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CD der Woche: Erykah Badu Liebt euch, aber klärt euch auf

26.03.2010 ·  Dass das Private auch im Soul politisch ist, wissen wir seit Marvin Gayes „What´s Going On“. Erykah Badu bestätigt diese Erkenntnis mit einem zweiteiligen Werk so intelligent und vielschichtig wie lange keine Sängerin mehr.

Von Sven Beckstette
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Es hat länger gedauert als geplant. Ursprünglich hatte Erykah Badu für 2008 im Sinn, ein Doppelpack von zwei sich ergänzenden Konzept-Alben herauszubringen. Daraus wurde jedoch nichts, und so erschien zunächst nur „New Amerykah Part One: 4th World War“ (siehe Pop: Erykah Badu ist zurück). Jetzt, nach eineinhalbjähriger Verspätung, kommt Teil zwei in den Handel.

Während der Vorgänger Erykah Badus Sicht auf die politische Situation der Vereinigten Staaten enthielt, steht bei „Return Of The Ankh“ (Motown/Universal) das Seelenleben der schwarzen Sängerin im Vordergrund. Mit dieser Trennung greift sie Themen auf, die die afroamerikanische Musik prägen, seit Marvin Gaye 1971 seine einflussreiche Platte „What's Going On“ vorgelegt hat. Nach diesem Album, das zur Blaupause aller folgenden Stellungnahmen werden sollte, nahm der Motown-Star die Schlafzimmer-Platte „Let's Get It On“ auf, die im erotischen Fach ähnlich stilbildend wirkte. Bis heute lässt sich diese Gegenüberstellung von Aufklärung und Liebesbeschwörung im R&B verfolgen. So hat India.Arie ebenfalls an einem Neo-Soul-Diptychon gearbeitet, bei dem es zunächst um private und dann um gesellschaftliche Bekenntnisse ging.

Huldigung an die Götter

Badus fünfte Studioproduktion unterscheidet sich nicht nur inhaltlich von seinem Widerpart. „4th World War“ war das bislang komplexeste, radikalste Werk der New Yorkerin. Sein technisch-kühler Klang, seine bisweilen bewusst fahrig-fragmentarische Struktur ließen das Album zu einer der eigenständigsten, wenn nicht gar der wichtigsten Soul-Platte der vergangenen Dekade werden. „Return Of The Ankh“ bedeutet buchstäblich eine Rückkehr. Das Gesamtbild wirkt wesentlich wärmer und harmonischer; mehr von Hand eingespielte Instrumente, darunter eine Harfe und ein Theremin kommen zum Einsatz; Jazz-Akkorde versprühen Eleganz und Leichtigkeit. Akustisch und stilistisch schlägt Badu damit eine Brücke zu ihrem Debüt „Baduizm“ (1997).

Dass das Private auch im Soul politisch ist, wissen wir seit Marvin Gayes „What´s Going On“. Erykah Badu bestätigt diese Erkenntnis mit einem zweiteiligen Werk so intelligent und vielschichtig wie lange keine Sängerin mehr.

Auch wenn die elf Stücke qualitativ nicht enttäuschen, fällt das Material auf den ersten Blick im Ganzen nicht bahnbrechend aus. Erst allmählich schält sich heraus, wie eng Badu beide Platten miteinander verzahnt hat. Tatsächlich funktionieren sie wie Spiegelbilder. Da taucht bei „Incense“ auf einmal das selbe afrikanische Zitat auf wie bei „Twinkle“. Durch den veränderten Kontext entsteht ein völlig anderer Eindruck: Hörte es sich einst wie eine düstere Beschwörung an, lässt es jetzt an eine afrozentristische Huldigung an die Götter der Vorfahren denken. Wesentlich subtiler erweist sich die Verbindung bei der Auswahl der musikhistorischen Referenzen.

Berechnende Liebeserklärung

Bei „Amerykahn Promise“ benutzte Badu ein von Roy Ayers produziertes Stück, um die ausbeuterische Tendenz des amerikanischen Traums bis zur Gegenwart aufzuzeigen; bei „Turn Me Away“ zieht sie aktuell gleichfalls ein Nebenprojekt des Vibraphonisten heran - diesmal ein Lied von Sylvia Striplin - und münzt es in die berechnende Liebeserklärung eines materialistischen Mädchens um. Ähnlich korrespondiert das Eddie-Kenndricks-Zitat von „Fall in Love (Your Funeral)“ mit einem ersten Verweis auf den ehemaligen Temptations-Sänger bei „My People“.

Dem Verhältnis von Politik und Liebe, öffentlichem und privatem Denken und Handeln ging die Musik schon oft nach. Man muss allerdings lange suchen, um einen derart intelligenten, vielschichtigen Beitrag hierzu zu finden wie den zweiteiligen Entwurf von Erykah Badu.

Erykah Badu, „New Amerykah Part Two: Return Of The Ankh“. Motown 5317669 (Universal)

Quelle: F.A.Z.
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