31.07.2009 · Konkurrenz belebt das Geschäft: Zwar haben Wilco im Americana-Lager die Nase vorn, aber Jay Farrar, Jeff Tweedys Weggefährte aus Uncle-Tupelo-Zeiten, kriegt seine Band Son Volt wieder flott und legt ein entspannt-traditionalistisches Album vor.
Von Edo ReentsJeff und Jay - sie können's nicht lassen: Nachdem Wilco unter dem Vorsitz Jeff Tweedys unlängst wieder eine Platte eingespielt haben (F.A.Z. vom 27. Juni), legt nun der alte Weggefährte aus Uncle-Tupelo-Zeiten, Jay Farrar, mit seinem Ableger Son Volt nach. „American Central Dust“ ist so programmatisch betitelt, dass es der Musik eigentlich gar nicht mehr bedurft hätte - man weiß auch so, was kommt: staubige Americana, die in ihrem entspannt traditionalistischen Zuschnitt einige Texas-Meilen entfernt ist von dem avantgarderockhaften Anspruch, den Wilco mit „Yankee Hotel Foxtrot“ erhoben und seither auch nicht mehr haben fallenlassen.
Das sechste, gerade erschienene Son-Volt-Album ist im Ganzen das Dokument stilistischer Kontinuität, die indes allein Farrar zuzuschreiben ist. Nachdem der Band von Warner Brothers aus Allerweltsgründen (kommerzielle Erfolglosigkeit) zu Anfang dieses Jahrzehnts gekündigt worden war, brachte Farrar einige Soloplatten heraus, die den ehrenwerten, aber wenig einträglichen Fluch von Kritikererfolg und Publikumsdesinteresse allerdings auch nicht abschütteln konnten und künstlerisch untriftiger wirkten. Klugerweise hat Farrar aber immer betont, dass Son Volt damit nicht gestorben seien - was sie aber natürlich waren: Von der alten Besetzung ist außer dem Chef niemand mehr dabei.
Tausend Euro für's Debüt
Ob es daran liegt, dass der noch stark im Punk verwurzelte Rockanteil, der auf den ersten Son-Volt-Platten so prächtig mit den sanft swingenden Countryweisen harmonierte, nun zurückgefahren wurde? Man muss es jedenfalls etwas bedau ern, denn die gefährlich nahe am Phlegma siedelnde Ausdruckslosigkeit von Farrars ungeschmeidiger Stimme konnte in einem lauteren Musizierverbund noch am besten kaschiert werden und tritt nun fast unangenehm zutage.
Aber auch wenn die in Farrars eigenem Studio in St. Louis aufgenommene Platte an das Debüt „Trace“ (dessen Vinyl-Erstausgabe von 1995 bei Amazon gerade für tausend Euro angeboten wird!) nicht heranreicht, so ist sie doch ausgesprochen gelungen.
Konkurrenz belebt das Geschäft: Zwar haben Wilco im Americana-Lager die Nase vorn, aber Jay Farrar, Jeff Tweedys Weggefährte aus Uncle-Tupelo-Zeiten, kriegt seine Band Son Volt wieder flott und legt ein entspannt-traditionalistisches Album vor.
Die zwölf von Joe Henry versiert produzierten Lieder bewegen sich in dem vertrauten Rahmen, der namentlich einzuspannen wäre zwischen dem Protokunstrock von Little Feat - insbesondere die beiden Auftaktsongs „Dynamite“ und „Down to the Wire“ klingen in ihrer federnden Art und mit dem immer leicht verzögerten Beat wie Lowell Georges Band in den Tagen von „Sailin' Shoes“ -, dem mürrischen Folk Neil Youngs, der pompösen Klaviermelancholie Jackson Brownes - „Cocaine and Ashes“ ist fast schon ein Plagiat - und selbstverständlich dem lockeren Countryimpressio nismus aus der einschlägigen Band verwandtschaft Wilco und Jayhawks, wie besonders „No Turning Back“ gutmütig rumpelnd zeigt.
Falls man vergessen haben sollte, warum es mit den Uncle-Tupelo-Veteranen nicht mehr weitergehen konnte - jetzt weiß man es wieder: Sie sind einfach zu verschieden. Tweedy ist durchaus an einem neuen Rockklang gelegen, Farrar will eigentlich nur das Erbe verwalten und gegebenenfalls verfeinern. Das ist ihm nun wieder gelungen und soll genügen.