Er war jung, wollte sterben und sich mit einem Rubik-Würfel beerdigen lassen, wurde zum Helden der Hipster, machte dann den Hampelmann für alle, brachte ein Buch bei Suhrkamp heraus und saß auf Stefan Raabs Schoß. Nach Hochzeit (nicht mit Stefan Raab!), Scheidung und Trennungsplatte stellte er Bilder seines besten Stücks ins Netz, drehte per iPhone den Film „The Wrong Ferrari“, einer epischen Drogen-Odyssee aus dem Genre der „Screwball Tragedy“. Adam Green, Urenkel von Kafkas Verlobter Felice Bauer, hat mit Zweiunddreißig schon einen weiten Weg hinter sich. Nun, aus Anlass eines gemeinsamen Albums, modelt er mit seiner Duett-Partnerin Binki Shapiro für Musik- und Modemagazine.
Es kann nicht für immer sein
Mit dem Song „I Wanna Die“ von seinem zweitem Soloalbum, „Friends of Mine“ (2003), hatte der New Yorker den mit Kimya Dawson bei den Moldy Peaches gespielten „Antifolk“ hinter sich gelassen, ein enormes melodisches und gesangliches Vermögen bewiesen und sich seither durch assoziative bis alberne, auch äußerst drastische, nicht selten aber eigentlich tieftraurige Texte ausgezeichnet. „Even my Lolitas are growing up“, bemerkt Green jetzt in „What’s the Reward“: Ein blasiertes Song-Ich wundert sich, wie es sich wohl anfühlen mag, ein paar Fans zu verlieren. Zu Greens pomadigem Kerl ergänzt Shapiro die Frau, die seine Masche durchschaut: „Coining ideas that have already been used / You only know how to romanticize old news“. Wie um ihren Entschluss zum Abschied zu feiern, legt das Tempo in einem Surf-Intermezzo zu, bevor beide Bilanz ziehen. Sie, triumphierend: „I’m finally in full blossom“. Er, giftig: „Finally hit rock bottom“. Sie, schulterklopfend: „Let go of all you don’t need“. Er, schulterzuckend: „Couldn’t last forever“.
Green und Shapiro belehnen den klassischen Duo-Sound der Sechziger und erzählen düstere Beziehungsgeschichten über Liebe aus Mitleid (“Pity Love“) oder als Überforderung (“Don’t Ask for More“). Das Verzweifeln an der Zweisamkeit lässt an Worte denken, die Shapiro bei Little Joy sang, dem Trio mit Rodrigo Amarante und Strokes-Drummer Fabrizio Moretti. Für das feine, musikalisch sommerleichte, namenlose Debüt von 2008 hatten Shapiro und Moretti „Unattainable“ geschrieben, in dessen Refrain es hieß: „I’ll choose unloved instead“.
Wohlklang und Gemeinheiten
Drei Stücke singt Shapiro allein: „Don’t Ask for More“, das eifersüchtelnde „Casanova“ und die Alters- und Geschlechtssprungnummer „Don’t You Want Me to“. Bleiben sieben Duette vom herbeigehauchten Auftakt „Here I Am“ bis zu „The Nighttime Stopped Bleeding“, das sich mit störrischem Cello aus dem Wohlklang schraubt. Wobei sonst gerade der Wohlklang so schön mit den vorgetragenen Gemeinheiten kontrastiert. „I can’t be the first to say you’re the worst / Surely there’s one or two“, stichelt Shapiro in „Pleasantries“, und Green erwidert: „I care more if you act as though you like me / Than if you really do“.