13.09.2007 · Seit dem Ende ihrer Talkshow „Blondes Gift“ geistert Barbara Schöneberger eher haltlos durch die Medienlandschaft. Jetzt singt sie auch noch. Ein Interview über ihre Karriere, das deutsche Fernsehen, Quotendruck und Leute, denen sie beim Versagen zuguckt.
Mit ihrer Talkshow „Blondes Gift“ machte Barbara Schöneberger Anfang dieses Jahrhunderts auf sich aufmerksam. Seither geistert sie eher haltlos als Moderatorin durch die Medienlandschaft, wird als „Allzweckwaffe“ bezeichnet, aber die Munition scheint ihr ausgegangen zu sein. Jetzt wendet sie dem Fernsehen den Rücken und startet eine Karriere als Sängerin. In einem Hamburger Café redet sie über die Schwierigkeit, sich im Fernsehen schadlos zu halten.
Sie gehen mit dem Berlin Pops Orchestra auf Tournee. Wie kam es dazu?
Ich kenne den Leiter des Berlin Pops Orchestra schon länger. Die Art von Musik, die die machen, passt am besten zu dem, was ich machen will. Singen will ich, weil einen das, soweit ich das beurteilen kann, extrem glücklich macht. Auf dem Weg zum Tode begegnen einem ja viele Sachen, auf die man Lust hat, dann muss man sie ausprobieren, und ich hab' glücklicherweise immer die Chance gehabt, alles ausprobieren zu können.
Barbara Schöneberger über ihre Karriere
Sie haben sich früher gerne negativ darüber geäußert, wenn Soap-Darsteller plötzlich anfingen zu singen.
Ja, das kam für mich immer gleich nach Unterwäsche-Kollektion. Aber es gab ja auch viele, die deshalb gesungen haben, weil sie dachten, sie könnten damit noch mal richtig Kohle machen. Das ist ja heute nicht mehr so. Das ist ja lächerlich, was man pro CD kriegt. Für mich ist das so: Ich habe da jetzt Lust drauf, und dann mache ich das. Ich habe keine Lust mehr auf Arbeitszuteilung.
Sie gehen also nicht nur auf Tournee, sondern bringen auch eine CD raus?
Zuerst war ich davon nicht so begeistert, weil ich dachte, Deutschland wartet nicht auf eine CD von Barbara Schöneberger. Ich selbst würde auch keine CD von mir kaufen. Dann habe ich diese Produzenten kennengelernt, und wir haben die Texte gemacht, wo ich wirklich Britney-Spears-mäßig sagen kann, in dem Album ist unheimlich viel von mir drin. Wir kannten uns nicht, dann hab' ich denen erzählt, wie es bei mir ist und wie ich Männer finde. Daraus haben sie Texte gemacht, dazu klasse Musik, und jetzt finde ich es richtig toll.
Haben Sie eine Gesangsausbildung?
Nein. Es gibt eine Frau aus Leipzig, die mir gute Tipps gegeben hat, hier kannst du es ein bisschen leiser singen, da ein bisschen lauter. Die hat zu mir gesagt (sächselt): Du hast eine Naturstimme.
Sehen Sie viel fern?
Zurzeit ja, weil ich in der Jury des Deutschen Fernsehpreises bin. Da habe ich an die 450 DVDs geguckt. Ich hab' alle guten Spielfilme gesehen, alle guten und schlechten Shows, viel hatte mit Kochen zu tun und mit „Leuten beim Versagen zugucken“.
Und beim Auswandern.
Ja. Sie versagen dabei, sich in Deutschland zu etablieren, und dann versagen sie auch noch dabei, sich im Ausland zu etablieren. Und dann guckt man dabei zu, wie sie versagen, ihre Kinder zu erziehen, sie versagen, ihre Wohnung einzurichten, sie versagen, ihr Gewicht zu reduzieren. Sie versagen auf der ganzen Linie, und ich hab' dabei zugeguckt.
„Blondes Gift“ war ein tolles Format.
Fand ich auch.
Jetzt scheint das, was Sie im Fernsehen machen, etwas ziellos.
Ich versuche einfach, mich im Fernsehen zu halten. Das ist auch eine Zeit der Überbrückung, weil ich keine Lust hatte, die festen Formate, die man mir angeboten hat, zu moderieren. Da hältst du dein Gesicht dafür hin, dass andere Leute ihre Themen über dir ausschütten. Die zahlen viel weniger, als gemeinhin angenommen wird, wenn du abends vor 20 Uhr moderierst, und dafür begehst du sozialen Selbstmord. Das muss nicht sein, da kann ich auch wieder Zeitungen austragen, das kriegt dann wenigstens keiner mit.
Heißt das, es gibt im Fernsehen keinen Platz für Ihr Talent?
Ja, wer moderiert denn noch? Sarah Kuttner? Nein. Charlotte Roche? Nein. Warum moderieren die nicht? Weil sie keine Lust haben, von dem abzurücken, was sie eigentlich machen wollen. Natürlich kann ich moderieren, wenn ich mich sozusagen „pilawaisiere“, zum Samstagabend ein Sonnenscheingesicht mache, ein nettes Kostüm anziehe, das nicht zu tief dekolletiert ist, und sage: „Freuen Sie sich jetzt auf . . .“ Aber dann werfen mir die, die mich mochten, vor, ich mache Scheiße, und man will ja die Fans, die einen gut fanden, für das, was man selber gut fand, auch behalten. Dann geht man halt in ein paar Sendungen, mein Gott. Zwischen Drehbuchpreis und Naddel ist ja auch ein weites Feld. Da muss man sich irgendwie einrichten. Ich finde, ich habe das ganz gut hingekriegt. Wenn Sie wüssten, wie viele Fehler ich noch hätte machen können!
Wollen nicht alle was Gutes machen?
Ich denke ja auch immer, alle haben Abitur. Oder alle wohnen schön. Aber meinen Sie, der Spießertyp von nebenan guckt „Blondes Gift“? Die gucken einmal rein, sagen: ey, geiles Kleid, und dann schalten sie weiter.
Also liegt die mangelnde Qualität des Fernsehens doch an den Zuschauern?
Wenn man ins Fernsehen will, muss man mehrheitsfähig sein. Ist doch auch schön, es gibt ja auch eine positive Weise, mehrheitsfähig zu sein. Aber es gibt nur 24 Stunden am Tag und nur vier Sender, für die man arbeiten möchte, und das schränkt ziemlich ein. Ich sehe das aber auch nicht als Verlust für das deutsche Volk an, dass für mich und meine Art von Humor jetzt kein Platz ist im deutschen Fernsehen.
Dennoch gab es viele enttäuschte Fans, als „Blondes Gift“ abgesetzt wurde.
Ich hab' keine Lust gehabt, weiterhin der lustige Geheimtipp im Spätprogramm des Stadtfernsehens TV München zu bleiben. Ich wollte auch gerne ein großes Haus haben und schick in den Urlaub fahren und möglicherweise so viel Geld auf die Seite legen, dass ich mich, wenn dieser ganze Wahnsinn vorbei ist, entspannt zurücklehnen und sagen kann, so, ich muss jetzt nicht direkt im nächsten Monat einen Anschlussjob finden. Der Schritt in die Kommerzialisierung ist schmerzvoll, auch für die Fans.
Einschaltquoten tangieren Sie also nicht?
Sie tangieren einen schon, weil da immer so ein Druck gemacht wird. Und ich habe keine Lust, mich diesem Druck als dem einzigen sinngebenden Element in meinem Leben zu unterwerfen.
Wie kann man es vermeiden, zur bloßen TV-Dekoration zu werden?
Ich habe so viel gemacht wie nötig und so wenig wie möglich. Ich werde gerne als Gast eingeladen. Da gehst du hin, ziehst dich um, gehst rein, brauchst dich nicht vorzubereiten. Und das reicht, um außerhalb des Fernsehens ausgelastet zu sein mit Jobs. Und darum geht es ja. Außerhalb des Fernsehens kannst du dich verwirklichen, innerhalb des Fernsehens geht es um „Bread and Butter“. Mit den Redakteuren und dem Unterhaltungschef, und dann kommt der noch an. Das ist ja alles so schwierig! Es sei denn, man ist Kerner, Beckmann oder Schmidt, kann also machen, was man will. Aber da muss man auch erst mal hinkommen. Sonst sagen 15 Leute, ich will den Text vorher sehen, und ich sage, ich habe aber keinen Text. Dann schreibt man irgendwas auf, dann sagen sie aber, hier, den Witz von Stoiber, den darfst du nicht machen. Deswegen habe ich jetzt diese Konzerte angefangen, da kann ich machen, was ich will. Ich möchte meine Zeit einfach so verbringen, dass ich das Gefühl habe, ich mache es richtig, und ich möchte keine groben Fehler machen.
Was wäre ein grober Fehler?
Grobe Fehler sind, sich dauerhaft im falschen Zusammenhang zu zeigen. Nach „Blondes Gift“, was soll man denn da machen? Da kannst du entweder sagen, ich mache gar nichts mehr im Fernsehen, und ziehst dich total zurück. Oder ich gehe als Gast in eine Sendung und sage hier, ich bin heute Barbara Schöneberger und erzähle aus meinem Leben. Nur wird das natürlich irgendwann stinkeöde, weil du immer wieder das Gleiche erzählst. Es kann nicht sein, dass ich die ganze Zeit nur mein Leben erzähle, weil mein Leben komplett unspannend ist.
Das klingt nach dem Alexandra-Neldel-Phänomen: vom eigenen Mythos überholt.
Die wird auch nichts mehr machen, was so erfolgreich ist wie „Verliebt in Berlin“. Das ist halt so. Aber sie ist erst dreißig, und ich bin auch erst dreißig.
Und wie kommt man damit klar?
Man würde besser damit klarkommen, wenn man nicht ständig darüber reden müsste, wie man damit klarkommt.