selten klang Katzenmusik so schön wie bei den texanischen Strange Boys.

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Katzenmusik pflegt man es zu nennen, wenn Musiker ihre Instrumente auf eine Art erklingen lassen, die nur mit mangelndem Talent, Drogeneinfluss oder lauerndem Wahnsinn zu erklären ist. Oder mit allen drei Möglichkeiten gleichzeitig. Im Zusammenhang mit den Strange Boys, einem jungen Sextett aus Texas, könnte die altertümliche Bezeichnung bei sensiblen Gemütern fröhliche Urständ feiern. Fast möchte man Menschen, die auch nur leichte Probleme mit betont salopper Instrumentenhandhabung und nervigen Gesangsstimmen haben, dringend vom Hören dieser Platte abraten. Auch Mundharmonika-Phobiker sollten gewarnt sein. Aber sie würden etwas verpassen. Selten war Katzenmusik so schön.

Die Strange Boys klingen auf ihrem zweiten Album (und nach etlichen EPs, darunter eine mit dem vielsagend schnoddrigen Titel „The Strange Boys Will Now Forever Be Known As The Martin Luther Kings EP“) ungefähr wie Dylans „Basement Tapes“ - eingespielt von den rotzbesoffenen Pavement. Manchmal aber auch, als hätten sich die blutjungen Rolling Stones mit Velvet Underground vereint und den coolsten Kater der ganzen Stadt ans Mikrofon gestellt, der allerdings die ganze Zeit herummaunzt, als wäre ihm jemand auf den Schwanz getreten. Ryan Sambol heißt der Sänger der Strange Boys, und ein solches Maunzen, Quäken, Jaulen und Wimmern hat man tatsächlich lange nicht gehört. Er selbst hält auch von den ganzen dickbäuchigen Musikjournalistenvergleichen mit den großen Namen wenig und bezeichnet das Album seiner Band als „filled mostly with boring stuff and horrible lyrics“.

Das ist natürlich reichlich kokett, aber so klingt diese Platte ja auch. Obwohl die Sixties-Referenzen mehr als schlüssig sind, sind die Strange Boys keine (reine) Band für Sechziger-Connaisseure. Ihre bei allem Daherpoltern äußerst melodiöse Musik ist ein durch und durch jetziges Geräusch und hat etwas enorm Zwingendes - gerade weil sie nichts mit dem gelackten, pop-willigen Gestus der meisten Para-Indie-Bands zu tun hat. Die Strange Boys haben in bester Neunziger-Lo-Fi-Manier die Kanten ihres Schaffens zum elementaren Bestandteil ihrer Musik gemacht. Würden Hits wie „I See“ oder der Titelsong nicht so scheppern - sie wären nur halb so schön.
Manchmal fragt man sich schon, wie es die sechs Musiker schaffen so zu klingen wie ein unterprobtes Trio, das gelegentlich Besuch von einer Saxophonistin mit einer Schwäche für Captain Beefhearts „Trout Mask Replica“ bekommt. Auf Dauer sind es aber die ruhigen, von einem lange nicht mehr so gehörten Bandrauschen umspülten Stücke, die wirklich berühren und zugleich demonstrieren, dass diese Jungs besser spielen können, als sie vorgeben.

CD der Woche: „Be Brave“ von den Strange Boys

Erfrischende Ehrgeizlosigkeit

Wer mag, kann sich nebenbei an Samsons „horrible lyrics“ erfreuen. Zeilen wie „You won't be lonely forever/But I won't be there either“ sind pure Lakonie, dank Samsons Stimme klingen sie aber herrlich neurotisch. Er singt aber auch Sätze wie „Tonight's dinner is tomorrow's shit/So enjoy it/before it stinks“. So ganz Unrecht hat er mit der Einschätzung seiner Texte also nicht.

Wer sich auf youtube den Clip zur Single „Be Brave“ anschaut, wird in eine Neunziger-Indie-Ästhetik katapultiert: Man sieht verwackelte Super-8-Aufnahmen der Musiker beim Herumalbern, der Gitarrist fällt vorsätzlich über seinen Gitarrenkoffer, eine fast schon aggressive We-couldn't-care-less-Aura liegt über den Bildern. Doch auch hier: keine Retro-Puscheligkeit.

Vielmehr wirkt das Neo-Slacker-Gehabe der Strange Boys wie ein frischer Luftzug in diesen Zeiten allzu karrieristischen Musizierens. Freunde sich schließender Kreise dürften angesichts des Videos zudem begeistert feststellen, dass zum Haushalt der Strange Boys mindestens eine Katze gehört. Vielleicht wusste mancher Musikfreund ja gar nicht, wie sehr er auf die Strange Boys gewartet hatte. „Be Brave“ ist das schönste „Miau“ der Saison.

Quelle: Strange Boys, Be Brave. Rough Tade 4557053 (Beggars Group)
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