09.12.2011 · Von den Schrottplätzen der Republik: Der in Belgien aufgewachsene Baloji macht in Kongo tanzbaren Krach. So wild wie auf seinem neuen Album war er noch nie.
Von Rolf ThomasEigentlich hat er mit seiner Heimat nicht viel am Hut, denn schon im Alter von vier Jahren wird Baloji von seinem kongolesischen Vater mit ins belgische Exil genommen. Er macht mit der Gruppe Starflam eine Karriere als Rapper und will sich danach zurückziehen. Doch ein Telefongespräch mit seiner Mutter (die ihm die Frage stellt „Was hast du die letzten 25 Jahre gemacht?“) gibt ihm den Impuls, eine Solokarriere zu starten. Das Ergebnis ist das Album „Hotel Impala“, das Gold einfährt und Baloji den Brassens-Preis für lyrisches Schreiben beschert.
„Kinshasa Succursale“ ist nun die Geschichte einer Heimkehr: Er erhält eine Einladung zu einem Creative Writing Workshop inklusive Abschlusskonzert in Kinshasa. Aber zuerst will Baloji (auf Suaheli „der Zauberer“) eine Platte aufnehmen und trifft er auf eine rege Musikszene, und so wird das Album von einer Meute aus schrägen Bläsern, sämigen Sängern, der Band Konono No 1, dem sensationellen Chorale de La Grace und dem amerikanischen Soul-Keyboarder Amp Fiddler begleitet.
Man hat schon einige wilde Mixturen aus Afrika gehört, aber diese Platte schlägt so ziemlich alles. Egal, was Baloji zum Aufhänger seiner Songs benutzt, das Ergebnis ist oft göttlicher Krach, der auf der Tanzfläche funktioniert, aber auch auf dem heimischen Sofa. Baloji erfindet in „À L’Heure D’Été“ den Reggae mit jeder Menge Ghetto-Schmutz neu, in „La Petite Espèce“ macht er sich eine Bassfigur zunutze, die von Isaac Hayes stammen könnte und Konono No 1, die ihre Instrumente auf den Schrottplätzen der Republik zusammengelötet haben, machen aus „Karibu Ya Bintou“ sechs Minuten scheppernde Ekstase.