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Bob Dylans Tourneeauftakt : Die Ruhe nach dem Sturm

Bob Dylan in Aktion Bild: AP

In Hannover präsentiert sich Bob Dylan in unerwartet guter Form und spielt Songs aus fünfzig Jahren, wie immer stark verfremdet. Erste Eindrücke von einem bunten Abend mit Bluesrock, Country&Western, Swing und Walzer.

          Bob Dylan hat mit seiner wie immer bestens eingestellten Band am Freitagabend in der Live Swiss Hall von Hannover seine Deutschland-Tournee hervorragend eröffnet. Zwei Netto-Stunden lang, mit einer vom Meister selbst nuschelnd angesagten kurzen Zwischenpause, spielte er sein Material aus fünfzig Karrierejahren, von „Blowin`in the Wind“, das als allerletztes kam, bis hin zu den Liedern seiner jüngsten Studioplatte „Tempest“ (2012), die im Gesamtbild mit zum Besten zählt, was er überhaupt gemacht hat.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Während die jüngeren Konzerte zuweilen von einer beachtlichen Härte geprägt waren, mit der insbesondere die beiden Gitarristen Dylans Schwächen zu übertünchen wussten, präsentierte sich der Musiker dieses Mal sowohl am Mikrofon als auch an den Keyboards unerwartet ausgeruht.

          Kein heiseres Bellen erschwerte, wie bei den vergangenen Malen, die wegen des Umarrangierens fast aller Lieder ohnehin schwierige Identifikation noch zusätzlich; nein, Dylan sang sonor und kräftig, wenn auch natürlich nicht glockenrein und in jeder Silbe verständlich.

          Allerliebste Fidel, zünftiges Banjo

          Aber den Auftakt „Things Have Changed“ (1998) erkannte man dann doch wieder erst spät, Dylan und seine Band machten aus diesem an sich so federnden Lied einen deftigen Country&Western-Aufgalopp, der die Tonlage für vieles weitere vorgab. Der Klang war warm und druckvoll, die Melodien waren bisweilen verführerisch schön, der Bluesrock war würzig, der Swing präzise, und mehr als einmal schunkelte man sich in eine fast fröhliche Walzerstimmung hinein, die Fiedel jaulte dabei allerliebst, das Banjo zupfte zünftig. Doch daraus wurde man immer wieder herausgerissen, von Liedern wie „Love Sick“ (1997) oder „I Pay in Blood“ (2012).

          Dylans Konzerte sind, wie der Musiker selbst, nicht vorhersehbar. Manchmal bereitet er Entlegenes so mächtig auf, dass man meint, es käme direkt aus einer der Hauptströmungen seines Werks. Diesmal gab es zwischendurch den Gassenhauer „Tangled Up in Blue“ von „Blood On The Tracks“ und dann, vom selben Album, „Simple Twist of Fate“ gleich noch dazu, beides in vergleichsweise sanften, den Originalen noch einigermaßen nahestehenden Versionen.

          Dylan agierte auch beim Hin- und Herlaufen mit großer Ruhe, ging immer wieder ganz leicht in die Knie und schien es zu genießen, dass er seine Band gar nicht im Griff haben muss, so sicher sitzt nach wie vor jede Note. Verständigung war nicht nötig, irgendeine Showgeste auch nicht, man würdigte sich keines Blickes und harmonierte doch prächtig.

          Was wird bleiben von diesem Konzert? Zeiten und Dinge unterliegen Schwankungen, Dylan selbst auch. Momentan muss man sich um ihn keine Sorgen machen. Die jüngste Booleg-Lieferung vom August dürfte bei den meisten die Hoffnungen erfüllt haben.Man kann sich eigentlich nur freuen auf das, was kommt: weitere Konzerte (dieser Tage noch in Hamburg, Berlin und Düsseldorf), demnächst die neueste Werkausgabe (aber nur für die, die noch nichts haben), unbedingt auf das für nächstes Jahr angekündigte Bootleg aus der auch in dieser Hinsicht noch vielversprechenden Zeit von „Blood On The Tracks“ und „Desire“ (1974/75).

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