Home
http://www.faz.net/-gsd-6uujo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Asiens Popkultur Das ist die perfekte Welle

Popkultur aus Südkorea erobert die Herzen japanischer Hausfrauen und chinesischer Einzelkinder. Der südkoreanische Staat will jetzt dafür sorgen, dass diese Mode nie wieder abebbt.

© REUTERS Vergrößern Hallyu, die koreanische Welle in der asiatischen Popmusik, hat ihr eigenes Festival in Gyeongju. Dort trat im Oktober die Gruppe Sistar auf

Alle reden von Nordkorea, diesem rätselhaftesten, unbekanntesten aller Länder, aber wirklich unbekannt ist Südkorea, das in seiner Geheimnislosigkeit allen offen vor Augen liegt. Man kennt Markennamen wie Samsung, Hyundai und LG, doch wer weiß schon etwas über die auf ganz unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätigen Unternehmenskonglomerate, die dahinterstehen, geschweige denn über die Kultur, die sie möglich macht?

Mark Siemons Folgen:  

Südkorea konnte nach der globalen Krise von 2008 sein Wirtschaftswunder aus den achtziger Jahren wiederholen und erreicht seither die höchsten Wachstumsraten der OECD. Aber unterdessen bereitet dem Land seine Unbekanntheit zunehmend Sorgen. Es sieht sich - umgeben von so übermächtigen Konkurrenten wie Japan, China und Russland und dann auch noch bedroht vom eigenen Bruderstaat - nach wie vor in einer unsicheren Position, und daher versteht es sein Streben nach einem festen Ort im Weltbewusstsein als Teil seines Überlebenskampfes. Präsident Lee Myung-bak, ein ehemaliger Hyundai-Manager, hat es zu seinem Programm erklärt, die koreanische Kultur zu einer globalen Marke zu machen: Er will Südkorea „weg von der asiatischen Peripherie hin ins Zentrum der Welt“ bringen.

Mehr zum Thema

Da trifft es sich gut, dass die südkoreanische Popkultur, zumal in Gestalt von Fernsehserien und singenden Girls- und Boysgroups, in den vergangenen zehn Jahren überraschende internationale Erfolge feierte. Bei so unterschiedlichen Zielgruppen wie chinesischen Jugendlichen, die angesichts der neun jungen Frauen der „Girls’ Generation“ in Verzückung geraten, oder japanischen Hausfrauen, die die Serie „Wintersonate“ wieder an die verloren geglaubte Macht großer Gefühle glauben ließ, hat „Korea“ durch seine Kulturprodukte einen ganz neuen, historische Belastungen offenbar spielend beiseiteschiebenden Klang bekommen.

Überraschende internationale Erfolge

Sogar eine wachsende Zahl an Nordkoreanerinnen soll Flüchtlingsaussagen zufolge ihre Kleidung und Frisur an den Serienheldinnen des Südens orientieren; durch chinesische Händler gelangen die DVDs ins Land. „Hallyu“, die „koreanische Welle“, hat ganz Ost- und Südostasien ergriffen und erreicht neuerdings auch Orte wie Peru, wo der Korea-Pop schon vierzig Fanclubs hat, Rumänien, wo die erfolgreichste Serie letztes Jahr eine koreanische war, und sogar Paris, das kürzlich ein von der dortigen „Korea-Connection“ lanciertes Flashmob-Happening erlebte.

Diese Erfolge will die Regierung in Seoul nun verstetigen - wohl auch angesichts wachsender Widerstände: In Tokio demonstrierten soeben Tausende nationalistische Jugendliche gegen das Übergewicht koreanischer Serien im Fernsehen. Und in der Volksrepublik China und neuerdings auch in Taiwan wurden nationale Quoten für das Programm erlassen, um den koreanischen Einfluss zurückzudrängen. Nun hat das Kulturministerium in Seoul vergangenen Monat eine eigene Abteilung für Popkulturindustrie aufgemacht.

K-pop idol group SISTAR performs at the Hallyu (Korean Wave) Dream Festival in Gyeongju © REUTERS Vergrößern Und nochmal „Sistar“: Eine Mischung aus Konfuzianismus und kapitalistischer Produktionsweise

Das Großraumbüro, zwischen dessen Gängen die Beamten zur Mittagszeit zähneputzend herumlaufen, macht auf den ersten Blick keinen sehr glamourösen Eindruck. Doch von hier sollen in Zukunft beträchtliche synergetische Effekte mit Mode, Kosmetik und Fremdenverkehr ausgehen, wie die junge stellvertretende Abteilungsleiterin Ha Hyun-jin versichert. Am Hongkong-Kino und an den japanischen Manga sehe man, sagt sie, dass kulturelle Modewelle auch wieder abebben. Das wolle ihr Haus nicht zulassen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Devisen Der starke Won bremst die Börse in Seoul

Südkoreas Wirtschaft wächst immer noch stärker als die der meisten anderen Länder in Asien. Die Nervosität der Anleger nimmt aber zu. Auch weil ein starker Won die Gewinne der so wichtigen Exportindustrie schmälert. Mehr Von Carsten Germis, Tokio

28.10.2014, 07:55 Uhr | Finanzen
Justin Bieber verärgert China

Ein Besuch des für seine Fehltritte inzwischen bekannten Sängers Justin Bieber im japanischen Yasukuni-Schrein verärgert China. In diesem japanischen Tempel wird auch umstrittenen japanischen Soldaten gedacht. Mehr

27.05.2014, 14:48 Uhr | Gesellschaft
Steinmeier in Seoul Deutschland soll bei der Wiedervereinigung helfen

Deutsche Diplomaten sollen Südkorea auf dem Weg zu einer Wiedervereinigung mit dem Norden beraten. Außenminister Steinmeier versichert, Deutschland wolle nicht als Lehrmeister auftreten. Auch Pjöngjang buhlt um Berlins gute Dienste. Mehr Von Petra Kolonko

31.10.2014, 10:44 Uhr | Politik
Fukushima-Dokumentation als Manga

Sechs Monate lang hat der japanische Künstler Kazuto Takita im havarierten Atomkraftwerk mitgearbeitet. In der Manga-Serie 1F (Ichi-F) verarbeitet er seine Erlebnisse - offenbar auffällig ausgewogen. Mehr

25.07.2014, 15:20 Uhr | Feuilleton
Handy-Krise? Nur 3 Milliarden Euro Gewinn - Samsung schwächelt

Der größte Smartphone-Hersteller der Welt hat ein für seine Verhältnisse schwaches Ergebnis vorgelegt. In den zurückliegenden drei Monaten schaffe Samsung bloß 3 Milliarden Euro Gewinn. Sorgen macht das Handy-Geschäft. Mehr

30.10.2014, 08:18 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.11.2011, 19:46 Uhr

Warhol mit Zeitungsbeilage

Von Patrick Bahners

Wie kann man Leser noch schockieren, die man an optische Sensationen gewöhnt hat? Mit der Mittwochsausgabe dieser Woche gelang der „New York Times“ das Kunststück: Die Zeitung wurde in eine Anzeige verpackt. Mehr 2