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Beth Ditto in Köln Gossip geht runter wie Buttercreme

19.11.2009 ·  Deutschland, iss erstmal einen dicken, fetten Kuchen: Beth Ditto ruft in Köln zum Aufstand der Dicken auf und sorgt für wohltuende Abwechslung zwischen all den Katy Perrys und Beyoncés. So weit alles okay, wenn der Gesang nicht so dünn wäre.

Von Eric Pfeil
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Sie sei eine fette Person, und sie sei es gerne, brüllt Beth Ditto und zupft sich ihr Kleid zurecht. Natürlich, so fährt sie fort, liebe sie auch all ihre dünnen Brüder und Schwestern, aber es solle doch bitte niemand auf die in Frauenblättchen verbreitete Propaganda hereinfallen, es gebe einen Zusammenhang zwischen Gewicht und Gesundheit. „So, Germany, eat a big fat cake!“

In Momenten wie diesem fällt es schwer, Beth Ditto, die Sängerin von Gossip, nicht gerne zu haben. Die achtundzwanzigjährige Sängerin wirft sich mit allem, was sie hat, in ihre Rolle als übergewichtige lesbische Ikone – eine Rolle, die man aushalten können muss, aber die Feministin Ditto scheint sie zu zu umarmen. In diesem Jahr posierte sie nackt auf dem Cover einer englischen Zeitschrift, und auch sonst nutzt sie ihren Körper als Ausdrucksmittel. Sie ist zum Liebling der Gender-Theoretiker und Objekt der Klatschpresse geworden.

Brüllende Ödnis

Doch so gerne man sich von der Amerikanerin die medial manipulierten Körperwelten im Kopf zertrümmern lassen möchte und so schön es ist, zwischen all den Katy Perrys und Beyoncés eine Frau zu erleben, die sich zu ihren eigenen Bedingungen zu präsentieren scheint, so muss man doch festhalten: Die Musik, zu der Beth Ditto ihren gerechten Aufstand probt, ist von brüllender Ödnis und frappierender Banalität, hinter der allenfalls effekthascherischen Stimme ist lediglich Gebrauchsrock zu vernehmen. Das wird beim Konzert von Gossip im Kölner Palladium deutlich.

Gossip machen Tanzmusik mit den Mitteln einer Indierockband. Das klingt, als würden Franz Ferdinand in einer Kokslaune mit einer mittelbegabten Soulcoverband-Frontfrau die schwächsten Tina-Turner-Momente der letzten vierzig Jahre nachspielen. Das Schlagzeug stampft, die Gitarre hackt, dann und wann summst es elektronisch, und über allem liegt dieser seelenlose Pseudo-Soulgesang, den man doch längst aus der Popmusik verdrängt gehofft hatte.

Verpiepste Botschaften

Natürlich: Die Liebesbekundungen und Ranschmeißversuche wirken bei der Charmekeule Beth Ditto herzlicher als gewohnt, und bei den beiden Hits, der Queer-Hymne „Standing in the Way Of Control“ und „Heavy Cross“, wird die Halle zum Festzelt. Der Rest klingt jedoch wie das, was andere Bands im Proberaum zwischen ihren Stücken spielen. Besonders erschreckend wird es, als Gossip in der Zugabe tatsächlich Tina Turner covern, denn an dem Achtziger-Riesenhit „What’s Love Got To Do With It“ verheben sich die Musiker: Die Band rumpelt, und Dittos Gesang klingt dünn.

Beim letzten Song verschwindet sie von der Bühne und sucht im Graben Körperkontakt. Am Ende – ihre Bandkollegen sind längst weg – hört man sie minutenlang den Fans „I love you“ entgegenpiepsen. Aber Liebe ist eben nicht alles, vor allem nicht in der Kunst und auch nicht, wenn man eigentlich so viel zu sagen hat wie Beth Ditto.

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