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Bushido im Kino Entschieden eklig

04.05.2009 ·  Die Verfilmung von Siegfried Lenz' „Schweigeminute“ wurde bei der Constantin Film extra nach hinten verschoben, denn Bernd Eichinger muss unbedingt zuvor das Leben des Rap-Millionärs Bushido mit ihm selbst verfilmen. Muss er das wirklich?

Von Johanna Adorján
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Neulich beim Deutschen Filmpreis saß in der ersten Reihe eine Person, die deutlich nicht zur Veranstaltung passte und das auch die meiste Zeit über durch trotzig die Arme vor der Brust verschränkte Haltung zum Ausdruck brachte: Der Rapper Bushido hatte sich zwischen die Filmschaffenden verirrt, ein Anblick, an den Deutschland sich wohl wird gewöhnen müssen, denn Bernd Eichinger, der erfolgreichste Filmproduzent des Landes, sitzt derzeit am Drehbuch zu einem Film über Bushidos Leben.

Produzieren wird Eichinger, die Regie übernimmt Uli Edel, die Hauptrolle spielt Bushido selbst; es ist das nächste große Projekt für die Constantin Film, sozusagen das Nachfolgeprojekt zum „Baader Meinhof Komplex“, die Verfilmung von Siegfried Lenz' „Schweigeminute“ wurde extra nach hinten geschoben, damit die Dreharbeiten für den Bushido-Film im Sommer beginnen können.

Mit menschenverachtenden Texten zum Millionär

Wer die Autobiographie von Bushido gelesen hat, die 2008 die Bestsellerlisten anführte, weiß in etwa, was auf das Kinopublikum zukommen wird: Es ist eine dieser Geschichten, wo es einer ohne fremde Hilfe von ganz unten nach oben schafft. Ganz unten heißt in diesem Fall: Gymnasium in der 11. Klasse abgebrochen. Oben heißt: mehr als eine Million Euro auf dem Konto. Und ohne fremde Hilfe heißt in diesem Fall vielleicht nicht viel: der Vorwurf des Plagiats in 16 Fällen ist noch nicht ausgeräumt, der Prozess wurde im März zum zweiten Mal vertagt. Wer Bushidos Autobiographie gelesen hat - und das hat dem eigenen Bekunden nach auch Eichinger getan -, der weiß auch, wie es um Haltung und Moral des Protagonisten bestellt ist.

Bushido ist mit menschenverachtenden Texten zum Millionär geworden, hat sich mit sexistischen Gewaltphantasien und wirren Halbsätzen, die unter die Gürtellinie zielen und sich noch nicht einmal richtig reimen, einen Platz in den Kinderzimmern seiner Fans erobert - und es haben ja tatsächlich mehr als 1,5 Millionen Menschen seine Alben gekauft und noch mal sehr viele seine Autobiographie. Ist also aufgegangen, der Plan des Rappers Bushido, es mit Respektlosigkeiten zum Millionär zu schaffen. Aber ein Grund, ihn zum Leinwandhelden zu machen?

Nacktes, blödes Geld

Zuletzt machte Bushido Schlagzeilen, als er in einem Interview sagte, mit Angela Merkel würde er aufgrund ihres Status Sex haben; Frauen werden in seiner Autobiographie so ziemlich kollektiv als „Nutten“ bezeichnet; und um vielleicht doch mal einen seiner Refrains zu zitieren: „Ein Schwanz in den Arsch, ein Schwanz in den Mund / Ein Schwanz in die Fotze, jetzt wird richtig gebumst“.

Und so hat dieses Filmvorhaben etwas entschieden Ekliges. Hier geht es um gar nichts mehr außer um Geld. Nacktes, blödes, mit Mist verdientes Geld. Es ist ein Projekt von Millionär zu Millionär, Erfolg bewundert Erfolg, ein Alpha-Mann sieht sich womöglich in einem Jüngeren selbst. Bushido steht für nichts, außer es geschafft zu haben - womit, ist offenbar vollkommen egal. Dass Jugendliche so etwas cool finden - geschenkt. Dass aber ein Filmproduzent wie Bernd Eichinger gerade dabei ist, sich in den Windschatten eines viel kleineren Mannes zu ducken, um auf dessen Erfolgswelle mitzusurfen, ist irgendwie erschütternd. Geht es der neuen Constantin wirklich so schlecht?

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