02.07.2010 · Die Musik zum Wetter: Jack Johnson, der Surfer von Hawaii, hat sein Brett wieder ausgepackt und schippert los - leider ohne die alte Dynamik. Aber wer will sich bei dieser Hitze auch schon verausgaben?
Von Jan WieleWenn man manchmal bloß wüsste, was Musiker selbst über ihre Platten denken! Zur aktuellen Bewerbung eines Albums lassen sie sich natürlich stets nur lobend vernehmen. Im Rückblick aus großem Abstand verraten sie gelegentlich auch, welche ihrer Werke sie für weniger gelungen hielten, oder sie geben ganz unverhohlen zu, bei welchen es sich nur noch um Vertragserfüllung gegenüber der Plattenfirma handelte.
Schon beim ersten Hören vom neuen Album des singenden Wellenreiters Jack Johnson wird man den Eindruck nicht los, dass sein vor zehn Jahren so steil gestartetes Brett gekehrt und nunmehr im ruhigen Auslauf begriffen ist.
Vertrag erfüllt, Flirt verpasst
Man erinnere sich, was sein Ausnahmedebüt „Brushfire Fairytales“ zu einem solchen machte: Es war der extreme Minimalismus der Instrumentierung, ja, man darf ruhig sagen: eine revolutionäre Sparsamkeit von akustischer Gitarre, wenigen Basstönen und einem Hauch von Schlagzeug. Von diesem Ideal hat sich Johnson mit jeder Platte weiter entfernt und ist immer opulenter geworden - besonders durch die unnötige Integration des Tourpianisten Zach Gill bei Studioaufnahmen.
Neuen Stücken wie „You and Your Heart“ oder „From the Clouds“ fehlt jegliche Dynamik; sie klingen so, als wäre die Band pausenlos in aufgedrehter Zugabe-Laune. Wenn dazu textlich nicht mehr drin ist als Selbstzitate und eine diffuse Liebeserklärung an die See, dann genügt das vielleicht zur Vertragserfüllung, ist aber selbst für einen akustischen Sommerflirt zu wenig.