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ARD-Radios und Roger Waters : Ballonfahrer

Fingerzeig: Roger Waters ist um deutliche Botschaften nicht verlegen. Hier bei einem Konzert in New York vor dem Konterfei von Donald Trump. Bild: dpa

Die Radiosender der ARD haben ihr Engagement als Medienpartner bei den Konzerten von Roger Waters abgesagt. Sie tun gut daran. Die Kritik an Waters politischer Symbolik ist berechtigt.

          Die ARD müsste sich bei Malca Goldstein-Wolf eigentlich bedanken. Mit ihrer an den WDR gerichteten Petition, nicht als Medienpartner beim Konzert des früheren Pink-Floyd-Bassisten Roger Waters mitzuwirken, hat sie die öffentlich-rechtlichen Sender vor einer Peinlichkeit bewahrt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Peinlichkeit nämlich, Teil einer politischen Inszenierung zu werden, von der Wohlmeinende sagen, sie richte sich nicht nur und nicht gezielt gegen Israel, sondern sei ausbalanciert – weil Waters auf das Ballonschwein, das er in die Luft steigen (und nicht abschießen) lässt, auch andere Symbole druckt – Kreuz, Mondsichel mit Stern, Logos von Unternehmen oder auch das Konterfei von Donald Trump, ergänzt um die eindeutige Botschaft, was vom Präsidenten der Vereinigten Staaten zu halten sei.

          So etwas macht Waters, wenn er auf Tour ist, seit Jahren. Seit Jahren tritt er ebenfalls als „Israel-Kritiker“ und Unterstützer der BDS-Kampagne („Boycott, Divestment and Sanctions“) auf, die das Ziel hat, Israel zu isolieren, und Künstler unter Druck setzt, sich am Boykott zu beteiligen. Mehr als 1200 Künstler sollen sich dem Aufruf zum „Kulturboykott“ Israels inzwischen angeschlossen haben – darunter Roger Waters.

          Doch gibt es andere, wie Elton John, Madonna oder die Band Metallica und zuletzt Nick Cave, der gerade erst dezidiert zwei Konzerte in Israel angesetzt hat, die sich der Ausgrenzungsaktion widersetzen. Dass Roger Waters bei seinen in Deutschland geplanten Konzerten den Schweineballon starten lässt, darf man annehmen – und gespannt sein, ob der Davidstern abermals darauf prangt. Dass die ARD bei der Gelegenheit nicht als Medienpartner fungiert, dürfte den öffentlich-rechtlichen Sendern zum Vorteil gereichen. Nach WDR, SWR, BR und RBB hat das auch der NDR verstanden und am Dienstag die Zusammenarbeit mit Waters abgesagt.

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