http://www.faz.net/-gqz-6uujo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.11.2011, 19:46 Uhr

Asiens Popkultur Das ist die perfekte Welle

Popkultur aus Südkorea erobert die Herzen japanischer Hausfrauen und chinesischer Einzelkinder. Der südkoreanische Staat will jetzt dafür sorgen, dass diese Mode nie wieder abebbt.

von
© REUTERS Hallyu, die koreanische Welle in der asiatischen Popmusik, hat ihr eigenes Festival in Gyeongju. Dort trat im Oktober die Gruppe Sistar auf

Alle reden von Nordkorea, diesem rätselhaftesten, unbekanntesten aller Länder, aber wirklich unbekannt ist Südkorea, das in seiner Geheimnislosigkeit allen offen vor Augen liegt. Man kennt Markennamen wie Samsung, Hyundai und LG, doch wer weiß schon etwas über die auf ganz unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätigen Unternehmenskonglomerate, die dahinterstehen, geschweige denn über die Kultur, die sie möglich macht?

Mark Siemons Folgen:

Südkorea konnte nach der globalen Krise von 2008 sein Wirtschaftswunder aus den achtziger Jahren wiederholen und erreicht seither die höchsten Wachstumsraten der OECD. Aber unterdessen bereitet dem Land seine Unbekanntheit zunehmend Sorgen. Es sieht sich - umgeben von so übermächtigen Konkurrenten wie Japan, China und Russland und dann auch noch bedroht vom eigenen Bruderstaat - nach wie vor in einer unsicheren Position, und daher versteht es sein Streben nach einem festen Ort im Weltbewusstsein als Teil seines Überlebenskampfes. Präsident Lee Myung-bak, ein ehemaliger Hyundai-Manager, hat es zu seinem Programm erklärt, die koreanische Kultur zu einer globalen Marke zu machen: Er will Südkorea „weg von der asiatischen Peripherie hin ins Zentrum der Welt“ bringen.

Mehr zum Thema

Da trifft es sich gut, dass die südkoreanische Popkultur, zumal in Gestalt von Fernsehserien und singenden Girls- und Boysgroups, in den vergangenen zehn Jahren überraschende internationale Erfolge feierte. Bei so unterschiedlichen Zielgruppen wie chinesischen Jugendlichen, die angesichts der neun jungen Frauen der „Girls’ Generation“ in Verzückung geraten, oder japanischen Hausfrauen, die die Serie „Wintersonate“ wieder an die verloren geglaubte Macht großer Gefühle glauben ließ, hat „Korea“ durch seine Kulturprodukte einen ganz neuen, historische Belastungen offenbar spielend beiseiteschiebenden Klang bekommen.

Überraschende internationale Erfolge

Sogar eine wachsende Zahl an Nordkoreanerinnen soll Flüchtlingsaussagen zufolge ihre Kleidung und Frisur an den Serienheldinnen des Südens orientieren; durch chinesische Händler gelangen die DVDs ins Land. „Hallyu“, die „koreanische Welle“, hat ganz Ost- und Südostasien ergriffen und erreicht neuerdings auch Orte wie Peru, wo der Korea-Pop schon vierzig Fanclubs hat, Rumänien, wo die erfolgreichste Serie letztes Jahr eine koreanische war, und sogar Paris, das kürzlich ein von der dortigen „Korea-Connection“ lanciertes Flashmob-Happening erlebte.

Diese Erfolge will die Regierung in Seoul nun verstetigen - wohl auch angesichts wachsender Widerstände: In Tokio demonstrierten soeben Tausende nationalistische Jugendliche gegen das Übergewicht koreanischer Serien im Fernsehen. Und in der Volksrepublik China und neuerdings auch in Taiwan wurden nationale Quoten für das Programm erlassen, um den koreanischen Einfluss zurückzudrängen. Nun hat das Kulturministerium in Seoul vergangenen Monat eine eigene Abteilung für Popkulturindustrie aufgemacht.

K-pop idol group SISTAR performs at the Hallyu (Korean Wave) Dream Festival in Gyeongju © REUTERS Vergrößern Und nochmal „Sistar“: Eine Mischung aus Konfuzianismus und kapitalistischer Produktionsweise

Das Großraumbüro, zwischen dessen Gängen die Beamten zur Mittagszeit zähneputzend herumlaufen, macht auf den ersten Blick keinen sehr glamourösen Eindruck. Doch von hier sollen in Zukunft beträchtliche synergetische Effekte mit Mode, Kosmetik und Fremdenverkehr ausgehen, wie die junge stellvertretende Abteilungsleiterin Ha Hyun-jin versichert. Am Hongkong-Kino und an den japanischen Manga sehe man, sagt sie, dass kulturelle Modewelle auch wieder abebben. Das wolle ihr Haus nicht zulassen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hyundai Ioniq Elektrisch in drei Phasen

Qual der Wahl: Hybrid, Plug-in-Hybrid oder reines Elektroauto? Den Hyundai Ioniq gibt es in drei verschiedenen Varianten. Eine erste Probefahrt verrät, was der Südkoreaner so zu bieten hat. Mehr Von Boris Schmidt

16.07.2016, 08:32 Uhr | Technik-Motor
Abermaliger Raketentest Neue Spannungen auf der koreanischen Halbinsel

Das nordkoreanische Militär hat abermals ballistische Raketen getestet. Seit dieser Woche nehmen die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel wieder zu. Anfang der Woche verhängten die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen Kim Jong-un mit der Begründung, er sei direkt verantwortlich für die Menschenrechtsverletzungen in seinem Land. Mehr

09.07.2016, 13:25 Uhr | Politik
Korea-Konflikt Nordkorea feuert drei ballistische Raketen ab

Abermals hat Nordkorea Raketen abgeschossen. Das hat das südkoreanische Militär gemeldet. Damit verstößt das Land wiederholt gegen UN-Resolutionen. Mehr

19.07.2016, 00:49 Uhr | Politik
Südkoreanisches Unternehmen In Seoul werden Haustiere geklont

Sooam Biotech gehört zu den weltweiten Marktführern im Klonen von Haustieren. In einer Klinik des Unternehmens in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul können Frauchen und Herrchen das Erbgut ihres Lieblings-Vierbeiners hinterlegen, um ihn dann nach Belieben wieder auferstehen zu lassen. Mehr

06.07.2016, 08:38 Uhr | Gesellschaft
Nach Terroranschlägen In China wächst die Angst vor Reisen nach Europa

Der jüngste Terror in Deutschland und Frankreich bestärkt die Chinesen im Gefühl, dass ihr einstiges Traumziel im Chaos versinkt. Europa gilt für asiatische Urlauber plötzlich als Ort, an dem es jeden jederzeit treffen kann. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

20.07.2016, 07:34 Uhr | Wirtschaft
Glosse

Antigourmet

Von Kerstin Holm

Nach dem Importverbot europäischer Lebensmittel muss die Bevölkerung sich etwas überlegen. Wo bekommt man die beliebten westlichen Produkte? Mehr 1 0