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CD der Woche: New York Dolls Rock'n'Roll-Aphorismen mit Maulfroschblues

01.05.2009 ·  Da ist man geneigt, die ganze Sache mit dem Rock'n'Roll doch für gar nicht so überholt zu halten: Die New York Dolls, die beste und absurdeste Band der Welt, legen mit unangestrengter Wucht ein neues Album vor. Die CD der Woche mit Hörprobe.

Von Eric Pfeil
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Er plane eine Apokalypse, singt David Johansen auf dem neuen New-York-Dolls-Album. Doch so sehr man ihm auch glaubt, dass er die Nase voll hat von all dem modernen Zivilisationsmumpitz, so sehr klingt er dabei doch wie jemand, dem Prügel angedroht wurde und der dem Gegner nur lässig antwortet: „Ok, dann steh' schon mal auf und mach' dich fertig, ich bleib noch einen Moment sitzen.“

Im Grunde sind die New York Dolls die beste und absurdeste Band der Welt. 1971 gegründet, warfen Sänger David Johansen und seine Kollegen Teenage-Pop, Rhythm&Blues und Garagenrock zusammen, erfanden den Glamrock mit und waren im Grunde so sehr Punk, dass man sich fast alles andere, was Jahre später unter diesem Namen umherschraddelte, eigentlich sparen konnte.

Nach nur zwei rappeligen Alben löste sich die Band 1977, in dem Jahr, als Punk kommerziell explodierte, auf. 1991 verstarb Gründungsmitglied Johnny Thunders an den Folgen seines Drogenkonsums. 2004, kurz nachdem der überschwängliche Dolls-Fan Morrissey die Band wieder zusammengebracht hatte, trat auch der weithin geschätzte Bassist Arthur „Killer“ Kane endgültig ab. Zwei Jahre später erschien, nach vierunddreißig Jahren Plattenpause, das großartig betitelte Comeback-Album „One Day It Will Please Us To Remember Even This“.

CD der Woche: New York Dolls, „Cause“

Unangestrengte Wucht

„Cause I Sez So“, heißt das neue Album, eine Platte, die man in dieser unangestrengten Wucht heutzutage so von keiner Band mehr erwartet hätte, noch nicht einmal von den New York Dolls. Produziert wurde das Album - wie schon das 1973er Debüt - von Todd Rundgren, und der hat es geschafft, die lässige Rumpeligkeit der Band mit zeitgenössischem Druck zu versehen, ohne sie jedoch einfach nur nach langweiligem Hier und Jetzt klingen zu lassen.
Nichts auf dieser Platte hört sich nach Bemühen oder Ranschmeiße an - alles nur die pure Rock'n'Roll-Nonchalance. Es gibt schöne Schlurf-Rocker, folkige Pop-Stampfer, mexikanisierte Autofahrsongs, tollen Sonnenbrillen-Rock, und selbst verstolperter Reggae-Rock gelingt der Band. Manches tönt melancholisch, nichts aber gerät sentimental - dem steht alleine schon David Johansen breitbeinig im Weg, der mit seiner lässigen Maulfroschstimme einen Aphorismus nach dem nächsten heraushaut.

Am Ende ist man geneigt, die ganze Sache mit dem Rock'n'Roll doch für gar nicht so dämlich und überholt zu halten, wie sie es in Wahrheit natürlich ist. Selbst der Gedanke an den Erwerb einer ledernen Röhrenhose verliert an Schrecken. Das ist es wohl, was es letztlich ausmacht, dieses ewige Wunder namens New York Dolls.

New York Dolls, Cause I Sez So. Rhino 1044360 (Warner)

Quelle: FAZ.NET
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