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Rogers Waters und die ARD : Lied des Antisemiten

Er nennt es Opposition gegen Israel, andere nennen es Antisemitismus: Roger Waters. Bild: dpa

Vier ARD-Radiosender wollten als Medienpartner Konzerte des früheren Pink-Floyd-Bassisten Roger Waters übertragen. Nachdem sie erfahren haben, dass er Ballons in Schweineform mit Davidstern aufsteigen lässt, besinnen sie sich anders.

          Der WDR wird das im kommenden Juni in Köln stattfindende Konzert des früheren Pink-Floyd-Bassisten Roger Waters nicht wie geplant auf seiner Radiowelle WDR4 übertragen. Der Intendant Tom Buhrow sagte die Zusammenarbeit ab, nachdem ihn die Kölnerin Malca Goldstein-Wolf darauf aufmerksam gemacht hatte, was Waters bei seinen Konzerten in die Luft steigen und abschießen lässt: Ballons in Schweineform mit dem Davidstern darauf.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Malca Goldstein-Wolf hatte auf der Plattform Change.org eine Petition gestartet, um den WDR zu bewegen, von der durch den Rundfunkbeitrag finanzierten Zusammenarbeit mit dem „Judenhasser“ Waters abzulassen. Nach dem „unschönen Eklat“ um die Ausstrahlung der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“ scheine sich der WDR „wiederholt auf der falsche Seite zu positionieren“, heißt es in der Petition von Malca Goldstein-Wolf. Es schockiere sie „zutiefst“, dass WDR4 das Kölner Konzert des „BDS-Aktivisten und leidenschaftlichen Antisemiten Roger Waters präsentiert“.

          Für ihre Petition fand Malca Goldstein-Wolf nicht nur mehr als 1500 Unterstützer, sie erreichte auch schnell ihr Ziel. Der WDR-Intendant Buhrow schrieb ihr am vergangenen Samstag per Mail, er verstehe ihre Bedenken – die Zusammenarbeit mit Waters sei beendet. „Zu dieser Zusammenarbeit“, teilte der WDR inzwischen auf Anfrage mit, hätten den Sender „in den vergangenen Tagen kritische Stimmen, vor allem jüdischer Mitbürger, erreicht.“ Der Musiker sei „in der Vergangenheit mit anti-israelischen Aktionen in die Öffentlichkeit“ getreten, WDR-Intendant Tom Buhrow sehe „in der Absage ein Signal des Verstehens an die jüdischen Gemeinden“.

          Der Musiker Roger Waters ist seit langem prominenter Unterstützer der von Palästinensern gegründeten Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS), die dazu aufruft, Israel zu isolieren. Sie will Waren aus Israel nicht im Handel sehen, bedrängt Politiker, Unternehmen und Künstler, sich in Israel nicht blicken zu lassen und nicht an Veranstaltungen teilzunehmen, bei denen Israel eine Rolle spielt. Beim BDS sind die Grenzen zwischen der behaupteten Kritik an der israelischen Regierung und manifestem Judenhass fließend. Der BDS hatte zuletzt im September arabische Musiker dazu bewegt, Auftritte bei dem mit öffentlichen Geldern gestützten Pop-Kultur-Festival in Berlin abzusagen, weil dort auch jüdische Interpreten geladen waren. Roger Waters setzt auch selbst Künstler unter Druck, nicht in Israel aufzutreten. Zuletzt verwahrte sich der Schriftsteller und Musiker Nick Cave gegen diese Drangsalierung, die darin gipfelte, dass er seine dieser Tage stattfindenden Konzerte in Tel Aviv absagen sollte. Er hätte sich wie ein „Feigling gefühlt“, sagte Cave in einem Interview, wäre er nicht in Tel Aviv aufgetreten.

          Konzerte von Roger Waters wollten neben dem WDR auch der Bayerische Rundfunk (in München), der Südwestrundfunk (aus Mannheim) und der Rundfunk Berlin Brandenburg übertragen. Von diesem Vorhaben nahmen die drei ARD-Sender am Montag, wie zuvor der WDR, Abstand. Damit reagiere man auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Waters, so der SWR. Man habe gemerkt, erklärte der Bayerische Rundfunk dem Fachdienst epd medien, „dass nun ein klares Signal gefragt ist“. Den Auftritt von Roger Waters werde man „natürlich dennoch wie geplant journalistisch und kritisch im Programm begleiten“.

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