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CD der Woche: Danger Mouse & Sparklehorse Wenn die Seelennacht am tiefsten ist

23.07.2010 ·  Von müden Kläffern, zarten Harfen und coolen Katern: Danger Mouse und Sparklehorse haben für sensationelle 45 Minuten viel Prominenz zusammengerufen - Julian Casablancas, Frank Black, Iggy Pop und sogar Regisseur David Lynch.

Von Eric Pfeil
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Wo anfangen bei einem Album, zu dem es so viel zu sagen gibt, dass sich ganze Bücher dazu füllen ließen? Man könnte über die Grundkonstellation staunen: Der eklektische Produzent und postmodernistisch gestimmte Projektleiter Danger Mouse geht mit dem depressiven Sparklehorse-Sänger Mark Linkous und dem Regisseur David Lynch ins Aufnahmestudio. Man könnte aber auch mit den vielen Gastsängern beginnen, deren Namen bei allen Menschen, die sich in den vergangenen zehn Jahren mit dem Indie-Popmusik befassen, für verzückte Aufschreie sorgen müssten. Man könnte erzählen, warum diese nun offiziell erscheinende Platte ja gar nicht neu ist, sondern eigentlich schon vor mehr als einem Jahr hätte erscheinen müssen, wenn es nicht Probleme zwischen Künstlern und Plattenfirma gegeben hätte; erzählen, dass damals Mark Linkous, noch am Leben war, ebenso Vic Chesnutt, einer der zahlreichen prominenten Gastsänger auf dieser Platte. Inzwischen sind beide tot: Linkous schoss sich im März mit einer Pistole ins Herz, Chesnutt starb vergangenes Jahr infolge einer mutwilligen Medikamentenüberdosis.

Vielleicht also einfach mal am Ende anfangen, denn ums Ende geht es doch hier nicht zuletzt: um die letzte Musik zweier großer Musiker, die nicht mehr leben. Am Schluss also von „Dark Night Of The Soul“, dieser eigentlich gar nicht düsteren Platte, steht das Titelstück. Es ist eine der wenigen Nummern auf der Platte, die ohne einen Gastvokalisten auskommen, nur Danger Mouse, Linkous und Lynch sind am Werke. Das Stück schabt und schliert, eine quäkende Stimme brabbelt daher - wahrscheinlich ist es die dunkle Seele selbst, die da maunzt und wimmert. Und trotzdem: So schlimm klingt es nicht, was man da hört; vielleicht, weil David Lynch (tatsächlich seine Stimme) von seelischer Befreiung kündet; vielleicht aber auch, weil vor diesem abschließenden Stück eines konzeptuös anmutenden Wundertütenalbums in gerade fünfundvierzig Minuten schon mehr aufregende Musik zu hören war, als auf zwei einzelne Alben passt.

Auch weibliche Dunkelheiten kommen nicht zu kurz

Iggy Pop hat den müden Kläffer gegeben, Frank Black hat seine Engelsharfe besungen, die Frontmänner der Flaming Lips, der Shins, der Super Furry Animals und Ex-Grandaddy-Chef Jason Lytle haben zartbitteres Süßholz geraspelt, Julian Casablancas von den Strokes hat schöner den coolen Kater gegeben als in jeder Sekunde seines letzten Soloalbums, und die Damen Nina Persson und Suzanne Vega haben dafür gesorgt, dass auch weibliche Dunkelheiten nicht zu kurz kommen.
Und doch ist es vor allem die Seele des Mark Linkous, an die man bei „Dark Night Of The Soul“ denken muss. Dabei sind die von ihm vorgetragenen Stücke in ihrer sommermüden Überstrahltheit deutlich dem positiveren Teil seines Werkes zuzurechnen. Wie immer singt er, der seine Stimme nie leiden konnte, durch einen starken Filter. Derselbe Effekt wird später Suzanne Vega auf die Stimme gelegt, die sich somit perfekt einreiht in den Chor der Wayne Coynes, James Mercers und Jason Lytles mit ihren verkifften Seufzerstimmen. Danger Mouse wiederum, der zuletzt mit James Mercer das tolle Broken-Bells-Album veröffentlichte, ist wieder ganz der dem Hip-Hop von der Schippe gesprungene Sixties-Ästhetizist: Es ist faszinierend zu hören, wie der Dreiunddreißigjährige die Beatles-Ästhetik als Basis zur Herstellung zeitgenössischer Popmusik nimmt: Die Ringo-Trommeln bollern, bekiffte Streichquartette schweben durch die Stücke, und immer wieder ist hier Lucy im Himmel mit Diamanten.

„I guess it's a matter of sensation“

„Dark Night Of The Soul“ ist also auch in dieser Hinsicht eine alte Platte. Der mit widrigen Branchen-Bedingungen und Plattenfirmenzimperlichkeiten vertraute Danger Mouse, der 2004 schon das erste sogenannte Bastard-Pop-Album produzierte, in dem er das „White Album“ der Beatles und Jay-Zs „Black Album“ miteinander verschränkte, fand zunächst eine unorthodoxe Lösung: Er veröffentlichte „Dark Night Of The Soul“ in Kleinstauflage nur als Bildband mit lauter David- Lynch-Fotos und einem leeren CD-Rohling. Die Songs stellte er als Stream ins Netz. Auch ein paar Vinyl-Pressungen kursierten.
Natürlich ist „Dark Night Of The Soul“ am Ende ein bisschen zu viel, und es gerät auch nicht so recht in Fluss, was vor allem daran liegt, dass Iggy Pop und Frank Black dem psychedelisierten Dahingondeln nach fünf Songs ein Ende bereiten. Aber dafür, dass hier in jeder Sekunde die Fahne mit der Aufschrift „Sensation!“ geschwenkt werden könnte, funktioniert der Song-Reigen doch mehr als gut. Vor allem die Stücke, die von Linkous, Gruff Rhys, Julian Casablancas, James Mercer und Vic Chesnutt gesungen werden, sind wunderschön. Und um am Ende doch noch mal zum Anfang zu kommen - wie singt da Flaming Lips-Sänger Wayne Coyne mit seiner stolzen, wackeligen Heldenstimme: „I guess it's a matter of sensation“. Irgendwie schon.

Danger Mouse & Sparklehorse: Dark Night Of The Soul. Parlophone 693777 (EMI)

Hörproben unter: Danger Mouse and Sparklehorse

http://77.68.56.120/dev/dangermouse/index.html

Quelle: FAZ.NET
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