Home
http://www.faz.net/-gqz-77nuq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Besuch bei den Fab Four Beatles-Werk und Liverpools Beitrag

Über die berühmteste Popgruppe der Welt sind selbst in deren Heimatstadt jede Menge Irrtümer im Umlauf. Ein Streifzug durch viele Vergangenheiten und eine ziemlich lebendige Gegenwart.

© Kaufhold, Marcus Auch in der Liverpooler Fußgängerzone entkommt man den Fab Four nicht

Hier war früher das Liverpool Institute for Boys, das Gymnasium, auf das Paul McCartney gegangen ist“, sagt die ältere Dame, als wir vor dem schweren klassizistischen Gebäude mit dem Säulenportal stehen, „links daneben die Arts School, die hat John Lennon besucht - bis er rausgeflogen ist.“ Dann wird ihre Stimme strenger: „John und Paul waren nicht auf derselben Schule, das ist auch einer der vielen Fehler, die über die beiden im Umlauf sind. Heute ist hier der Sitz des LIPA, des Liverpool Institute of Performing Arts, das Paul, um das leerstehende Gebäude zu retten, mit einer Spende über eine Million Pfund auf den Weg gebracht und die Queen 1996 eröffnet hat.“ - Ob er hier auch unterrichte? - „Nein, aber einmal im Jahr kommt er vorbei, dann steht er dort an der Tür und verteilt Stipendien. Yoko Ono war auch gerade da.“

Die Beatles und Liverpool - das ist eins

Andreas Rossmann Folgen:

Schon wieder die Beatles. An jeder zweiten Ecke in Liverpool begegnen sie einem, auch im „Philharmonic Pub“, Hardman Ecke Hope Street, einem überladenen Schmuckkasten im Liberty-Stil mit Bleiglas-Fenstern, Wandverkleidungen und Tiffany-Lampen, wo man sich auf der schönsten, mit rosa Marmor ausgekleideten Herrentoilette des Vereinigten Königreichs erleichtern kann, sind sie uns über den Weg gelaufen. „Der große Nachteil des Berühmtseins ist, dass ich im ,Phil’ kein Bier mehr trinken kann“, hat John Lennon in seiner New Yorker Zeit der Gaststätte, in der Räume nach Brahms und Liszt benannt sind, nachgetrauert.

Die Beatles sind Liverpool, und Liverpool ist die Beatles: Niemand aus der einst reichsten Hafenstadt der Welt hat es zu annähernd so großem Ruhm gebracht. Ein Museum erzählt die „Beatles Story“, ein Hotel trägt den Namen „Hard Day’s Night“, das kuriose Amphibienfahrzeug, das Beatles-Schauplätze, von Penny Lane über das ehemalige Kinderheim Strawberry Fields bis zu den Geburtshäusern, abklappert, heißt „Yellow Duck Marine“, die Busse der Konkurrenz laden zur „Magical Mistery Tour“, der Airport ist nach John Lennon benannt, die neue Echo Arena hat die Form eines Gitarrenkörpers, und nicht einmal die vier Apostel in der Metropolitan Cathedral sind davor sicher, als „fabulous four“ angepflaumt zu werden.

Popbunte Kirchenfenster und Art Déco

Dabei haben wir uns der freundlichen Führerin, auf deren Regenjacke RIBA (Royal Institute of British Architecture) steht, anvertraut, um diesen Teil von „Liverpool 8“, einem georgianischen Viertel, das der „Blitz“ weitgehend verschont hat, anzusehen und die Hope Street, eine der schönsten, geschichts- und kunstträchtigsten Straßen der Stadt, abzulaufen: von der Metropolitan Cathedral, dem größten katholischen Gotteshaus des Königsreichs, bis zur Liverpool Cathedral, dem größten anglikanischen Gotteshaus des Königreichs. Allzu mächtig geratene Wahrzeichen beide, steinerne Kontrahenten im Wettbewerb um die religiöse Vorherrschaft. Gerade mal eine halbe Meile liegt zwischen ihnen.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
DFB-Nominierung Löw setzt auf Can und ter Stegen

Emre Can steht vor seinem ersten Auftritt im deutschen A-Nationalteam. Für die wichtigen EM-Quali-Spiele gegen Polen und Schottland nominiert Bundestrainer Löw auch vier Rückkehrer. Für einen Weltmeister ist die Zeit im DFB-Team wohl vorbei. Mehr Von Christian Kamp

28.08.2015, 13:53 Uhr | Sport
50 Jahre lang verschollen Gitarre von John Lennon soll versteigert werden

Die Gitarre von John Lennon ist 50 Jahre verschollen gewesen. Auf einer Auktion im November soll das Lieblingsinstrument des Beatles versteigert werden. Die Gitarre, die auf vielen Alben zu hören ist, wurde 1962 speziell für Lennon angfertigt. Mehr

08.06.2015, 11:02 Uhr | Feuilleton
Der Bundesliga weit voraus Die unglaubliche Finanzkraft der Premier League

Englische Fußballvereine locken Stars mit neuen Rekordsummen: Manchester United bietet angeblich 290 Millionen Euro für einen Spieler. Bundesligaklubs können nicht mithalten – und könnten in Zukunft weiter zurückfallen. Mehr Von Thilo Neumann

27.08.2015, 16:12 Uhr | Wirtschaft
Demonstrationszug Protest in Toronto nach Tod zweier Schwarzer

Mehrere Demonstranten sind in der kanadischen Stadt Toronto nach dem Tod zweier Schwarzer auf die Straße gegangen. Die beiden Männer waren jüngst von Polizisten erschossen worden. Mehr

28.07.2015, 14:39 Uhr | Gesellschaft
Allerheiligenviertel Frankfurt Dealer, Nachtschwärmer, Messerstecher

Die Dealer haben das Viertel im Griff - Das Allerheiligenviertel leidet wie das Bahnhofsviertel unter Drogenhandel und Rotlichtszene. Neue Hoffnung weckt eine Initiative der Stadtplanung. Mehr Von Bernd Günther, Frankfurt

27.08.2015, 10:02 Uhr | Rhein-Main

Veröffentlicht: 17.03.2013, 14:21 Uhr

Glosse

Neunzig Millionen für „Sonstiges“

Von Andreas Kilb

Es war eine Gelegenheit, bei der die Hauptstadt mal wieder richtig Hauptstadt sein durfte: Bei der Eröffnung des Wettbewerbs für ein Museum der Moderne in Berlin sorgt die Kostenaufstellung für Lacher. Mehr 10 26